Seite des Kirchthurms nach, wurde der Grundstein bereits imJahre 1013 gelegt. In diese Zeit gehören wahrscheinlich diezwei kleinen Kuppelthürme, die zwischen dem Chor und Lang-haus stehen; daher auch in diesem Theile der Kirche nochmanche Spuren eines grauen Alterthums, wie z. B. ganz ab-getretene Grabsteine, vorhanden sind. (Auch mag vielleicht beidiesem ersten Bau der Mammuthsknochen ausgegraben wordensein, der jetzt inwendig an der Seite des Chors hängt undden die Volkssage längst zu einem Riesenbein gemacht hat.) Nachdieser Zeit aber scheinen viele Hindernisse dem Weiterbau derKirche in den Weg getreten zu sein, doch muß derselbe vor1300 schon weit gediehen sein, da uns ein handschriftlichesVerzeichniß der Pfründen und Stiftungen der HcilbronnerKirchen vom Jahre 1565 berichtet, daß hier von 1309 bis1440 sechszehn Altäre gestiftet wurden. Der Bau des Chors,der im rein gothischen Geschmack ausgeführt ist, wurde nacheiner Inschrift an den gemalten Fenstern im Jabre 1475 an-gefangen. (An der nördlichen Seite des Chors ist das LeidenChristi auf dem Oelberg in Stein gehauen und über der Thüregegen Süden das Bild des heiligen Kilianö.) Um dieselbeZeit, wie der Chor, wurde auch der große Thurm begonnen;1507 wurde der Weitcrbau, nach einem noch vorhandenenAccorde, dem Meister Hans von Weinsberg übertragen; dieserscheint aber nach dem Jahre 1513 von dem ursprünglichenBaurisse des Ttmrmes abgegangen zu sei», denn der obereTheil steht offenbar in keinem Verhältniß zu dem untern Baudesselben, der einen großartigern Plan verräth. Erst in demJahre 1529 ward der Thurmbau zu Ende geführt, worauszum Zeichen der Vollendung das steinerne Bild eines Mannesauf die Spitze des Tburms gesetzt ward. An dem ersten Um-gang des Thurms ist gegen Norden auch ein Kind in Steingehauen, zum Andenken, daß von hier aus einst ein solches indie Straße hinab auf die Steine gestürzt, aber außer einergeringfügigen Verwundung unbeschädigt geblieben sein undlächelnd in die Höhe geblickt haben soll. Ferner waren ehedeman der Wendeltreppe Fratzenbildcr mit langen Schnäbeln undMönchskutten Angehauen, womit die Steinmetzen den Eigennutzdes damaligen Clerus lächerlich zu machen sich erlaubten. ImJahre 1578 wurde endlich das Langhaus gewölbt, und 1580mit Stuccaturarbeit verziert. Auch das Innere der Kirche istsehenswcrth. Die Gewölbe sind hoch gesprengt, die Säulen undPfeiler sein gearbeitet. Vor einem zierlichen Sacramenthäuschenknieet der Stifter desselben, seinem Wappen nach ein Gliedder Hündcrer'schen Patricierfamilie. Unter den Grabsteinensind vorzüglich die der Ehrcr'schcn Familie wichtig, deren diplo-matischen Gewandtheit die Stadt Heilbronn auf Reichstagenoft die Berathung ihres Wohles anvertraute. Der Chor istzum Theil noch mit Glasgemäldcn geziert, auf welchen meistensdie Zeichen der sie stiftenden Handwerker, der Schmiede, Weber,Bortenwirker, Weingärtncr, Küfer, Metzger, Krämer undGoldschmiede, mit der Jahreszahl 1487, augebracht sind; oben
an dem mittleren Chorfenster steht das Wappen des Carmeliter-klosters, ohne Jahreszahl.
Nicht weit von dem Neckarthore steht die dem heil. Josephgeweihte deutsche Hauskirche. Auch diese Kirche ist von ver-schiedener Bauart. Der älteste Theil derselben ist offenbar dieKapelle mit dem Nepomucksaltar unter dem Thurme. Wahr-scheinlich ist dieselbe der Ueberrest des Gotteshauses, welchesdie Karolinger zur Beförderung des christlichen Missionswerkes,bei der Quelle des Siebenröhrenbrunnens, errichteten, und wovondie Stadt ihren Namen: Heiligcnbronn, erhielt. Die Zier-rathen und Fenstergestelle, noch mehr das sehr niedere Kreuz-gewölbe, das von vier Säulen getragen wird, verräth karolin-gische Zeit. Auch der untere Theil des Thurms der Kirchescheint, nach den von uraltem Geschmacke zeugenden Säulenund Verzierungen zu urtheilen, in diese Zeit zu gehören. Wahr-scheinlich gehörte Beides (Kapelle und Thurm) zu jener Kirchedes heiligen Michaels, die schon Karlmann dem Stift Würz-burg sammt Zugehör schenkte; eine Schenkung, die KaiserLudwig 823 und Arnulf 889 bestätigten. Späteren Ursprungssind hingegen Schiff und Chor, welche ehedem ein von Säulengetragenes Kreuzgewölbe und gothische Fenster hatten, in derneueren Zeit (wahrscheinlich seit 1720) aber durch den deutschenOrden ein doppeltes Muldengewölbe und runde Fenster er-hielten. Auf der linken Seite des Schiffs steht eine Kapellemit dem Joscphsaltar, vor welchem ein Grabstein mit einerMessingplatte, einem Wappen mit drei Keulen, einem geschlossenenHelm und der Jahreszahl 1484 sich befindet. Dieser gegenüberist eine zweite große Seitenkapelle mit dem sogenannten Schmer-zcnsaltar und den Bildsäulen der Heiligen Rochus und Se-bastian. Das Innere der Kirche ist mit Stuccaturarbeit, ausArabesken bestehend, von Ant. Columba und mit Frescogcmäldengeziert. Der Chor enthält einen Hochaltar, der von römischenSäulen getragen wird und mit einem sehr schönen Altarblatt, dieApostel Petrus und Paulus vorstellend, geschmückt ist. Oberhalb desCkors, der noch am meisten altertbümliches Gewand hat, stehtdas Deutschordcns - Wappen mit dem Hornstein'schen undSpäth'schen Wappen. In der Sacristei, die noch aus zweialten Kreuzgewölben besteht, liest man auf einer Tafel, aufwelcher diejenigen bemerkt sind, für die Messen gelesen werdenmüssen, den Namen derer von Büren, als der Stifter desdeutschen Hauses. — Von dem Chor aus führt eine mit demSpäth'schen Wappen versehene Thüre in das deutsche Haus,welches wahrscheinlich an derselben Stelle steht, auf der früherdas königliche Palatium sich befand; denn Kaiser Friedrich I.schenkte dies dem deutschen Orden, gegen den die Hohenstaufenüberhaupt so freigebig waren, daß seine Besitzungen auch inHeilbronn eine eigene Commcnte ausmachten. Das Asylrccht,das dem Hause und der Kirche verliehen wurde, führte zuvielen Streitigkeiten mit der Stadt Heilbronn; doch erhielt sichdie hiesige Commenthurei unversehrt über die stürmischen Zeitenund Kriege der Reformation bis zur Aufhebung des OrdenS.