Druckschrift 
2 (1840)
Entstehung
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ZA a V m s t a d t.

B e sch r

härmst adt, Haupt- und Residenzstadt des GroßberzogthumsHessen, liegt am Auslauf des Odenwaldes und der Bergstraßein der großen sandigen Ebene, die sich bis zum Rhein undMain erstreckt. Auf einem Flächeninhalt von 1398 Quadrat-Morgen zählt es gegenwärtig 13t!0 Häuser, 37 Straßen, 11öffentliche Plätze, 38 öffentliche Brunnen und 7 Stadtthore;die Einwohnerzahl beläuft sich (ohne das Militär) auf 22M9.

Darmstadt darf sich seit der Regierung des letztverstor-benen Großherzogs Lud ewig I. rühmen, eine der schönerenund freundlicheren Städte Deutschlands zu sein. Wenn auchdie Altstadt noch immer größtentheils enge und krumme Gassenhat, so haben doch manche Theile derselben durch einzelneVerbesserungen schon sichtbar gewonnen und noch anderen stehendergleichen bevor. Die Neustadt aber, welche bei weitem denbeträchtlichsten Theil der ganzen Stadt ausmacht, hat lange,gerade und breite Straßen und längs denselben eine Reiheschöner, zum Theil selbst pallastähnlicher Gebäude. Beson-dere Erwähnung in dieser Hinsicht verdienen die über 1l)(X1Schuh lange Rhein straße vom Schloße bis zum Rheinthorund die rechts auf dieselbe stoßende, über Ktü) Schuh langeNeckarstraße nach dem Ncckarthor. Diese beiden Straßenzeichnen sich auch durch ihr bequemes Pflaster von gehauenenSteinen, die Straßen der Neustadt überhaupt aber durch be-queme Trottoirs aus.

Von den Hauptgebäuden der Stadt reden wir am füg-lichsten in Verbindung mit den öffentlichen Plätzen, welche siebegränzen.

Den Louisenplatz den vornehmsten von allenzieren das Großherzoglichc Palais, mit 3 schönen Pa-villons in der Fronte, in einem gefälligen Style gebaut; dasalte Kanzlcigebäude, äußerst solid und nicht unschön un-ter Ludwig IX. erbant; das Ständehaus, früher Palaisdes Landgrafen Christian, im italienischen Style, mit einemBclvedere, seit 1837 zu seiner gegenwärtigen Bestimmung neueingerichtet und mit neuen Bauten vergrößert; verschiedene

5 i b n I» g.

Privatgebäude, u. a. das schöne Gasthans zur Traube; derLouisen-Brunnen, von schöner plastischer Ausführung, wel-cher aus einer Stunden von der Stadt entlegenen Quelle,in steinernen Röhren geleitet, sein Wasser erhält und dieses inein großes Becken ergießt, von wo es 4 Löwen in sich aufneh-men und entströmen lassen. Eine noch höhere Verherrlichungsteht diesem Platze durch die Errichtung des Ludcwigs-Mo-numents, zu Ehren des letztvcrstorbenen Großherzogs, in näch-ster Zeit bevor. Wir werden in einem der späteren Hefte eineAnsicht desselben nebst ausführlicher Beschreibung geben.

Den Mathildenplatz, welcher mit Banmgängen undRasenplätzen geziert ist, umgeben (auf der Südseite) das neueKanzlei- oder Collegiengebände, welches im Jahr 1827von Hegar an der Rückseite des älteren angebant wurde, und,wenn es auch in architektonischer Hinsicht Manches, namentlichein angemessenes Porral, wünschen läßt, doch, besonders beidem Eintritt in die Stadt durch das Mainthor, einen impo-santen Anblick gewährt; (auf der Westseite) der Großher-zoglichc Marstall, ein Quadrat, welches im Innern großeRäume und zwei Reitbahnen, eine bedeckte und eine unbedeckte,enthält; (auf der Nordseite) das nach Frankfurt führendeMainthor, in ähnlicher Weise, wie das Rhein- und Neckar-thor aus 2 Gebäuden bestehend, deren Portale, durch Säulengetragen, die Annehmlichkeit zweier bedeckten Hallen verschaffen,und welche in der Mitte ein eisernes Gittertbor einschließen, vonMoller aufgeführt; (auf der Lstseile) die in den Jahren183t) 1832 erbaute Großherzogliche Münze, welchebesonders ihrer inneren Einrichtung wegen sie wird durcheine eigens construirte Dampfmaschine getrieben und das Streck-werk nimmt den möglichst kleinen Raum ein gesehen zu werdenverdient; und endlich eine Reihe zierlicher Privalgebäude.

Den Wilhelminenplatz begränzt an dem südlichenEnde die katholische Kirche (nach dem Muster der Ro-tunda zu Rom in den Jahren 1822 1827 durch Mollererbaut: die ganze Kirche bildet Einen Raum, welcher mit 28