Druckschrift 
2 (1840)
Entstehung
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kapclle mit einem großen Altarbild von Hetsch, den königl.Marstall, das Treibhaus, und die gegen 50,000 Bände be-tragende Privatbibliothck des Königs.

Noch ist auf der rechten Seite die Hospitalkirche zu be-merken, ursprünglich eine bloße Kapelle, welche seit 1471 GrafUlrich und nach ihm die daneben wohnenden Dominikaner-mönche zu einer Kirche vergrößerten. Im Jahr 1825 wurdedieselbe im Innern wieder hergestellt und mit dem kolossalenChristus-Modell von Dannecker geziert.

Auf der linken Seite erblicken wir die St. Leonhards-kirche, welche fast zu gleicher Zeit mit der vorigen (14701475) von Graf Ulrich erbaut und bereits 1799 im Aeußernrestaurirt wurde. Vor dieser Kirche stebt die Kreuzigung Christiin Stein ausgehauen, angeblich von demselben Meister, vondem auch der berühmte Oelbcrg zu Speicr herrübrt.

Außer der Totalansicht wählten wir, ihrer geschichtlichenBedeutsamkeit wegen, den Friedrichs- oder Marktplatz mit sei-nen Umgebungen und das Alte-Schloß.

Der Friedrichs- oder Marktplatz verdankt GrafUlrich dem Vielgeliebten seine eigentliche Entstehung, indemdieser im Jahr 1435, da er das Herrenhaus erbante, den-selben zuerst pflastern und im Jahr 1456, da das Rathhauserbaut wurde, mehrere Häuser, die darauf standen, kaufenund abbrechen ließ. Im Jahr 1518 wurde der Platz aufsNeue gepflastert, und im Jahr 1577 berief man -- ein Be-weis, wie selten damals noch die Leute waren, die einStraßenpflaster anzulegen verstanden sogar einen Pflästerervon Heidelberg, um den Platz abermals mit einem neuenPflaster zu versehen. Herzog Ludwig zahlte damals selber400 Gulden an den Kosten, wogegen sich aber die Stadt desWandels zwischen dem Lustgarten und Schlosse, vom Falken-Haus bis in die Eßlinger Vorstadt, begeben mußte. ZweiBrunnen, die Schandbühne und ein Galgen, welche sonst aufdiesem Platze standen, wurden in neuern Zeiten weggeschafft.

Unter die nächsten einigermaßen merkwürdigen Umgebungendieses Platzes gehören die schon obengenannten beiden Gebäude:das Rathhaus (links auf unserm Bilde) und das Herren-baus (nicht sichtbar). Von diesen wurde das letztere im Jahr1435, das erstere aber im Jahr 1456 erbaut und erst im Jabr1582 mit der Wappenverzierung versebeu, welche ihm ein soalterthümliches Ansetzen gibt. Während nun von dieser Zeitan das Rathhaus unverändert blieb und erst 1825 wieder her-gestellt wurde, erfuhr das Herrenhaus schon frühe mancherleiVeränderungen. Es war in gewisser Hinsicht das herrschaft-liche Rathhaus, indem auf demselben, nach der ihm gegebenenBestimmung, im Namen der Herrschaft die Huldigung einge-nommen, die peinliche Gerichtsbarkeit ausgeübt und die pein-

lichen Prozesse gehalten wurden. Daher auch die verschiedenenBenennungen desselben: Herreuhaus, Herrschaftstzaus, Maleftz-! Haus. Zu gleicher Zeit sollte es nach seiner frühern Bestim-mung noch zum Kauftzause dienen, und es befanden sich unterdemselben die Brodlanbe, die Metzig und das Kornhaus. Unterdem Herzog Ckristoph wurde das Haus eine Zeit lang Nieder-ländischen Kunstwebcrn eingeräumt. Als diese aber im Jatzr1566 wieder abzogen, so crtzielt es seine vorige Bestimmung,und es waltete sogar eine Art von Eifersucht ob, daß die pein-lichen Prozesse nicht aus dem gemeinen Bürger- oder Rathhausevorgenommen wurden. In der Folge aber dachte man darüberanders, und das Haus wurde unter der Regierung Karls indem obern Stockwerk für die Bibliothek und römische Alter-thümer, in dem mittlern für die Kunstkammer und in demuntern, statt der Lauben :c., zur Auslegung der Waaren anMärkten und Messen; im Jahr 1787 aber, als sich die Bi-bliothek sehr bedeutend vermehrte, wurde es ganz für diese ein-gerichtet, so daß diese nunmehr in 3 Stockwerken drei Säle und26 Zimmer einnimmt. Otzne Zweifel ist dieselbe nunmehr eineHauptzierde von Stuttgart. Sie gehört zu den größten undwichtigsten Sammlungen itzrcr Art, und im Bibelfache ist sieohne Vergleicht»^ die erste. Die Anzahl sämmtlicher Druck-schriften mag sich auf 200,000 Nummern belaufen, und nochist sie in beständigem Wachsen begriffen. Ihren Ursprung ver-dankt sie dem Herzog Karl, der sie im Jahr 1765 zu Lud-wigsburg stiftete, wo sie aber anfänglich blos aus des Herzogseigener Büchersammlung bestand, und mehrere Jahre ziemlichunbedeutend blieb, bis sie im Jahr 1775 nach Stuttgart ver-setzt und ihr dort die Bibliotheken des Geheimen Raths, derRegierung, des Consistoriums und anderer Kanzlcibehörden,nebst mehreren Privatsammlungen, einverleibt wurden.

Im Hintergründe desselben Bildes sehen wir noch die äl-teste der drei lutherische» Hauptkirchen der Stadt, die soge-nannte Stiftskirche (Leclesia eolleAiata saactae eruoi«,Collegiatkirchc) hervorragen, und sind daher auch darübereinige Bemerkungen zu machen schuldig. Der erste Erbauerdieser Kirche ist unbekannt. Daß aber derselbe Graf Ulrich,der das erste Schloß in Stuttgart erbaute, sich auch um diesenBau verdient gemacht hat, beweist die über einer zugemauertenThüre der Kirche befindliche Inschrift: Ulrieug llo »irteuber^l'iepositus 8. tzluillvnis 8pirensi8, deren Inhalt noch durcheine handschriftliche Nachricht bestätigt wird, welche sagt, daßGraf Ulrich im Jahr 1289 den Ctzor der Kirche gebaut habe.Weiter baute Graf Eberhard der Erlauchte im Jahr 1321 andieser Kirche; ob aber von Grund aus oder nur einzelne Theile,möchte schwer zu entscheiden sem. In jedem Falle war derBau sehr gering, und im Jahr 1419 stürzte der Chor, der je-