Druckschrift 
2 (1840)
Entstehung
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gypsmarmorartigen corinthischen Säulen von 46 Fuß Höheumschlossen ist und nur durch das, an der 134 Fuß im Durch-messer betragenden Kuppel, angebrachte Fenster von 26 Fußim Durchmesser ihre Beleuchtung erhält; der äußere Rundbauist mit nur wenig hervortretenden Pilastcrn und einem Por-tale mit der Ueberschrift: VKV geziert); an der westlichenSeite der Großherzogliche Garten und ans den übrigenSeilen geschmackvolle Privatgebäude. Sechs größere und klei-nere Straßen münden auf diesen Platz, der zugleich seinerhohen Lage wegen (auf dem sogenannten Riedcselischen Berge)eine schone Aussicht auf den angrenzenden niederen Theil derStadt und das Gcbirg gewährt.

Der Neckarthorplatz zeichnet sich nicht blos durch seineschönen Platanen-Alleen und den östlich angränzenden Großher-zvglichen Garten, sondern auch durch die ihn auf den übri-gen Seiten umgebenden Gebäude, insbesondere durch die in ei-nem geschmackvollen und soliden Style von Hegar aufgeführteCavallerie-Easernc aus.

Auf der Gränze der Alt- und Neustadt und in der Mitteder Stadt überhaupt liegen der Markt- und der Parade-platz nebst dem an letzteren stoßenden Theaterplatz.

Das vornehmste Gebäude, dessen Süd-, West- und Nordseitediese Plätze gemeinsam begränzen, ist das GroßherzoglicheSchloß, welches wir deshalb hier zunächst zu beschreiben ha-ben. Es stammt ans verschiedenen Zeiten und ist unvollendet.Der älteste Theil', von Georg I. 1568 erbaut, ist zum Theilnoch bewohnt und enthält den Kaisersaal und die hauptsächlichzur Benutzung der surstl. Familie bestimmte Schloßkirche. Andenselben stößt der von Ludwig VI. aufgcfübrte Glockenbau,der gleichfalls noch bewohnt wird und auf einem Tbnrme einGlockenspiel enthält. Das Hauptgebäude aber bildet der 1717unter Ernst Ludwig im altfranzösischen Styl aufgcfübrte Ban,wovon der nach der Rbeinstraße liegende Flügel nur zurHälfte, der südlich gegen den Marktplatz gelegne, 466 Fußlange Hanptflügel aber ganz vollendet wurde. Die dreiEtagen desselben nebst einem Entresol haben eine Höhe von75 Fuß; drei am Ende und über dem Haupthor aufge-führte Pavillons eine solche von 126 Fuß. Die ttnwobn-lichkeit der in zu großem Maaßstabe angelegten Räume die-ses Hauptgebäudes veranlaßte im Jahr 1785 einen kleinerenAnbau, welcher von dem verstorbenen Großherzog Ludewig I.stets bewohnt wurde und nach einer 1833 stattgehabten Restau-ration nunmehr auch zur Wobnung Sr. Hoheit des Erbgroß-berzogs und Höchstdessen Frau Gcmaklin dient. Das eigent-liche Schloß wurde zur Aufbewabrung von Schätzen der Kunstund Wissenschaft bestimmt, wovon die meisten unter der Re-gierung des letztverstorbenen Großherzogs gesammelt wurden.

Diese sind: die höchst ausgezeichnete Hofbibliothek von etwa266666 Bänden, in der östlichen Hälfte jenes Hauptflügelszwei Etagen einnehmend; die Gcmäldegallerie, welche in nenn,nach den Malerschnlen eingetheilten, Sälen viele treffliche Bil-der, nebst einer reichen Sammlung phelloplastischcr Nachbil-dungen der berühmtesten römischen Alterthümer, enthält; dassogenannte alte Museum mit einer sehr bedeutenden Samm-lung von Kupferstichen und Zeichnungen, mehreren ausgezeich-neten Werken in Marmor und Alabaster, deutschen, römischenund ägyptischen Alterthümern, worunter eine sehr wohlerhalteneMumie ic.; das Antiken-Eabinet, welches die Abgüße fast allerausgezeichneten griechischen und römischen Statuen und Büstenund im Vorsaal eine reiche Sammlung von Gliedertheilen desmenschlichen Körpers in Gyps, zum Behuf des Studiums an-gehender Künstler, enthält; eine Waffen- und Trachtensamm-lung mit Waffen und Trachten aller Völker und aus den frü-hesten Zeiten her; das Naturalien-Eabinct, besonders merk-würdig durch seine Fossilien aus dem Rhein und auS Rhein-hessen, darunter: 3 vollständige Unterkiefer des Riesentapirs,von welchem auch uoch einzelne Skeletthcile vorhanden sind,Reste des langrüsseligen Mastodon ?c.

Die übrigen Gebäude von Auszeichnung, welche den einenoder den anderen jener Plätze begränzen, sind: (an der süd-östlichen Seite des Marktplatzes) das Rath Haus, ein wedergroßes noch irgend sonst ansehnliches Gebäude, welches 1586 unterder Regierung des Landgrafen Georg I. aufgeführt wurde;(an dem nördlichen Ende des Paradeplatzes) das Erercier-hauö (Zeughaus), welches, bei einer Länge von 316 Fuß, einerBreite von 151 Fuß und einer Höhe von 81 Fuß, doch vonkeiner Säule getragen wird und nur Einen 32 Fuß hohen Saalbildet; das größte Kunstwerk desselben besteht in dem Dache,einem Hängewerke, welches vermittelst 8 Schrauben abgelöstund abgehoben werden kann (Ludwig IX. ein sehr großerSoldatensreund, ließ dasselbe, um auch während der Winter-zcit mit seinem Militär exercieren zu können, von Schuknccht1771 in Zeit von 6 Monaten aufführen und zu jenem Zweckmit 16 Lesen versehen, deren Schornsteine aber so angebrachtsind, daß sie gar nicht bemerkt werden); (an dem Theater-platze) das Hof-Opernhaus, welches von 1818 1816Großherzog Ludcwig I. durch Moller in einem geschmackvollenStyle auffübrcn ließ (sechs corinthische Säulen mit schön ge-arbeiteten Kapirälen und Gesimsen tragen das Hauptportal;dem Aeußercn entspricht das Innere: Gänge und Stufen sindgroßartig und zweckmäßig; das Parterre ist 86 Fuß breit,66 Fuß tief und 52 Fuß hoch; die unterste Logenreihe wirdvon marmornen Säulen getragen, die beiden übrigen durcheiserne stark vergoldete Stäbe; in Bezug auf Akustik ist fast