linger, Meister dis Hus, des gedenkcnt durch Got." Es istdies der Baumeister dieser Kirche, der in der StraßburgerHütte gebildete Matthäus Böblinger von Eßlingen, welcher mitder Stcinmetzenfamilie der Enstnger zu Ulm verwandt warund auch an dein dortigen Münster 1474 bauen half. — Erstin der neuesten Zeit nehmen sich die Eßlinger der sonst sehrverwahrlosten Kirche, des höchsten Kleinods ihrer Stadt, mehran und haben namentlich die nächste Umgebung derselben vondem Schütte geräumt, der sie am Ende zu begraben drohte.
Eine dritte Kirche in Eßlingen, die aber als solche nichtgebraucht wird und außer ihren Glasmalereien auch nichts Sehens-werthes darbietet, ist ebenfalls für ein Werk Böblingers zu halten.
Als sonstige architektonische Merkwürdigkeiten verdienenaußer den mit Thürmchcn versehenen Ringmauern, die Eß-lingen ein sehr alterthümliches Ansehen geben, in der eigent-lichen Stadt das Rathhaus, das Gerichtshofgebäude, das reiche(Katharinen-) Hospital mit ungeheurem Kellergewölbe (die da-zu gehörige von Matthias Böblinger gleichfalls erbaute Kirche,die eins der schönsten Kreuzgewölbe gehabt haben soll, ist jetzt
leider fast ganz abgebrochen) und das Gymnasium, in der Vor-stadt Beutten die sogenannte Burg auf einem Berge, und inder Vorstadt Bliensau das ehemalige Zeughaus des schwäbischenKreises genannt zu werden.
Tuchfabriken, Leimsiedereien, Wollspinnerei und Leinen-weberei auf Maschinen, Fabriken von lackirten und vergoldetenBlechwaaren, Schleif- und Papiermühlen, sowie Wein- undAckerbau begründen den Wohlstand der gegenwärtigen Bewoh-ner von Eßlingen.
Auf dem Reichstage hatte Eßlingen auf der Bank derschwäbischen Reichsstädte die fünfte, auf der Städtebank desschwäbischen Kreises aber die dritte Stelle. Auch befand sichhier in dem sogenannten Ritterbau oder herrschaftlichen Hausedie Kanzlei der schwäbischen Ritterschaft. Zu ihrem Gebiet,welches ganz vom Herzogthum Würtemberg umschlossen war,gehörten, außer dem Dorf Weltingen und einigen Weilern,die Pfarrdörfer Deyzisau am Neckar, Möhringen nnd Vaibin-gen, letztere beide in den sogenannten Feldern, die dem Ka-tharinen-Hospital gehören.
Stuttgart.
Stuttgart, die Hauptstadt Würtembergs und Residenz desKönigs mit etwa 35,VW Einwohnern (mit dem Militär), liegtam Nesenbach, in der Tiefe eines Thales, das bis Kannstadteinen englischen Garten bildet, zwischen reizenden Weinbergenund Gärten. Die Gegend ist mild und angenehm, und besitztsowohl im Ganzen, als besonders in einzelnen Theilen vieleReize, wenn sie gleich nicht zu den vollkommen schönen gerech-net werden kann, da es ihr schon an einer Haupteigenschaft,an einem Flusse, gebricht. Den schönsten Theil der Stadtmachen die Vorstädte aus, deren Straßen sich in rechten Win-keln durchschneiden; ein neues Viertel bildet die Gegend umdas neue Schloß. Die Stadt ist fast durchgängig mit nettenund freundlichen Häusern versehen, hat reinliche, größtentheilsregelmäßige und hinlänglich breite Straßen, und macht dahergewöhnlich auf den Fremden einen angenehmen Eindruck.
Auf der Totalansicht, welche uns die Stadt von derEßlinger Steige darstellt, erblicke» wir rechts die HauptzierdeStuttgarts in architektonischer Hinsicht, das Königl. Resi-denzschloß, welches, wenn ihm auch weniger der Charakterdes Großen und Erhabenen zukommt, doch um so mehr denVorzug des Gefälligen und Angenehmen in Anspruch nimmt.Es liegt auf der nördlichen, leider etwas niederen, Seite derStadt, und wurde hier in den Jahren 1746 bis 18V6 unter
Mitwirkung verschiedener Bauverständigen und mit mancherleiUnterbrechungen aufgeführt. Es besteht aus drei Theilen, demHauptgebäude und zwei Flügeln, und bildet mit denselben diedrei Seiten eines Vierecks, die aber in der Mitte und beson-ders auf den vier Ecken mit starken Vorsprüngen nach Außenversehen sind. Das Erdgeschoß mit eingerechnet, hat es dreiStockwerke, wovon aber das dritte an den beiden Flügeln ausMansarden besteht, die jedoch deßwegen nicht unangenehm auf-fallen, weil sie nach Innen mit schönen Antiken abwechseln.Es ist ganz aus den schönsten Werkstücken aufgeführt und miteinem ziemlich flachen Schieferdach? bedeckt. An dem Mitteldes Hauptgebäudes befindet sich ein mit dem WürtembcrgischenWappen und allerhand Sinnbildern und Figuren gezierterGiebel, hinter welchem sich eine, mit einem vergoldeten Gelän-der eingefaßte Kuppel und auf dieser eine kolossale, gleichfallsreich vergoldete und weithin strahlende Königskrone eihcbt.Im Innern enthält es eine Menge Sehenswürdigkeiten, insbe-sondere den (großen) Marmor-, den rotbcn und blauen Mar-mor- und den weißen Saal, von meist inländischem Marmor,mit Meisterwerken älterer und neuerer Künstler, sowie mitFrescogemälden aus der Würtembergischcn Geschichte von Ge-genbauer. Die sogenannten Königl. Schloß-Nebengebäude,welche unmittelbar hinter demselben liegen, enthalten die Hof-