Seitdem aber ist das deutsche Haus Eigenthum der Würtem-bergischrn Krone und dient gegenwärtig zur Caserne einesInfanterieregiments.
Die noch übrigen Kirchen: Die Spitalkirche zu St.Catharina, zu der das scbr reich fundirte Spital gebort,und die Nicolaikirche, werden nicht mehr gebraucht. Inder Nähe des Gymnasiums stand die Franciscanerkirche,deren wenige Uebcrrcste noch jetzt einen sehr edlen Styl ver-rathen. Im Jahre 1314 errichtet, wurde sie >688 von denFranzosen in Brand gesteckt. (Diese Kirche übergab einst mitden sämmtlichen Kirchen Heilbronns der Bischof Emmehardvon Würzburg dem Kloster Amorbach im Odenwald, welchesauch so lange diese Parochie behielt, bis Heilbronn zur Reichs-stadt erhoben wurde.) Ueber dem westlichen Eingange der Kirchewar ehedem in dem Gewölbe neben dem Adelheim'schcn Wappenein Gemälde, mit der bekannten Reiminschrift:
Ich leb', und weiß nicht, wie lang?
Ich sterb', und weiß nicht, wann?
Ich fahr', und weiß nicht, wohin?
Mich nimmt Wunder, daß ich so fröhlich bin,
Wenn ich bedenke den Tod und die ew'ge Pein,
So sollt' ich nicht so fröhlich sein! —
Zunächst an die Kirche stieß das Kloster der Francis-kaner, auf welchem später das Gymnasium errichtet wurde.Wahrscheinlich wurde das Kloster bald nach dem Einzüge diesesMönchsordens im Jahre 1272 errichtet, wie auch eine an demoberen Fenster cingcbauenc Inschrift zu besagen scheint, undes verblieb auch demselben, bis es in Folge der Reformationvon der Stadt als Eigenthum eingezogen und zu einem Gym-nasium mit Bibliothek eingerichtet wurde.
Von den übrigen Gebäuden der Stadt verdienen noch be-merkt zu werden: der sogenannte Diebs- oder Götzen-ttzurm, ein alter viereckiger Thurm mit Plattform an dersüdlichsten Spitze der Stadtmauer, der ebedcm zum städtischenGefängniß diente und auf dem auch Götz von BcrlichingcnAnfangs (auf Pfingsten 15>9) gefangen saß, bis ibm späterein ritterliches Gefängniß zu Theil wurde, in dem er dannnoch drei Jahre (bis 1522) zubrachte; das Rößler'scheHaus auf dem Marktplatze, eines der ältesten in der Stadt;das königliche Palais, ebemals das Waisenhaus, das Schicß-haus und die Post, ehemals das ritterschaftliche Archiv.
Unter den übrigen Merkwürdigkeiten der Stadt erwähnenwir vor Allem den Siebenröhrbrunnen, so genannt vonseinen sieben Röhren, durch die sich das Wasser in solcher Füllein die Becken ergießt, daß es sogar noch auf der Seite tzervor-quillt. Bei einer im Jabr IKK-t genau angestellten Berechnungfand man, daß ein Rohr im Verlauf einer Stunde zebn Heil-bronner Fuder gibt. Im Jahre 1726 gefror das Wasserzum ersten Male in dem Brunnen; sonst dampft es sogar beider anhaltendsten Kälte. Nach einer Inschrift wurde der Brun-nen im Jahre 1541 gefaßt; es geschah dies indeß nachher nochmehrere Male. Es sind wenigstens drei Quellen, die hier zu-
sammenlaufen, und in einem steinernen Bebälter, der oberhalbdes Brunnens sich in der Erde befindet, gefaßt sind. Eine der-selben läuft unter dem Cbor der Kilianskirche, unter derenHochaltar man noch jetzt das gebeimnißvolle Murmeln des Was-sers börcn kann; eine zweite vielleicht unter der Kirche desdeutschen Hauses, die dem Brunnen fast eben so nabe liegt,als die Kilianskirche. Die nähere Kenntniß dieser Quellen warebedcm nur Zunftgeheimniß der Brunnenmcistcr, invem man sodas Abgraben der Quellen in Kriegszeiten verhindern zu kön-nen glaubte; mit ibncu soll dann das Geheimniß ausgcstorbcn,und auch der Riß, der von der Quelle vorhanden gewesen,verloren gegangen sein.
An diese Quellen knüpft sich die Volkösage von dem Ursprungund Namen der Stadt. Einst nämlich — so erzählt dieselbe —als diese ganze Gegend noch mit einem wilden Forste bedecktwar, jagte bier Karl der Große. Da nahete sich ibm ein Prie-ster mit rührenden Klagen über den gänzlichen Versall der christ-lichen Lehre, welche bier vor vielen Jabrcn der fromme Kilianzuerst gepflanzt babe. Karl tröstete ibn mit freundlichen Wortenund ließ alsbald, zur Wiederbelebung des Cbristentbums, überder Quelle, mit deren Wasser Kilian und seine Gefährten zutaufen pflegten, ein Gottesbaus errichten; und um demselbenmebr Ansetzen zu geben, ließ er sich zugleich in dessen Nätze eineignes Haus erbauen, welctzcs sodann sowie der ganze Ort denNamen: Hciligenbronn erhielt. Und wirklich wird auch der Nameder Stadt von seinem ersten Erscheinen unter den Karolingernan bis zum Anfang des 15. Jatzrtzunderts in sämmtlichen Ur-kunden Heiligbronn geschrieben, was allerdings auf irgend einkirchliches Ereigniß der Art deuten mag, sowie es auch außerZweifel ist, daß seit den ersten Karolingern ein kaiscrl. Palastmit einer Kirche des heiligen Michael tzier gestanden bat. DieSage verfährt also nur darin willkürlich, daß sie, um den Na-men Karls des Großen zu verherrlichen, das was bereits vorihm geschehen war, in dessen Zeit versetzte.
Wir dürfen tzier auch nicht ganz unerwähnt lassen, daßbereits die Römer diese Gegend inne hatten und auch cultivir-tcn, indem sie Acker- und Weinbau hier einführten und denHandel beförderten, namentlich durch Anlegung von Straßen,deren Spuren man noch bei Wimpfen und auf dein rechtenUfer des Neckars auf dem Bergrücken zwischen dem Jart- undKocherthal — der sogenannten Hotzenstraße — findet. Dies be-weisen unter anderm eine Menge römische Alterthümer, welcheman im Verlaufe der Zeit in dieser ganzen Gegend, sowie na-mentlich auch in der Nähe von Heilbronn aufgefunden hat.
Unter den Belustigungsorten von Heilbronn und der ganzenUmgegend heben wir tzier vor allen den gefeiertsten —den Wart-b erg — hervor. Eine kleine halbe Stunde von der Stadt entfernt,steht hier auf dem Ncckargebirge, wohin mitten durch Weinbergeein schöner Fußweg führt, ein einzelner Warttburm, der wiedie gegenüberstehende Heuchelberger Warte römischen Ursprungsist und wahrscheinlich mit in die Linie gehörte, welche die Rö-