Druckschrift 
2 (1840)
Entstehung
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für volle Entschädigung und hinterließ so seinem Bruder Frie- !drich August 1803 ein bedeutend größeres Land.

Im Jahr 1800 vereinigten sich nun die beiden Walrami-schen Linien des Nassauischcn Hauses in ein souverainesHerzogthum, das die beiden Häupter jener Linien, FriedrichAugust und Friedrich Wilhelm, von nun an gemeinschaftlich re-gierten, und da sie zugleich 1814 durch Tausch den größten Theilder Nassau-Oranischcn Besitzungen erwarben, so waren nunmehrfast alle Nassauischc Stammländer in einem Staate vereinigt.

Der Regierung dieser beiden erlauchten Fürsten verdanktdas Herzogthum seine Verfassung und manche andere Wohlthat,Wiesbaden aber seine ganze gegenwärtige Bedeutung. Zu kleinfür die Hauptstadt des vergrößerten Landes, fing es schon 1802an, sich zu erweitern. Ansehnliche Bauprämien wurden an Bau-lustige vertheilt, die dafür nach geregelten und schönen Planenbauen mußten. So entstanden zuerst gleichzeitig die ihre Namentragende Friedrichs- unv Wilhclmsstraße, sowie wenige Jahredarauf auch die Nero-, Taunus-, Schwalbacher- und Burgstraße;desgleichen wurde die Webergasse auf den Nömerberg geöffnet.Zugleich wurden mehrere öffentliche Gebäude errichtet, als: dieschöne Kaserne, das Schulgebäudc, das Palais :c., vor allemaber die größte Zierde Wiesbadens, der nach einem kolossalenPlane angelegte Kursaal (von 1808 10). Durch dies Alleswurde nun auch in den älteren Stadtthcilcn allmählich die Bau-lust angeregt, und auch hier sah man viele neue Häuser entste-hen, alte und schlechte sich erneuern und verschönern. Auch ver-schwanden die Stadtthore und fast überall die beengenden Mau-ern. Die Vadhäuser endlich blieben bei diesen allgemeinenFortschritten um so weniger zurück, als sich die Zahl ihrer Gästevon Jahr zu Jahr mehrte. Die meisten wurden vergrößert,erweitert und bequemer eingerichtet; einige behielten kaum mehreine Spur ihrer alten Gestalt, und zu einem neuen den vierJahrszeiten wurde nach einem großen Plane der Grundgelegt.

Was jene beiden Regenten so erfolgreich begonnen hatten,wurde unter der Regierung ihres Nachfolgers, Herzogs Wilhelmvon Nassau, der im I. 1810 die Alleinherrschaft antrat, ineiner Weise vollendet, welche Wiesbaden für alle Zeiten denersten Rang unter den Badeorten Dentschlands verschaffte. Ue-berall unternahm man jetzt große Bauten, legte neue, schöneStraßen an, vergrößerte Bad- und Gasthäuser; man umgabdie Stadt mit den reizendsten Anlagen, ließ den Kochbrunnengeschmackvoll einfassen und von ihm aus freundliche Alleen an-legen; das Schauspielhaus und die beiden Colounaden, die »eueResidenz wurden erbaut, das Innere des prachtvollen Kursaalsim edelsten Style verschönert und die Anlagen hinter demselbenauf die geschmackvollste Weise erweitert.

Zu diesem schnellen Emporblühen Wiesbadens trugen auchdie ausgezeichneten Aerzte nicht wenig bei, welche die mächtigeheilbringende Wirkung der hiesigen Mineralquellen in chronischenKrankheiten in ihren Schriften Heller ins Licht setzten und zuderen allgemeinem Gebrauch dringend aufforderten. Von allenSeiten, oft aus den entferntesten Gegenden, strömten nun dieKranken in jährlich sich mehrender Anzahl herbei und halfendann gleichfalls, wenn sie mit Hilfe der hiesigen geschickten Ba-deärzte die Heilquellen Wiesbadens zur Wiederherstellung ihrerGesundheit wirksam befunden hatten, der Ruf derselben immerweiter verbreiten und begründen.

Als Anhang folge hier noch Einiges zur Geschichte dreierhistorisch merkwürdiger Gebäude Wiesbadens, der Stadtkirche,des NathhauseS und des sogenannten Uhrthurms.

Die Stadtkirche rührt, wie der Augenschein lehrt, ausden neuern Zeiten her, doch sind ihr Hochs wahrscheinlich zweiältere Kirchen auf demselben Platze, auf dem sie nun steht, imLaufe der Zeiten vorangegangen. Die älteste Kirche wurde ver-muthlich nicht lange nach der Einführung des Christenthums zuWiesbaden, mithin etwa zu AnSgang des achten und zu Anfangdes neunten Jahrhunderts, hier errichtet. Von dieser ersten Kir-che aber fehlen uns nicht nur alle Nachrichten, sondern es sindauch keine Spuren mehr von derselben vorhanden, indem siein dem Jahr 1488, entweder weil sie zu klein oder zu baufälligwar, einer neuen weichen mußte, die auf derselben Stelle er-richtet wurde. Als Beweis für die Jahresangabe ihrer Erbau-ung führt man gewöhnlich einen mit einer Inschrift versehenenStein an, der nach dem Augcnzcugniß der älteren Geschichtschrei-ber von Wiesbaden, Hcllmund und Schenck, au der heutigenKirche eingemauert ist, aber seitdem wahrscheinlich bei einer Re-paratur des äußeren Bewurfs aus Unverstand mit Mörtel über-zogen und so unsichtbar wurde. Die Inschrift ist folgende:Uf. Sanct. ValentiS. Tag. de. erst. Stein, gelachtMät. das. sag. ich. üch. noch.. da. man. screb1488.

Aber auch diese zweite Kirche besteht als solche nicht mehr,indem sie bei dem großen Brande im Jahre 1547 mit derübrigen Stadt durch die Flammen zerstört wurde. Indeßblieb höchstwahrscheinlich nicht nur das Gemäuer der älterenKirche stehen und wurde bei dem Bau der gegenwärtigen wie-der benutzt (wobei sich denn auch jener Stein erhielt), sondernes war auch der ehemalige Glockcnthurm ziemlich unbeschädigtgeblieben. Gleichwohl kam die Wiederherstellung der Kirche nurlangsam zu Stande, und erst im Jahr 1561 erhielt sie wiederihr Dach. Im Jahr 1710 ward sie durch die Aufführung vonzwei neuen Langseiten erweitert, und zugleich wurde manche