Druckschrift 
2 (1840)
Entstehung
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Dörfer, Höfe und Schlösser, deren Namen und Lage sämmt-lich auf einer unter dem Tempel angebrachten Tischplatte zuersehen sind, liegen, zum Theil sehr romantisch, umber, mitden schönsten Gcbirgsbildungen im Hintergrunde, wie Lichtenberg,der Otzberg, Aschaffenburg mir dem majestätischen Spessart.

In geringer Entfernung unterbalb, dieser Anhöhe, amSaume des Waldes, liegt der Dippelshof, ein Mennoniten-hof, der diesen Namen von seinem Erbauer (1710), dem be-kannten Chemiker Joh. Konr. Dippel, führt, und weiterhin daSfreundliche Dorf Traisa, welche beide Orte von den Darm-städtern gleichfalls sebr fleißig besucht werden.

Ein beliebter Spaziergang ist auch die Papiermühlebei Niederramstadt in dem lieblichen Mühlthal, welches der

G e s ck

Darm st adt kommt unter dem Namen:Darmundestadt"als ein offener Ort schon im 8. Jahrhundert vor. Es lag indem Oberrheingau, in welchem schon srübe die Grafen vonKatzenelnbogen als große Gutsbesitzer erscheinen. So kam esdenn, daß im Jahr 131V Graf Wilhelm I. von Katzenelnbo-gen mit Darmundestadt, sowie mit einigen andern benachbartenOrten von dem Bischof zu Würzburg belehnt wurde. WarDarmundestadt bis dahin nur ein kleiner und unbedeutenderOrt, so kam jetzt die Zeit, wo es seiner Unbedeutendheit entrückt,wo ihm Glanz und Würde verliehen werden sollte. Der GrafWilhelm I. nämlich, der bei dem Kaiser Ludwig dem Baiernin hohem Ansehen stand, erhielt 1330 für seine Anhänglichkeit,außer manchen andern Zeichen der Gnade, auch die Vergün-stigung, daßDarmbstadt" forthin als eine Stadt mit Mauernund Graben umgeben werden dürfte und einen Wochen- undJahrmarkt mit allen den Rechten, Freiungen und guten Ge-wohnheiten, wie Frankfurt haben sollte.

Der Sage nach war Darmstadt ursprünglich ein Filialvon Bessungen, welches überhaupt damals bedeutender undgrößer als Darmstadt gewesen zu sein und deßhalb auch derCent oder Grafschaft den Namen gegeben zu haben scheint.

Um das Jahr 1375 hatte Darmstadt bereits ein Schloß undwurde deßhalb auch von diesem Zeitpunkte an die gewöhnlicheResidenz der Grafen von Katzenelnbogen. Vermuthlich wurdein demselben Zeitpunkte auch die Kirche zu Darmstadt zurMutterkirche erhoben und derselben, durch die Verlegung derPfarrei, Bessungen und Niederramstadt als Filiale beigegeben.Auch die Cent Bessungen scheint nun von Darmstadl ihre Be-nennung erhalten zu haben, und erst, als in später Zeit durchdie Vergrößerung der Stadt, die Cent zu weitläuflig wurde,trennte man sie in mehrere, so daß nun Darmstadt und Bes-sungen eine Cent für sich bildeten.

eine Menge von Mühlen treibende Modaubach bewässert undjetzt eine neue angelegte Chaussee durchzieht. An dem Wegedahin liegt der Kirchberg, eine mäßige reich mit Wald be-wachsene Anböhe, und am südlichen Fuße desselben die Em-melinenbütte, welche die am 27. Januar 1836 verstor-bene Großherzogin, Wilhelmine Louise, für eine verarmteHolzmachers-Familie erbauen ließ. Seitwärts dieser Hütte er-blickt man unter Buchen einen kunstlos erbauten Altar, der zumAndenken einer im Frühjahr 1814 hier stattgefundenen Zusam-menkunft der drei erhabenen Schwestern, nämlich der Stifte-rin, der am 16. Mai 1826 verewigten Kaiserin von Rußlandund der seit dem 13. Oct. 1825 vcrwittwcten Königin vonBayern auf diesem lieblichen Plätzchen errichtet worden ist.

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Darmstadt erhob sich jetzt zu einem solchen Ansehen, daßim Jahr 1403 der rheinländische Adel ein Turnier (es wardas 23ste) dahin ausschrieb, das indeß, weil die Stadt selbstkeinen schicklichen Raum dazu darbot, auf freiem Felde gehaltenwurde. Das Spiel wurde aber zu blutigem Ernste, indemdie hessischen und fränkischen Ritter eine frühere gegenseitigeEhrenkränkung hier zur Entscheidung mit dem Schwerte brach-ten.Da blieben todt in Turnierschranken," singt Hans Sachsdavon,neun Hessen und siebeuzchen Franken "

lim diese Zeit ist auch die jetzige Stadtkirche erbaut wor-den, wie die Jahrzahl 1410 an einem Schlußstein »n Chor,der Katzcneluboger Löwe auf einem der mittelsten Strebepfeilerdes Chors und der ganze Baustyl auf das entschiedenste be-weisen; indeß wurde später allerdings die Kirche erweitert undder Thurm höher geführt.

Als im Jahr 1470 mit Philipp dem Aeltesten der Katzcn-eluboger Mannsstamm ausstarb, ging mit den übrigen Lebendesselben auch Darmstadt an den Landgrafen Heinrich III. vonHessen über, der mit desselben Erbtochter Anna vermählt war.So traf denn Darmstadt das Schicksal, daß es, nachdem esüber 100 Jahre eine Residenz gewesen, nun zu einer bloßenProvincialstadt herabsank.

Ein noch schlimmeres Loos hätte bald darauf Darmstadtwiderfahren können, als Franz von Sickingen, verschiedener Ur-sache wegen, den kaum erst zur Regierung gelangten LandgrafenPhilipp den Großmüthigen im Jahr 1518 mit Krieg überzog.Der junge Landesfürst befand sich in Gießen, und bei Rüsselsheimlagerten die hessischen Völker; Darmstadt selbst hatte, so wieRüsselsheim gute Besatzung, die jedoch nicht stark genug war,um Sickingen, welcher der Stadt auf das heftigste zusetzte,auf die Länge hin Widerstand zu leisten, zumal da sehr baldauch viele Bewohner aus der weit und breit verwüsteten Um-