Druckschrift 
2 (1840)
Entstehung
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legenen Alt-Nassauischen Besitzungen der Walramischen und Ot-tom'schen Linie bei der Thronbesteigung des letzt verstorbenenHerzogs Wilhelm von Nassau wieder vereinigt wurden.

Unter der Negierung des Nassauischen Fürstenhauses erfuhrWiesbaden mancherlei wechselnde Schicksale. Gleich im Anfangehatte es viel von dem Drucke des Faustrechts zu leiden. UnterGraf Walrams jüngerem Sohne, Adolf, dem nachhcrigen deut-schen Kaiser, wurde es 1Z82 von dem fehdesüchtigen Nachbar,Gottfried Herrn von Eppenstein, eingenommen und zerstört.Adolf ließ es neu wieder aufbauen und nach dem damaligen Be-dürfnisse mit so starken Mauern und tiefen Gräben befestigen,daß es 1318 unter seinem Sohn und Nachfolger Gerlach vonKaiser Ludwig dem Baier einen ganzen Monat ohne Erfolgbelagert wurde. Doch 1409 eroberte es wieder der kriegerischeGraf Otto von Solms. Im I. 1508 fanv es Adolf III. fürnöthig, die Stadt wiederum zu befestigen. Indeß blieb auch da-mals die Badegegend noch außer der Befestigung und wurde erst1098 mit in die noch stellenweise erhaltene Mauer eingeschlossen.

In Folge des Bauernkrieges kam es auch hier im Jahr1525 zu einem allgemeinen Aufstand. Man forderte, nach demBeispiele der Bauern in Schwaben, eine Verminderung deröffentlichen Abgaben, den freien Gebrauch der Jagden und Wal-dungen :c., alles mit dem größten Ungestüm. Die Schlüssel zuden Stadtthoren wurden weggenommen, den Beamten mit demTode gedroht, Pfarrer und Kaplan abgesetzt, die Zinsbücherentwendet, die Kassenvorräthe getheilt und überhaupt die größtenErccsse begangen, wobei sich besonders ein gewisser Schweizer,welcher zu der Zeit in Wiesbaden wohnte, auszeichnete. ' Nachder Unterdrückung der Hauptunruhen selbst aber legte sich derhiesige Aufstand von selbst, und wurde deßhalb auch, nach einerscharfen Untersuchung gegen die eigentlichen Rädelsführer, miteiner Amnestie begnadigt.

Im Jahr 1540 führte Graf Philipp der Altherr die neueLehre Luthers mit Hülfe der Gelehrten Erhard Snepf, MartinBuccrus und EraSmuö Sarcerus hier ein und installirte denersten protestantischen Prediger Matches.

Im Jahr 1547 hatte die Stadt das Unglück, gänzlich ab-zubrennen. Auch die Jahre 1501 bis 63, 1570 u. 1586 wa-ren durch zum Theil sehr starke Feuersbrünste verderblich. Diefolgenden Jahre schwang der für ganz Deutschland so verderb-liche dreißigjährige Krieg seine furchtbare Geißel auch über Wies-baden, welches mit Brand, Seuchen, Hungersnoth und allenim Kriege gewöhnlichen Gräueln, Einquartirung, Erpressungenund Plünderungen, heimgesucht wurde. Die Baicrn und Oe-stcrreicher verheerten und entvölkerten die Stadt dergestalt, daßin den sonst belebtesten Straßen nicht blos GraS, sondern selbstGebüsch wuchs, und oft nicht fünfzig, ja selbst manchmal kaum

zwanzig Bürger in der Stadt waren. Nachdem hierauf KaiserFerdinand II. im I. 1035 den Grafen Johannes seiner Herr-schaft entsetzt hatte, kam Wiesbaden mit den übrigen NassauischcuLändern unter die provisorische Verwaltung von Kurmainz, bisder Westphälische Frieden mit den Segnungen des Friedenshier auch den eingcbcrncn Landesfürstcn, den edlen Grafen Jo-hannes, wieder zurückführte.

Mit dieser Wiederherstellung der früheren gesetzlichen Ord-nung beginnt für Wiesbaden eine neue Epoche, ein neues Aus-leben; denn durch die Bemühungen jenes so ausgezeichnetenFürsten wurde die Stadt sehr erweitert und namentlich die Bad-cinrichtungen zc. ungemcin verbessert und gehoben. Allmäh-lig füllten sich nun wieder die Wohnstätten Wiesbadens mitgewerbthätigen Bürgern und zur Kurzcit mit Genesung suchen-den Gästen. Die Badhäuscr erstanden meist neu und in schö-neren Formen, die Kirche wurde wieder hergestellt, die zerstör-ten Privathäuser wieder wohnbar gemacht.

Fürst Georg August, der 1077 zur Negierung kam, ließdarauf 1691 die alten baufälligen Befestigungen niederreißenund die ganze Stadt mit der Badcgegend in eine neue Mauermit vier Thoren einfassen. Die Gräben, welche die ehemaligeStadt einschlössen, wurden trocken gelegt; neue regelmäßigeStraßen, wie die Ncugasse, Wcbergasse, die Saalgasse ?c. ent-standen. Georg August vergrößerte und verschönerte auch das1596 erbaute sogenannte neue Schloß und bestimmte es zu einemWittwensitz für seine Gemahlin; für seine eigne Hofhaltung abererbaute er 1721 das schöne Ncsidcnzschloß zu Biebrich. Dasalte hiesige Schloß (die Burg, wahrscheinlich auö der Zeit Kai-ser Adolfs II, nun zu unbequem und klein, wurde zur Kellereibestimmt. 1723 wurde das Waisenhans, 1730 die neue Schule,1732 das neue Hospital erbaut.

In den Jahren 174043 litt die Stadt zwar wiederviel durch den Erbfolgekrieg, aber bereits 1744 verlegte FürstKarl seine Residenz für immer von Usingcn nach Biebrich. Die-ser Fürst sorgte nun auch für die Unterhaltung der immer mehrzunehmenden Badegäste: er öffnete ihnen den Waisenhausgarten,worin er eine Kastanicnallce und Gartenhäuser angelegt hatte,und schuf den Kranz und eine anmuthige Promenade nach demWiesenbrunnen.

Unter seinem würdigen Nachfolger Karl Wilhelm entstandder Herrn- und Irrgarten vor dem Sonnenbcrgcr Thore; bei-des liebliche Boskete mit verschlungenen Gängen, Lusthäuschen,Platanen- und Pappelallecn, Kramläden und allen Bequemlich-keiten versehen, die aber in der neuesten Zeit größeren und um-fassenderen Anlagen gewichen sind.

Im Jahr 1797 erbte Karl Wilhelm die damals von denFranzosen besetzten Saarbrückischcn Lande, erhielt aber 1802 da