Druckschrift 
2 (1840)
Entstehung
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W e i l b r o n n.

Hrilbronn, ehedem eine freie Reichsstadt des SchwäbischenKreiseS, gegenwärtig eine Handels- und gewcrbfleißige Stadtvon 0800 Einwohnern zum Neckarkreise des Königreichs Wür-lemberg gehörig, liegt in einem weiten von Bergen und Hügelngebildeten Thalkessel in einer reizenden und überaus fruchtbarenGegend am rechten Ufer des Neckars, über den hier eine be-deckte hölzerne Brücke führt. Auf der einen Seite ist die Stadtdemnach von diesem Flusse begrenzt, der hier eine Insel bildet,die durch Brücken mit dem festen Lande verbunden und mitHäusern bedeckt ist; auf den andern drei Seiten aber umgiebtsie, noch aus den altreichsstädtischen Zeiten, ein Wall, dessenGraben zum Theil ausgefüllt und überbaut und der selbst miteiner schönen breiten Allee geziert ist, die einen angenehmenschattigen Spaziergang gewährt.

An die Brücke schließt sich der neue Wilhelms canalan, der auf der linken Seite des Neckars angelegt ist und mitseinen verschiedenen Schleusten so sehr angeschwellt werdenkann, daß auch die größten Neckarschiffe durchfahren können,und somit die Schifffahrt nun von hier (bei hohem Wasserstande auchvon Canustadt) bis Mannheim möglich gemacht ist. Schon dieHerzöge von Würtemberg dachten daran, der Neckarschifffahrtdurch Anlegung eines solchen Canals bei Heilbronn diese Aus-dehnung zu geben, aber erst in der neuesten Zeit (von 1810bis 1821) ward der Plan mit großen Kosten (200,000 fl.)unter der Leitung des Baumeisters Duttenhofer ausgeführt.Hart am Eanal, der sich mit seinen vielen vor Anker liegendenSchiffen wie ein kleiner Hafen ausnimmt, steht ein neues,großes, schönes Gebäude, das Kauf- und Waareichaus, in dasvermöge einfacher Krahnen die Waaren von den Schiffen aus-und eingeladen werden können.

Treten wir nun in das Innere der Stadt, so erkennenwir bald an den vielen krummen, engen Gäßchen, an denbald zurück-, bald vorstehenden Häusern, und überhaupt ander ganzen Anlage, daß sie zu den alten Städten gehört,welche, so sehr sie sich von Jahr zu Jahr verschönern undvergrößern, doch nie ganz jenes antike Gepräge verlieren. Dielängste Straße ist die vom Stuttgarter- oder Fleiner-Thor bis

zum Neckarsulmcr-Thor, aber auch diese ist weder breit, nochgroß. Große öffentliche Plätze giebt es außer dem Markt-platze keinen. An demselben steht das Rath Haus, ein altesehrwürdiges Gebäude ans dem 16. Jahrhundert (15^0). Eszeichnet sich vorzüglich durch ein sehr kunstreiches und schcns-würdiges Uhrwerk aus, welches derselbe Michael Müller (um1550) verfertigte, von dessen Händen auch das CtraßburgerMeisterwerk (im Münster) stammt. Der rühmlichst bekannteGeschichtschreiber Heilbronns, Herr Pfarrer Jäger in Bürg (beiHeilbronn), beschreibt es also: Zwei steinerne Bilder gebenwechselsweise mit zwei Glocken den Stnndenschlag. WenigeMinuten vor dem Schlage stoßen zwei Widder mit ihren Hör-nern zusammen. Ein zur Rechten der Tafel stehendes Bildzählt^ mit einem Stäbe den Stundenschlag; in seiner Linken hältes eine Sanduhr, die es umdreht, so wie der Stundenschlagvorüber ist. Unter den Widdern steht ein Hahn, der alle vierStnndcn kräht und seine Flügel zusammenschlägt. Die unterstegroße Tafel enthält in ihrem äußersten Umkreise die Monate,Wochen und Tage, in dem zweiten die zwölf Zeichen mitihren Graden, in dem innern die Wochentage mit sieben Pla-neten. Ueber dem Ralhhaus steht das musterhaft geordneteStadtarchiv. Leider sind im Jahre 1535, als mit demfrühern Rathhauö auch das Archiv abbrannte, viele alte undhöchst schätzbare Urkunden zu Grunde gegangen; die noch vor-handenen aber, die über die mittlere und neuere Geschichteder Stadt, besonders zur Zeit des Schwäbischen Städtebundesund der Reformation, reiche Ausbeute gewähren, sind nun umso besser aufgehoben, da nicht nur das Gebäude sehr massivgebaut und Thüren und Fensterläden aus gegossenem Eisensind, sondern auch die Fascikeln in kleinen Kistchen, mit Hand-griffen versehen, aufbewahrt sind, so daß sie im Fall der Ge-fahr schnell fortgebracht werden können.

Zunächst dem Markte steht auch die schöne große Kilians-kirche, deren einzelne Theile aber aus sehr verschiedenenZeiten stammen und darum auch der harmonischen Einheitdes Baustyls entbehren. Einer Inschrift an der nördlichen