hardt gestiftet und 1450 geweiht, und die Bessererische Kapelle,von Heinrich Besserer 1414 gestiftet. Die Kapellen sowohl alsdie Kirche selbst sind mit mancherlei sehenswerthen Denkmälernund Kunstwerken geziert. Vor dem Chor steht der Hauptaltarmit einem schönen Marblatte, die Einsetzung des Abendmahlsvorstellend, von Hans Scheuffele. In dem Chöre selbst stehtein prächtiger und kunstreicher Altar, welcher 1808 aus derBarfüßer Kirche hierher gebracht und an die Stelle eines äl-teren gesetzt worden ist, an welchem Kaiser Karl V. am 14.August 1548 das heil. Abendmahl in beiderlei Gestalt empfing.Die Altargemälde sind ein Werk des Martin Schaffner von1521, die vergoldeten Bilder sind von Daniel Meth geschnitzt.Zur Seite vor dem Chor steht das Sacramcnlbäuschen, einzierliches und feines Bildwerk in Gestalt einer boken Pyramide,wie vermuthet wird, von Jörg Sürlen dem Älteren im Jabr1579 gefertigt. Von eben diesem Meister sind auch die schö-nen Cborstühle aus Eichenholz, das vortreffliche Ckristusbild inder Vorhalle des Hauptportals und andere Werke. MehrereKunstwerke sind während der Reformation weggeschafft worden,mit ihnen auch alle Altäre, deren die Kirche 52, alle reichdotirt, hatte; erst zur Zeit des Interims wurden die zwei ge-genwärtigen wieder hergestellt. Einigen Ersatz für den Verlust,den die Kirche durch die Reformation erlitten, erhielt sie ausVeranlassung des Reformations-Jubiläumö im Jahr 1817, woihr Inneres sehr zweckmäßig erneuert und verbessert wordenist. Bcmerkenswerth sind auch: die Orgel, welche 1596 vondem blinden Orgelmacher Conrad Schott aus Stuttgart ge-baut wurde und 45 Register mit 3240 Pfeifen hat; ferner dieKanzel mit ihrem aus Lindcnbolz von Jörg Sürlen dem Jün-gern geschnitzten Deckel, der Taufstcin, mehrere Gemälde, na-mentlich eins von Rolhenhammer, die Geburt Christi, in derSacristei, die Gemälde auf beiden Seiten des Eingangs in denChor, sodann die Bildsäulen der beiden Kaiser Lothar undKonrad, die ehemals auf dem Gänsthor gestanden hatten, dasModell des Münsters von dem Ulmer Schreiner Konrad Metz-ger 1813 mit vieler Kunst gefertigt und in der NeidhardtischenKapelle aufgestellt.
So merkwürdig und großartig die Kirche ist, eben so sehrund noch mehr ist es der Thurm der Kirche. Wie schonberührt worden, sollte die Kirche drei Thürme bekommen, eskam aber nur der Hauptthurm und auch dieser kaum zurHälfte zur Ausführung; denn nach dem ursprünglichen Planesollte er noch zwei Abtheilungen erhalten, wovon die eine einStockwerk, die andere aber ein spitzsäuliges durchbrochenesDach bilden und mit einem 12 Fuß hohen vergoldeten Ma-rienbilde enden sollte. Dadurch hätte der Thurm eine Höhevon mehr als 500 Fuß erhalten. Aber schon die zweite Ab-theilung wurde nur noch auf eine Höhe von 15 Fuß ausge-führt. Gleichwohl steht der Thurm auch so, wie er ist, alsein bewundernswürdiges Werk da. Seine jetzige Höhe beträgt387 Fuß. Bis auf eine Höbe von 237 Fuß bildet er eineviereckige, künstlich durchbrochene Säule, wovon jede Seite69 Fuß breit ist. Auf diese folgt dann der ebenerwähnte An-sang der zweiten Abtheilung, worauf das Ganze mit der Be-deckung und einer Glockenlaterne endet, welche an die Stelle
der Fortsetzung getreten ist. Der Anblick des Thurms erregt! eben so sehr durch die Zierlichkeit und Mannichfalligkeit dereinzelnen Theile, als durch die Größe und Erhabenheit desWerks im Ganzen und durch die Leichtigkeit, womit er sicherhebt, Bewunderung. Auf seiner Höbe hat man eine herr-liche Aussicht, welche bis an den Säütis und Arlsberg reicht.Kaiser Maximilian I., der nach einer Inschrift 1492 denThurm bestiegen hat, soll sich an den Rand des Kranzes, dernoch keine Einfassung hatte, gestellt und den einen Fuß in diefreie Luft hinaus gehalten haben.
