Druckschrift 
2 (1840)
Entstehung
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Seit 1631 hatte indeß Georg II. seine Residenz nachGießen verlegt, da diese Festung, die im dreißigjährigenKriege nicht erobert wurde, mehr Sicherheit darbot; er be-wohnte dort fast 13 Jahre lang ununterbrochen das Univer-sitätsgebäude.

In der That gerieth auch Darmstadt zweimal in großeGefahr, das eine Mal im Jahr 1635 durch eine Abtheilungder französisch-weimarschen Armee unter den Generalen de laForce und de Breze, und das andere Mal im Jahr 1637durch den Obrist Maipas, der aus Befehl des in der Nähelagernden französischen Feldherrn Turenne mit zwei Reiterre-gimentern vor Darmstadt rückte, um es zur Entrichtung dervon Turenne geforderten, bei der gänzlichen Erschöpfung deshessischen Landes aber unerschwinglichen Geldsumme zu zwingen.Und leider erreichten die Franzosen auch ihre Absicht, nachdem siesich zuerst durch Verrath der Stadt und durch schreckliche Dro-hungen, dieselbe an allen vier Ecken anzünden zu wollen, auchdes Schlosses bemächtigt hatten.

Georgs II. Nachfolger, Ludwig VI. (seit 1661), legte imJahre 1663 zu einem neuen Flügel des Schlosses, bekannt un-ter dem NamenGlockenbau", mit eigenen Händen den Grund-stein. In diesem Bau wurde darauf das noch jetzt daselbstbefindliche künstliche Glockenspiel aufgerichtet, nach welchem sichforthin alle öffentliche Uhren in der Stadt zu richten hatten.

In den Jahren 1673 und 75 wurde eine zweite Stadt-mauer aufgeführt, in dem letzten Jahre auch der Lustgarten inder Nähe des Schlosses, das jetzige Bosket, angelegt, das je-doch erst später (1683) vollendet wurde. Auch verdankt mandiesem Landgrafen den Anfang der Birngartenstraßc, die Wie-dcraufhülfe des Gymnasiums und die erste Grundlage zu einerHofbibliotbek.

Unter der Landgräfin Elisabeth, welche für ihren schon eini-ge Monate nach seinem Regierungsantritt gestorbenen Stiefsohn,Ludwig VII., 1678 die vormundschaftliche Regierung übernahm,wurde für das fernere Emporkommen des Gymnasiums ernst-lich gesorgt, der sogenannte Birngartcn vollendet und die Stadt-kirche durch zwei Anbäue, einen gegen Süden und einen anderngegen Norden, vergrößert.

Unter ihrem Sohne und Nachfolger, Ernst Ludwig (seit1688), gerieth Darmstadt, während des Orleans'schen Krieges,zweimal wieder in große Gefahr; das erste Mal, gleich ihrenSchwestcrstädten ganz vernichtet zu werden, das zweite Mal,wenigstens seine Festungswerke zu verlieren und vollständigausgeplündert zu werden; aber zum Glück ging sie beide Malenoch vorüber.

Dagegen traf Darmstadt ein anderes Unglück im Jahr 1715.AlS nämlich am 19 Mai d. I die fürstliche Familie gerade

Mittags gegen 1 Uhr an der Tafel saß, brach in dem Theiledes Schlosses, der im Jahre 1629 aufgeführt worden war, imvierten Stock ein Feuer aus, welches diesen Bau in Asche legteund zugleich das zwischen diesem und der alten Kanzlei befind-liche Stadttbor zerstörte. Das Archiv war glücklich gerettetworden, aber wenigstens 5 Menschen wurden später todt ausdem Schütte gezogen. An die Stelle des abgebrannten wurdenun das jetzt noch stehende neue Schloß aufgeführt, von welchembereits in der obigen Beschreibung die Rede war.

Auch fallen der Bau des (alten) Dpernhauscs, sowie derAnfang einer neuen Stadtanlage, deren Plan mit dem neuenSchloße in Verbindung gesetzt wurde, in die Regierungözeitdieses Fürsten.

Unter dem nun folgenden Regenten, Ludwig VIII. (seit1739), geschah gleichfalls Manches für die Erweiterung undVerschönerung der Stadt. Vor Allem wurde die sogenannteneue Vorstadt, welche einschließlich der Louiscnstraße, alle Ge-bäude vom Schloße westlich in sich begriff, jedoch erst i. I.1736 mit einer einstweiligen Mauer statt der früheren Pfahl-schranke umgeben wurde, bedeutend erweitert; die Lindenalleevor dem Rheinthor wurde angelegt und das sogenannte Spinn-haus (Zucht- und Arbeitshaus) 1732 erbaut, da wo früher ander Stadtmauer ein alter Thurm zum Gefängniß diente. Fer-ner fällt in die Regierungszeit dieses Fürsten die Erbauungdes Waisenhauses vor dem Bessungertbor (gegenwärtig dasPädagog), wozu am 16. September 1738 der Grundstein ge-legt wurde. Am 18. Juni 1756 war es vollendet und wurde dar-auf am 14. August feierlich bezogen.

Im Jahr 1768 folgte Ludwig IX., welcher gleich im An-fange seiner Regierung manche bedeutende Bauten zum Vor-theile des Militamvesenö unternahm. Es wurde die Jnfan-teriecaserne gegründet, wobei ein Theil der daneben befindli-chen Baumühle abgebrochen wurde; für die täglichen Uebungenund Wachtparaden wurde der Paradeplatz, früher theilwcisezur Rennbahn dienend und hinten von einer Reihe kleinerHäuschen begränzt, eingerichtet. Ein angefangenes Erercier-haus, das seinen Beifall nicht hatte, ließ er auf der Stelleniederreißen, und im ersten Zorne den Baumeister, BaudirectorMann, unter die Pritsche stecken, welche Beschimpfung diesemManne bald darauf den Tod zuzog. Der Baumeister Schu-knccht entwarf hierauf einen neuen Plan zu einem Erercicr-hause, welches Anfangs März 1771 angefangen, und da selbstdes Nachts bei Fackelschein an demselben gearbeitet wurde, inder unglaublich kurzen Zeit von 9 Monaten, nämlich Ende No-vembers 1771, vollendet dastand. Das Kollegienhaus (Kanzlei)wurde 1777, gleichfalls nach Schuknecht's Plan, aufgeführt.Auch wurde für die nächtliche Erleuchtung der Stadt gesorgt.