Druckschrift 
2 (1840)
Entstehung
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Ergänz«

^ie Geschichte der Stadt Ulm ist so reich an interessan-ten und belehrenden Momenten Momenten, welche zumTheil an die Geschichte der italienischen, ja selbst der griechi-schen Republiken erinnern, daß sie es wohl verdienen mag,wenn ibr hier, vorzugsweise vor der Geschichte anderer historischmerkwürdiger Städte, einige Aufmerksamkeit gewidmet wird.

Die Lage von Ulm in einer frühcrhin den Ueberschwem-mungen der von der Jller und Blau angeschwellten Donauausgesetzten Niederung macht es zweifelhaft, ob gerade dieseStelle schon von den Römern, ja selbst, ob sie überhaupt auchnur unter denselben zu einer Ansiedelung benutzt worden sei.Mühsame Uferbaue und Dammarbeitcn hätten jedenfalls vor-hergehen müssen; was unwahrscheinlich ist, da man zur Wei-terführung der bekannten Römerstraße auf der linken Donau-seite ja nur den vom Strom abgelegenen Höhcnzng oberhalbUlm zu wählen hatte; und so geschah es auch vermuthlich, daman zunächst um Ulm keine Spur römischer Bauwerke, keineMünzen, Steinschriften, Geräthe und Waffen findet, wohlaber etwa 4 5 Stunden weiter nördlich bei Urspring.

Allein bald nach der Vereinigung der Alemannen mit demgroßen Frankenreiche wo nicht schon früher müssen dieersten erfolgreichen Schritte für Ulms Anbau geschehen sein.Der auch durch die Völkerwanderung nur wenig unterbrocheneHandelsverkehr auf der Donau muß früher die Aufmerksamkeitgerade auf diese Stelle der großen Wasserstraße geleitet haben,wo diese für die Schifffahrt zugänglich wurde. Dazu kamenpolitische Rücksichten, welche Ulms Lage auf den Grenzen derbeiden Nationalherzogthümer von Alemannien und Baiern inden Kämpfen der fränkischen Hausmeicr um die Aufhebungdesselben nicht minder, als während der Kriege Karls desGroßen gegen Thassilo und Baiern, gegen die Sachsen undAvaren, eine besondere Bedeutung und Wichtigkeit gaben. DiesAlles mag wohl die fränkisch-deutschen Regenten karolingischenStammes veranlaßt haben, gerade diese Gegend der Donauzu ihren Hof- und Kammergütern zu ziehen, in Ulm ein soge-nanntes Palarium zu erbauen, und dasselbe nicht nur zumMittelpunkt für die Bewirthschaflung der umliegenden Lände-reien und Höfe zu machen, sondern auch daselbst in öffentlichen

ngsblatt

Gerichtssitzungen Recht zu sprechen und vielfältig die wichtig-sten Angelegenheiten des Landes zu berathen.

Das kalatium re^ium erhob sich da, wo jetzt derNeueBau" steht, an welchem Kenner noch heutzutage einen römischenUnterbau erkennen wollen, und an dasselbe schloß sich allmäbligin nordwestlicher Richtung die erste städtische Anlage an; ihmgegenüber aber, auf dem rechten Donauufer, erhob sich, wohlzu gleicher Zeit mit derselben, die von ihr abhängige und mitihr durch eine Brücke verbundene Villa reg!», Schweighofcn.

Erst im Jahre 1t)S7 ist von Ulm als von einem mitMauern umgebenen Orte (oppillnm) die Rede; jedoch sprichtVieles, und vor Allein die Nothwendigkeit einer Abwehr derverheerenden Einfälle der Ungarn, für die Vermuthung, daßUlm schon zu Anfang des ll>. Jahrhunderts in einem ziemlichbeträchtlichen Umfang mit Mauern versehen worden war.

In gleichem Verhältnisse, wie zu den Karolingern, standUlm zu den folgenden Kaisern und Königen, als kaiserliche oderkönigliche Stadt; ihre Bedeutung wuchs jedoch erst unter demsalisch-fränkischen Königsstamme, theils eben durch den häufi-geren, oft längeren Aufenthalt des Hofes, theils und insbe-sondere durch die für den Handel äußerst günstige Lage. Undwenn auch Ulm im Jakre 1134, zum Lohne der Treue, die esden Hohenstaufcn bewiesen, von der feindlichen Partei sein Ge-biet, seine Vorstädte, ja selbst zuletzt seine eigenen Gebäude bisauf die Kirchen niederbrennen und viele seiner Bürger erschla-gen, gefangen nehmen oder zur Flucht genöthigt sehen mußte,so erwachte nichts desto weniger gerade in dieser Periode untervielen fördernden Umstanden das städtische Leben zu kräftigerSelbstständigkeit, und legte dadurch den Grund zu seiner künf-tigen Blüthe und Erhebung.

Ulm gewann vor Allem außer einer ansehnlichen Mengevon Privilegien viel Grund und Boden, der bis dabin demFiscus gehört hatte und nun theils zur Wiedererbauung derStadt in einem beträchtlich erweiterten Umfange, rheils zurBildung eines Grunbeigenthums der Gemeinde verwendet wurde.

Die Erwerbung der wichtigsten Rechte und der Ausbil-dung seiner Municipalverfassung aber verdankt Ulm der für dieselbstständige Entwickelung der deutschen Städte so wichtigen