Geschichte des Münsters. Das ganze riesenmäßigeGebäude wurde in der Absicht, es zur Pfarrkirche zu bestim-men, aufgeführt, da die ältere Pfarrkirche zu U. L. Fr. oderAllerheiligen vor dem Frauenthore für die vermehrte Einwoh-nerzahl nicht mehr geräumig genug und auch der Weg dahinfür manchen Einwohner sehr weit und in den damaligen krie-gerischen Zeiten öfters gefährlich war. Man beschloß daher,eine besser gelegene und geräumigere Pfarrkirche zu erbauen.Nachdem der Abt von Reichen«», als Patron der Kirche,1376 seine Einwilligung dazu gegeben hatte, wurde ans Werkgeschritten, und am letzten Juni 1377 der Grund auf einenRost von Ulmenbäumen gelegt. Wer der erste Baumeister ge-wesen, ist unbekannt; wahrscheinlich war es auch nicht einEinzelner, sondern die schon seit dem 13. Jahrhundert in Ulmvorkommende Steinmetzenhütte (l.oxe), d. h. Zunft von Bau-meistern, Malern und Bildhauern, welche den Plan zu demgroßen Werke entwarfen. Erst 13 Jahre nach der Grund-steinlegung 1390, wurde von dem Magistrat mit Ulrich vonEnsingen, bei Freibnrg in der Schweiz, ein Vertrag abge-schlossen, wonach dieser den Bau zu führen hatte. Nach sei-nem Tode (1429) wurde sein Sohn Kaspar als Kirchenbau-meister in Bestallung genommen, und diesem folgten spätersein Bruder Matthäus und 1465 Moritz, der Sohn des Letz-tern, welcher das Werk bis an seinen Tod (1480) fortführteund die Kirche beinahe zur Vollendung brachte. Nach ihmwurde Matthäus Böblinger von Eßlingen als Kirchenbau-mcister angenommen, der den Bau des Thurmes fortsetzte, bisim Jahr 1492, an einem Sonntage, während des Gottes-dienstes (der schon seit längerer Zeit darin statt fand) Steinevon dem Kirchcngewölbe herabfielen und der Grund des Thur-mes wich. Jetzt mußte Böblinger die Stadt verlassen, und,um der drohenden Gefahr zu begegnen, ließ der Stadtrathvon allen Orten her Baumeister berufen. Burkhard Engelbergvon Hornberg unternahm es, durch Unterbauen den Thurmgegen den Einsturz zu sichern, und führte sein Werk von 1494bis 1502 aus. Aber nun getraute man sich nicht mehr, denThurm weiter fortzusetzen, und begnügte sich mit der jetzigen,möglichst einfachen Bedeckung. Auch in der Kirche selbst wur-den zur Sicherung des Gebäudes manche Vorkehrungen ge-troffen, namentlich wurden die Seitengewölbe des Schiffesdurch eine Reihe von Säulen unterstützt, und so jedes der-selben in zwei Theile getheilt. Die Aufführung der beidenScitcnthürme unterblieb um so mehr, als, wie es scheint, auchandere Ursachen außer der befürchteten Gefahr die Ausführungdes ganzen riesenmäßigen Planes hemmten. Da der Thurm