gegend dahin flüchteten und dadurch ein fühlbarer Mangel anLebensrnitteln verursacht wurde.
Trotz einer tapferen Gegenwehr war die Erhaltung derStadt doch unmöglich, und nur die Furcht vor allgemeinerPlünderung ließ die Bürger die Waffen nicht niederlegen. Dawurde Darmstadt noch durch einen Friedensvcrtrag gerettet,welchen der Landgraf Philipp noch in demselben Jahre mitseinem wichtigen Gegner schloß.
Indeß die Gefahr, welche diesmal noch abgewandt wurde,kehrte einige Jahre später in dem sogenannten schmalkaldischenKriege, nur um so verderblicher wieder. Damals geschah eSnämlich, daß der kaiserliche General Mar von Egmout, Grasvon Büren, zur Züchtigung des Landgrafen raubend undplündernd in die Obergrafschaft Katzenelnbogen einfiel undDarmstadt belagerte, wohin sich wiederum viele Bewohner desflachen Landes geflüchtet hatten, um der Wuth der kaiserlichenTruppen, besonders der Spanier, zu entgehen. Die tapferenBürger Darmstadt's, obgleich wegen der Entfernung des Hee-res kein Entsatz zu hoffen war, vertheidigten sich muthvoll, undBüren wurde zweimal stürmend, mit einem Verluste von 3 —400 Mann, zurückgeschlagen. Was indessen der Waffengewaltnicht gelang, das gelang der Hinterlist. Büren schlug denBürgern zum Schein einen Uebergabs-Vergleich vor, und wäh-rend dieselben bei den Unterhandlungen arglos die nöthigeWachsamkeit unterließen, wurden die Mauern erstiegen; Bürendrang ein, ließ plündern, rauben, brandschatzen und, währendder allgemeinen Zerstörung, das Schloß, den alten Sitz derKatzenelnboger, sammt allen dazu gehörigen Gebäuden, in dieLuft sprengen, so daß später kaum Spuren des Daseins sichtbarwaren. Als nun bald darauf der Rath von Frankfurt, um eineinähnlichen Loose zu entgehen, dem Grafen freiwillig die Thoreder Stadt geöffnet hatte, konnte sich doch Büren, während ermit dem Senate an der Tafel saß, nicbt enthalten, zur Ehreder tapferen Bürger Darmstadts, u. A. zu bemerken: „Esverdienten die Darmstädter Frankfurt zu bewohnen, damit dieseStadt Bürger bekäme, die sie zu vertheidigen verstünden, dieFrankfurter aber sollten nach Darmstadt geschickt werden, wel-ches im Vergleich mit Frankfurt nur ein Dorf sei. Es werdeihm übrigens ein Vergnügen sein, dem Kaiser, seinem Herrn,den Vorschlag zu einem solchen Tausche zu machen."
Darmstadt blieb min lange Zeit in seinen Trümmernliegen, und sah überhaupt erst ein besseres Loos wieder für sicherblühen, als Georg I., der jüngste Sohn Philipp des Groß-müthigen, 1567 beim Antritte seiner Regierung Darmstadt zuseiner Residenz erwählte und so der Stifter der Hcssen-Darm-städtische» Linie wurde. Schon im folgenden Jahre begannGeorg I. der Stadt wieder aufzuhelfen und erbaute nament-
lich ein ganz neues Schloß mit zwei Höfen und der Schloß-kirche. Unter seiner Regierung wurde auch das Rathhaus(1580) erbaut und der Marktplatz mit dem Marktbrunncn an-gelegt; ferner wurde eine Caserne, ein Marstall, ein Jagd-und ein Schlachthaus errichtet, der Bau der später sogenann-ten alten Vorstadt angefangen, der große Woog (ein Teich inder Nähe bei Darmstadt) zur Sicherung bei Feuersgefahrenangelegt ?c.
Dieser um Darmstadt so hoch verdiente Fürst starb am7. Februar 159K und wurde in der von ihm erbauten Gruftunter der Stadtkirche beigesetzt.
Unter seinem Sohn und Nachfolger Ludwig V. wurde derBau der alten Vorstadt fortgesetzt und die Stadt auch nachNordwest hin über ihre alten Mauern ausgedehnt. Bei deralten Vorstadt wurde, nahe am Jägerthor, ein freier'Platz ge-lassen, mit einer Mauer umzogen und mit Quadersteinen be-legt, der, weil er ursprünglich zum Ballonspiele diente, nochjetzt den Namen „Ballonplatz" führt.
Nun nahten die Gefahren des dreißigjährigen Krieges, inwelchem Ludwig die kaiserliche Parthei ergriff. Gleich in denersten Jahren, am SS. Mai IKZS, erschien mit Tagesanbruchvon der Gegenparthei der Graf Mansfeld und der Kurfürstvon der Pfalz Friedcrich V., mit 1KW0 Mann vor Darm-stadt und schloß die Stadt von allen Seiten auf das engsteein. Die Bestürzung war so allgemein, daß man an Verthei-digung nicht dachte, und schon um 7 Uhr dem Feinde dieTkore öffnete. Hierauf erfolgte in der Stadt und Umgegenddie schrecklichste Plünderung, Zerstörung alles Eigenthums undMißhandlung der Bewohner, welches acht Tage ununterbrochenfortdauerte, bis endlich durch spanische und bayerische Truppender Feind vertrieben wurde. Der Landgraf wurde jedoch, nach-dem ihm ein Versuch zur Flucht mißlungen war, mit seinemPrinzen gefangen weggeführt, und erst, nachdem der HerzogChristian von dem bayerischen Generale, Grafen von Tilly, am19. Juni d. I. bei Höchst auf's Haupt geschlagen worden war,bedingungsweise wieder freigegeben, worauf er noch an dem-selben Tage seinen Einzug in Darmstadt hielt.
Sein Sohn und Nachfolger, Georg II. (seit I6S6), konntezwar des Kriegs wegen nicht an eigentliche Erweiterung undVerschönerung der Stadt denken, doch stiftete er sich durch dieErrichtung des Pädagogiums (I6S7 —L9), wozu bereits vonseinem Vater der Plan entworfen worden war, ein unvergäng-liches Denkmal. In demselben Jahre, in welchem diesesGebäude vollendet wurde, wurde auch schon der Grundsteinzu einem großen Schloße gelegt, dessen Vorderseite nach demMarkte gerichtet war und von der südwestlichen Ecke bis an denEingang reichte, wo sich gegenwärtig die Hanptwache befindet.