doch wahrscheinlich noch von Ulrich herrührte, wieder ein, so ^daß man nun den Entschluß faßte, statt der alten hölzernenKirche die noch setzt stehende steinerne aufzuführen. Um demGebäude die gehörige Ausdehnung zu geben, wurden mehrereHäuser auf dem Kirchhofe abgebrochen und überhaupt allemöglichen Anstalten getroffen, um ein seiner Bestimmung wür-diges Werk zu errichten. Gleichwohl wollte das Unternehmenkeinen rechten Fortgang gewinnen, und es dauerte ein vollesJahrhundert von 1432 bis 1531, wo der oberste Kranz andem großen Thurme fertig wurde, bis der Bau zu Standekam. Die Kirche ist im Geschmacke ihrer Zeit gebaut, undhat zwei Thürme von ungleicher Größe und Bauart. Dergrößere davon, der vorn an dem Schiffe sich erhebt, zeichnetsich sowohl durch Masse als Form sehr vortheilhaft aus, undbat eine Höhe von 200 Fuß; der kleinere aber, der auf derlinken Seite zwischen dem Chor und dem Schiff steht, ist wahr-scheinlich ein Ueberbleibsel der alten Kirche oder wurde wenig-stens gleich Anfangs gebaut; denn im Jahr 1488 hatte erschon wieder eine Ausbesserung nöthig, während der größereerst im Jahr 1490 zu bauen angefangen wurde; auch wurdeer von jeher der alte Thurm genannt. Das Innere der Kircheist mit einem schönen dreifachen, durch zwei Reihen Pfeilergetrennten Gewölbe bedeckt, und bat ein zwar nicht glänzen-des, jedoch würdiges Ansehen. Eine Hauptzierde dieser Kirchebilden außer der im Jahr 1811 von Zwiefaltcn hierher ver-setzten Orgel die verschiedenen Grab- und Denkmäler, beson-ders aber die fürstlichen Monumente, welche letztere sich sämmt-lich im Chor befinden und daselbst theils auf dem Boden ein-gelegt, theils als Sarkophage oder sogenannte Paradebettenaufgestellt, theils endlich als Bildnisse unter mancherlei Zu-gaben an der Wand herumgestcllt sind. Letztere, 11 Grafenvon Würtemberg vorstellend, gewähren, da sie in Lebensgrößein Stein gehauen sind, einen besonders interessanten Anblick,ob sie gleich erst in spätern Zeiten, und wie eine Nachrichtwill, sämmtlich kurz vor dem dreißigjährigen Kriege verfertigtwurden. Unter dem Chöre befindet sich die fürstliche Gruft, inder etliche und fünfzig Särge aufgestellt sind.
Das Alte-Schloß erregt schon wegen seines altritter-lichcn Anscbens die Aufmerksamkeit. Herzog Christoph begannden Bau im Jahr 1553 auf der Stelle des alten GräflichUlrich'schen Schlosses, das er sammt seinen neuern Zuthatenbis auf den Grund abbrechen ließ. Der Herzog starb aberim Jahr 1508 noch vor Beendigung des Baus, welche erstim Jahr 1570 unter seinem Sohne Ludwig statt fand. Allein
kaum nach seiner Vollendung drohte demselben wieder der Ein-sturz, und Ludwig sah sich genöthigt, auf den beiden am mei-sten beschädigten Ecken zwei Tbürme (1572 den gegen dieStiftskirche und 1578 den gegen das Neue-Schloß) anzubauen,bei welcher Gelegenheit denn auch der an den letztern stoßendeAnbau mit dem Archiv und dem nun wieder verschwundenenGarten über demselben entstand. Ebenso wurde in den Jahren1086 u. 87 der dritte und schönste Tburm, gegen das Palaisdes Herzogs Louis, angebaut. Ursprünglich war das Schloßmit einem tiefen Graben umgeben, wovon die eine Hälfte mitWasser angefüllt, die andere aber, wahrscheinlich um des an-grenzenden Kellers willen, trocken gestellt war, und wegen derdarin gehegten Hirsche :c. der Hirschgraben genannt wurde.Das Innere des Schlosses enthält, wenn wir nicht etwa dieberühmte Reitschnccke — ein Thurm oder Treppenhaus, inwelchem man bis in den obersten Stock des Schlosses hinauf-reiten kann — ausnebmen wollen, als Schloß nichts Merk-würdiges mehr. Der Kaiscrsaal, der Rittersaal und andereGemächer sind jetzt verbaut und für die Kanzlei des Staats-ministeriums, des Hofmarschallamts und der Hofökonomie ein-gerichtet; die alte Schloßkirche wird, seitdem die Hofkapellein den Nebengebäuden des Schlosses gebaut ist, für andereZwecke benutzt; die Tbürnitz — der Platz, wo ursprünglichbei schlechter Witterung die Ritterspiele gehalten oder turnirtund später das Rittergesinde gespeist wurde, hat ihre Einrich-tung und Bedeutung verloren, und der übrige Raum wirdgrößtenthcils von Leuten vom Hof bewohnt. Dagegen be-finden sich jetzt andere Merkwürdigkeiten in diesem Schlosse,und zwar: I) das Naturalien - Cabinet; 2) das Pflanzen-Ca-binct; 3) das Münz-, Medaillen-, Kunst- und Alterthums-Cabinet; 4) die kostbare Sammlung von Majolika (Porzellanoder Fayence-) Malerei.
Auf der Nordseite des Allen Schlosses befindet sich der so-genannte Alte-Schloß- oder Kanzlciplatz, welchen ringsder herrliche Prinzenbau, auch das Palais des Prinzen Paulgenannt, aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts, dasalte castellartige Kanzleigcbäude aus dem 10. Jahrhundert, dieStiftskirche und das Schloß selbst umgeben. Eine höhere Be-deutung erhielt derselbe neuerdings durch das Schillers-Monument (kolossale eherne Statue mit Basreliefs), welchesnach dem Modelle des großen Thorwaldsen, in München vonStieglmaier in Erz gegossen und im Mai 1839 auf einem 10Fuß hohen Piedestal von Granit hier aufgerichtet und einge-weiht wurde.