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^5sslingen, ehedem eine freie Reichsstadt des schwäbischenKreises, gegenwärtig eine gewerbthätige Stadt von 6300 Ein-wohnern, zum Neckarkreise des Königreichs Würtembcrg ge-hörig, liegt an dem hier in einen Haupt- und einen Nebenarmsich theilenden Neckar, über welchen zwei Brücken führen, ineiner sehr schönen und fruchtbaren Ebene, welche rechts vonWeinbergen, links von Waldungen begrenzt ist. Sie bestehttheils aus der eigentlichen Stadt, die an einem Arm des Ne-ckars und zum Theil sehr hoch liegt, theils aus den Vorstädten,nämlich: der oberen Vorstadt, die mit der eigentlichen Stadtan einerlei Arm des Neckars liegt, der Vorstadt Bentten, diewieder in die obere nnd niedere abgetheilt wird, und der Vor-stadt Bliensau, welche zwischen dem Hauptstrom des Neckarsund dem vorhin genannten Arme desselben auf einer Inselliegt. Von architektonischen Sehenswürdigkeiten besitzt die übri-gens altmodisch und eng gebaute Stadt vornehmlich: die Dio-nysius- und die Frauenkirche.
Die Dionysiuskirche ist an der Stelle einer älterenKirche gleichen Namens, welche Abt Fulrad von St. Denysim 9. Jahrhundert baute, wahrscheinlich zur Zeit Rudolphsvon Habsburg — denn damit stimmt nicht nur die Angabeeiner alten Ehronik, sondern auch der in dem Thurm zumTheil noch herrschende Rundbogenstyl — in ihrer ersten An-lage errichtet worden; die Vollendung des Baues aber fälltin das 15. Jahrhundert. Besonders schön sind die, leider zumTheil verbauten, Säulenknäufe im Innern der Kirche. Siehaben nicht mehr die würfelartige, sondern die glockenförmigeGestalt, wie wir sie in den Münstern zu Freiburg, Straß-burg :c. finden. Die Verzierungen daran sind von außeror-dentlicher Mannigfaltigkeit: der älteren Art, zu welcher dieSteinmetzen immer zurückgegangen zu sein scheinen, gehörendie Thiergcstalten, z. B. Greife, Ochsen, Hunde, Schaafe an,wie sie im untern Bau zu St. Stephan in Wien zu sehensind; die übrigen Verzierungen aber sind mehr vegetabilischerArt: Laubwerk, Blätter und Blumen, die in unendlichen Ver-zweigungen phantastisch um die Knäufe gewunden sind. Eineherrliche Sculpturarbeit ist das Sacramenthäuschen. Ebensostammen die Schnitzereien an den Ehorstühlcn, welche die Jah-reszahl 1518 tragen, noch aus einer guten Zeit. Auch hierhat sich die Phantasie des Künstlers mit Menschen- und Thier-gestalten und Todtenköpfen einen weiten Spielraum eröffnet.In den Glasmalereien endlich sind eine Menge diabolischer Fra-tzenbilder zu sehen, welche meist den Heiligen zu Füßen gelegt
sind, eine wunderbare Vermischung heidnischer und christlicherElemente.
Die Frauenkirche, welche von ihrem hohen Stand-punkte aus die ganze Stadt überragt und ihr zur großenZierde dient, hat ein 134 Fuß langes und mit seinen beidenAbseiten 72 Fuß breites Schiff, an welches sich der 41 Fußlange und 31 Fuß breite Chor schließt. Eine höhere Bedeu-tung gewährt ihr vorzüglich der äußerst kunstreich ausgcfübrtcThurm, offenbar eine Nachahmung des Freiburgers. Kühnund leicht steigt er auf vier dicken Säulen, die ihm als Unter-lage dienen, in die Höhe. Das erste viereckige Geschoß von60 Fuß Höhe endigt mit der ersten Gallerie, mit der zweitendas achteckige Glockengehäus von 30 Fuß Höhe. Hierauf folgteine 50 Fuß hohe in Drei-, Vier-, Fünf-, Sechs-, Sicbcn-und Achtecken durchbrochene und durchsichtige Pyramide, welchevon vier Pfeilern gebildet wird, die nebst vielen vermittelstdurchbrochenen Laubwerks mit einander verbundenen Stäbennach der Spitze hin sich einwärts neigen. Die Zierrathen undDurchbrechungen gleichen den kunstreichsten Stickereien; auchsind die Steine, aus denen sie zusammengesetzt sind, nicht mitMörtel, sondern mit Blech verbunden. Eine Wendeltreppeführt im Innern dieser Pyramide bis zur obersten Gallerie.Die Spitze der Pyramide ist etwa 40 Fuß hoch, so daß sichdie Höhe des ganzen Thurms auf 230 Fuß beläuft. Dieganze Anlage fiel zwar nicht mehr in die goldene Zeit, woman nach großem Maßstabe bauen konnte; allein man hat hierim Kleinen all die Niedlichkeit und Herrlichkeit, die man inFreibnrg im Großen ausgeführt sieht. — Die drei Eingängeder Kirche sind mit Reliefs geziert, die sämmtlich der Verherr-lichung der Mutter Gottes von ihrem Tode bis zur Himmel-fahrt bestimmt sind. Selbst die Darstellung Christi in seinerrichterlichen Herrlichkeit muß dazu dienen, die Glorie der hei-ligen Mutter zu erhöhen. Ein anderes Bild zeigt den Wegzum Leben und zur Hölle; der letztere führt gerades Weges inden aufgesperrten Rachen des Teufels, in welchem kleine Teu-felchen den verirrten Wanderer empfangen. — Das Innereder Kirche schmücken Glasmalereien, welche zum Tbeil vonausnehmender Schönheit sind und Darstellungen aus dem Le-ben Mose's, David's, Maria's und Jesu's enthalten; besonderslieblich ist das Bild der sterbenden Hanna, welcher Mariadas Jesuskind bringt. — Im Schiff der Kirche unter einemkleinen hölzernen Marienbild an der linken Säule beim Haupt-eingang steht die Inschrift: „Hie ligt begraben Hans Böb-