Veränderung darin vorgenommen, wodurch sie ihre jetzigen Ein-richtung erhielt.
Außer den oben schon bemerkten Grabsteinen hat die Kir-che zwar noch mehrere von Einheimischen und Fremden, diehier verstorben sind; wir übergehen sie aber, da sie von keinemallgemeinen Interesse sind, und erwähnen dagegen einen Stein,welcher auswendig am Chor der Kirche auf der linken Seiteeingemauert ist. Er hat die Form eines Kreuzes, auf dessenUntertheile der Heiland an eine Säule gebunden dargestellt ist.Den Kopf und die beiden Arme des Kreuzes nimmt eine latei-nische Mönchsschrift ein, welche besagt, daß ein gewisser IVl.Ekclin am Tage Simonis und Judä im Jahr 138Z gestorbensei. Dieser Stein ist also noch älter, wie der oben gedachte,und ebenfalls in die neue Kirche versetzt worden.
Von den Fenstermahlereien, die sonst in dieser Kirche zusehen waren, ist nichts mehr vorhanden, als der NassauischeLöwe mit der Jahreszahl 1556, in dem obersten Fenster dereinen Langseite rechter Hand vom Haupteingange.
Als eine andere Merkwürdigkeit dieser Kirche führen wirnoch die schöne Orgel an, welche aus der aufgehobenen AbteiEberbach hierher versetzt wurde. Sie ist ein Werk des berühm-ten Orgelbauers Stumm vom Hundörücken.
Daö Nathhaus ward im Jahr 1609 unter der Negie-rung des Grafen Ludwig auf dem Markte erbaut, nachdem inden älteren Zeiten das Stadtgericht seine Versammlungen ineinem Hause neben dem Einhorn, in gleichzeitigen Nachrichten„die Höttin" oder die „Hüttin" genannt, gehalten hatte. Nachdem Geschmacke der damaligen Zeit ist das Nathhaus ein schö-nes Gebäude zu nennen. Die beiden Giebel und das untereStockwerk sind von Stein, das mittlere Stockwerk aber, so wiedie vorspringenden Erker und der hohe Frontongiebel über demHaupteingange, von Zimmerarbeit, welche der Sage nach inStraßburg verfertigt worden sein soll. Daran sind allerlei Ge-
schnörkel und Embleme angebracht: das Nassauische und dasStadtwappen, die Gerechtigkeit mit ihren bekannten Attributen,ein Pelikan, der seine Jungen aus der aufgeritzten Brust füt-tert ?c. Alles dies war, wie man noch sieht, bunt bemahlt undzum Theil vergoldet, und würde bei einer neuen Verputzungnoch jetzo einen interessanten gefälligen Anblick gewähren Diezwei lateinischen Inschriften, welche unter den beiden Flügelfen-stern stehen, rühren von einem gewissen Magister Weber her,der sich den Namen Theomophilus gibt, und besagen nichts wei-ter, als daß der Graf Ludwig den Platz zu diesem Gebäudeder Stadt geschenkt, der Magistrat und die Bürgerschaft aberihn auf ihre Kosten aufgeführt haben.
Der Uhrthurm, der gleichfalls auf dem Markte steht,war in den älteren Zeiten, als nur die damals sogenannte ei-gentliche Stadt befestigt war, das obere Stadtthor, wiro aber,weil die Stadtuhr darauf befindlich ist, gewöhnlich der Uhrthurmgenannt. Von ihm ging eine Brücke über den Graben in diedamalige Vorstadt; diese ward aber im Jahr 1567 überwölbtund liegt nun unter dein Straßenpflaster versteckt. Der Thurmselbst hat es nur dem Umstände, daß sich die Stadtuhr auf ihmbefindet, zu verdanken, daß er bei den Erweiterungen der Stadtnicht weggeschafft, sondern sogar noch im Jahr 1753 mit einemStockwerke vermehrt worden ist, in welchem der Stad.chürmerwohnt, der seine Wachsamkeit in der Nacht alle Viertelstundedurch ein einfaches Zeichen zu erkennen gibt. Wenn dieserThurm auch die Straße und die freie Auffahrt hemmt, so wärees doch Schade, wenn dieses nicht ganz uninteressante Baudenk-mal der frühereil Zeit der Bequemlichkeit der heutigen weichenund mit ihm ein charakteristischer Zug in der Physiognomie derStadt verschwinden sollte; auch würde dadurch die Ansicht desMarktes überhaupt, so wie namentlich die des im Mittelpunktedesselben aufgeführten neuen Nesidenzschlosses keineswegs gewin-nen, indem dann die bis jetzt dadurch verdeckten unansehnlichender angränzenden Einhorngasse sichtbar würden.