mer am Neckar besetzt hielten. Seine Höbe beträgt 60 Fuß,sein Umfang 43. Der Knopf, der auf demselben angebrachtist, rührt erst vom Jahr 1610 her, und sollte nur dazu die-nen, die Aussicht auch über den Eichwald hinter der Warte zueröffnen. Die Aussicht, die man von bier aus genießt, ist inder Tbat entzückend zu nennen; denn das ganze Ncckartkalmit seinen unendlich vielen Dörfern und Städten liegt vor unsausgebreitet, und das Auge schweift bis zu den fernsten Bergendes Odenwaldes und von Heidelberg; Heilbronn aber liegt tiefunter uns, gleichsam zwischen Bäumen, Wiesen und Gärtenversteckt. Hier sammeln sich alljährlich zur Zeit des HerbstesTausende von Menschen, oft aus weiter Ferne, um unter Musikund Tanz die Freuden des Wcinsegens mitzufeiern; aber auchdas ganze übrige Jabr über ist dieser herrliche Punkt nie vonBesuchenden leer.
Ein anderer höchst interessanter Punkt in der Umgebungvon Heilbronn ist die berübmte Burgruine, die Weibcrtreue,bei dem Städtchen Weinsberc>. Auf einer bequemen, mit Obst- ^bäumen bepflanzten und mir Rebengeländern gezierten Straßegelangt man von Heilbronn aus bald auf die Stelle, wo sichdas freundliche Weinöberger Thal eröffnet, dessen Eingang vonder Burg gleichsam bewacht wird. Das freundliche Städtchen liegtan dem Fuße des runden, frei emporragenden Berges, aufdessen Spitze mitten unter Reben die Trümmer der Burg zuuns berüberblicken Die Geschichte desselben verliert sich wohlin das früheste Alterthum; dafür zeugt die altergraue KircheWcinsbergs, und dieser Name selbst, in dem sich sicher dieKunde von dem ersten Weinbau in dieser Gegend erhalten hat.Der Tburm und die etwas mysteriösen Verzierungen der Kirchesind im sogenannten byzantinischen Baustyle, der sonst in Schwa-ben nur wenige Spuren zurückgelassen bat. Wahrscheinlich bartcdie Kirche in frühern Zeiten noch mebr Byzantinisches; denndie einzelnen Buchstaben von Inschriften und Fragmente vonWappen, die man hin und wieder an derselben zerstreut findet,und die ebemals wobl ein Ganzes bildeten, verratben Ausbes-serungen an ihrem Aeußern, die wabrscheinlich durch die Kriegs-stürme, denen gerade die Kirche, um ibrer Lage willen (zu-nächst am Fuße des Berges), am meisten ausgesetzt war, nötbiggemacht wurden. In dem Innern der Kirche spricht uns vor-
züglich das sehr alte Gemälde an, auf dem die bekannte Ge-schichte der Weibertreue abgebildet ist. Oberhalb des Gemäldesstanden ebemals die Worte: „ibres Mannes Herz darf sich aufsie verlassen." Die Burg Wcinsberg erscheint auf dem Gemälde,so wie sie vor ibrer Zerstörung war. Durch die Burgthore zie-ben die treuen Frauen in langen Reiben herab, die kleinste derFrauen, die den schwersten Mann trägt, und unter ihrer Lastbeinahe zu erliegen scheint, voraus. In dem Vordergrunde hältauf einem stattlichen Zelter in edler Haltung Kaiser Konrad,und schaut den Frauen rubig zu, obnc sich durch die dringen-den Vorstellungen des leidenschaftlichen Herzogs Friedrichs irremachen zu lassen; das ganze Heer aber sieht mit gespannterAufmerksamkeit dem sonderbaren Aufznge zu.
Steigen wir nun den Burgweg binan, so bietet uns derRebenbügel, auf dem die Ruine liegt, je höber wir kommen,eine überaus freundliche Aussicht dar. Gegen Osten blicken wirin ein friedliches und gesegnetes, mit Dörfern übersäetcs Tkal,dessen äußerstes Ende durch eine gegen Norden sich ziehendeBergkette begränzt wird, während weiter südlich die Ruinendes Stammschlosses der Grafen von Löwenstein hervorragen,und nordwestlich sich die Aussicht in einen Tbeil des Neckar-tbals öffnet. Die Burg selbst erkält durch das rege Leben dersie umgebenden Natur noch in ibren Trümmern ein sehr freund-liches Ansehen. Sie hatte ehedem, wie wir aus dem Gemäldein der Kirche seben, mehrere sehr feste Thürme und eine wohl-verwahrte Ringmauer mit einer Bnrgkapclle. An der Mauerdes Burgweges standen gleichsam rechts und links zwei starkeTbürme, wovon noch einige Spuren übrig sind. In dem innernBurgranm fübrt noch jetzt ein enges Pförtchen den nächstenWeg durch die Weinberge in die Stadt hinab. Nordwestlichsteht ein schöner Thurm, der bis auf die Wendeltreppe nochziemlich gut erkalten ist. Die westliche Seite der Burg bildetewabrscheinlich das Ritterhaus; auf dieser Seite verräth jetzteine bloße Stcinmasse, daß hier ehedem ein Tburm befindlichwar. Nordöstlich stehen die Ueberbleibsel des Burgverließes, indessen unterstem Raume die Sage des Volkes einen Ritter ban-sen läßt, den einer der Weinsberger Dynasten hier unten habeHungers sterben lassen.