Druckschrift 
2 (1840)
Entstehung
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Eine kleine Viertelstunde von der Stadt liegen die beidenBessunger Herrngärten: der sogenannte alte, auf deröstlichen Seite des Dorfes Bessungen, und der neue auf derentgegengesetzten Seite an der nach Heidelberg führendenChaussee. Der erstere, Eigenthum Sr. königl. Hobest des Groß-herzogs, ist in französischer Manier und terrassenförmig ange-legt. Zu beiden Seiten desselben sind sehr große Obst- undGemüsegärten. Hauptsächlich merkwürdig ist das große Oran-geriehaus mit 130 Fenstern, in welchem sich eine vorzüglicheOrangerie mit Bäumen von ungewöhnlicher Größe und einemAlter von 3 400 Iahren befindet. Der andere Garten, wel-cher Sr. Hoheit dem Prinzen Emil angehört, ist in englischemGeschmacke angelegt, und reich an schönen mannigfaltigen Par-thieen. Mit demselben ist ein vorzüglicher Blumen- und Ge-müsegarten mit einem Gewächshause verbunden. Ein ge-»schmackvollcs Sommerhaus mit der Aussicht nach den Rhein-gegenden dient Sr. Hoheit zum Sommeraufenthalte. BeideGärten stehen dem Publikum zum Besuche offen.

Von den zahlreichen Vergnügnngsorten und Spaziergän-gen in der näheren und entfernteren Umgebung von Darm-stadt erwähnen wir hier nur die besuchtesten:

Auf der nordwestlichen Seite, 1/4 Stunde von Darmstadt,liegt mitten in einer sehr sandigen Fläche die Windmühle,welche jetzt, nachdem der Thurm, nebst der vom Winde getrie-benen Mühle, vor mehreren Jahren abgebrochen worden, nurnoch aus einem Wohnhaus nebst Oeconomiegcbäude und Gar-ten besteht und von einer geschlossenen Gesellschaft der Nähewegen immer gerne besucht wird.

Auf der nordöstlichen Seite liegt, gleichfalls nur >/.Stunde von der Stadt entfernt, der Carlshof, welcher auseinem stattlichen Wohngebäude (mit Marmorsaal), einer vor-züglichen Meierei und einem großen Garien besteht, der, wiedas Ganze, sehr geschmackvoll angelegt ist. Ueberhaupt hatder Hof so viel Reizendes, daß er öfters reichen Engländernzum Sommcraufcnthalte dient. Er gehörte dem Herrn Carlvon Barkhausen und ist nun Eigenthum des Herrn 1)r. vonLersncr, der hier einen Verwalter hat.

Von dem Karlshofe aus führt der Weg bei der Fasa-nerie vorbei nach Kranichstein, zwei gleichfalls be-liebte Spaziergänge der Bewohner Darmstadts. Erstere isteine herrliche Waldparthie, die von einer Mauer umgeben undvon vielen Schneißen und schönen Wegen durchschnitten ist.(Die Fasanerie ist eingegangen.) Kranichstein ist ein demGroßhcrzog gehörendes Jagdschloß (von Landgraf Georg I.1572 erbaut) mit mehren dazu gehörenden größeren und klei-neren Häusern, sowie einigen Teichen lind mehren hundertMorgen Landes. Von kühlen herrlichen Kastanien-Alleen und

in kleiner Entfernung vom Walde umgeben, liegt es in trau-licher Einsamkeit da. In dem langen Hausgange befinden sichan den Wänden in zwei Reiben mehr als 70 Hirschgeweiheauf geschnitzten Köpfen, noch aus den Zeiten Ludwigs VUI.,der den größten Theil seiner Regierungszeit hier verlebte.

In fast gleicher Richtung mit der Fasanerie liegt, ^Stunde von Darmstadt, der Heilig enkreuzberg, wo sichgegenwärtig zwei sehr fleißig besuchte Garteuwirthschaften be-finden. Hier stand ehedem eine Kapelle, welche zum AltarSt. Crucis oder Hciligcnkreuz-Altar vor dein Chor zu Darm-stadt gehörte, nach der Reformation aber abgebrochen und mitden wenigen Gütern verkauft wurde. Der Sage nach gehörtedie Kapelle, die zunächst dem Brunnen stand, zu einem daselbstbefindlichen Kloster, und weit verbreitete Spuren von Mauer-werk, unterirdischen Gängen :c. machen es allerdings wahr-scheinlich, daß hier Gebäude von größerem Umfange gestan-den haben.

Auf der südlichen und südöstlichen Seite der Stadt befin-den sich folgende Punkte, welche zum Theil zu den schönstenund besuchtesten gehören:

Der Herrgottöberg, auch Martinsberg, liegt im Bes-sunger Walde, 2/4 Stunden von Darmstadt, 8l9 Hess. Fußüber der Meeresfläche. Hier stand ehemals die Martinska-pelle, deren Kaplan der St. Martinsaltar zu Darmstadteigen war; sie ging bei der Reformation ein. Die Gegend istschön, und die mäßige Höhe gewährt eine schöne Aussicht nachden Rheingegenden.

In gleicher Entfernung und Richtung liegt nicht weitdavon die Ludwigshöhe, eine gleichfalls mit herrlichemWald umwachsene Anhöhe, von der man nach der Berg-straße, den Rhein- und Maingegenden, besonders aber nachDarmstadt hin, eine entzückende Aussicht hat.

In einiger Entfernung davon, zunächst Eberstadt, befindetsich der Mathilden-Tempel, eine Anhöhe mit Tempel,welche eine schöne Aussicht, insbesondere nach der Bergstraße,darbietet.

Eine andere neuerdings sehr stark besuchte Anhöhe mitder herrlichsten Aussicht und in schönster Waldumgebung istdie, etwa °/4 Stunden von Darmstadt gelegene, Ludwigs-eiche, welche ihren Namen von einer frischgesetzten jungenEiche hat. Mehrere Wege führen zur Anhöhe, welche haupt-sächlich seit 1837 mit geschmackvollen Anlagen und angeneh-men Ruheplätzen versehen ist. Auf dem höchsten Punkte stehtein Säulentempel, von welchem man eine entzückende Aussichtnach dem Odenwalde und dem Spessart, und durch einigelichte Stellen des rückwärts liegenden Waldes auch in die Ge-genden der Bergstraße und des Rheines, genießt. Ueber 50