Druckschrift 
2 (1840)
Entstehung
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Bewohnern des Taunus, den Buccinobanten, und der Kaiserfand es später s.ir gut, mit Makrian Frieden zu schließen.

Vielleicht stammen aus diesen Zeiten die große und kleineRentmauer (Nundmauer?), zwei chnmls aus einem nord-westlich, eine Stunde von hier, gelegnen Berge befindliche ring-förmige Mauerwcrke, die blos von rohen Steinen (ohne Mörtel)aufgehäuft und von ansehnlichem Umfange waren; denn ohngc-rchtet der von den Römern angelegten Pfahlgraben in ihrerNähe vorbeizog, hat man sie nicht etwa für Vorwerke des hie-sigen römischen Kastells, soudern viel wahrscheinlicher für diekunstlosen Befestigungen kräftiger deutscher Völker zu halten,die wie die Spartaner ihre beßtcn Vollwerke in ihren Armensuchten. Mehrere ähnliche Mauerwcrke sind zwar verschwunden,leben aber noch in der Erinnerung, und die Gegenden desWaldes tragen noch ihre Namen, z. B. die Würzburg(Wehrsburg?) :c.

Um das Jahr 496 mußten die Alemannen wieder einemandern deutschen Volke, den salischen Franken, weichen, welchedas eroberte Land in Gauen theilten und durch ihre Grafenverwalten ließen. Wiesbaden gehörte zu dem Kunigesundra-Gau, welcher Name vermuthlich nichts anders bedeutete, alseinen besonderen oder abgesonderten Bezirk, dessen Einkünfte sichder König vorbehalten hatte und der unter seiner unmittelbarenAufsicht stand. Dieser Name berechtigt uns zugleich anzunehmen,daß die fränkischen Könige diese Gegend (von Eppstcin bis Wal-luf) auch besonders liebgewonnen hatten und sich deßhalb auch,sowie ihre Nachfolger die deutschen Könige, öfter zu Wiesbadenaufgehalten haben. Namentlich können wir dies von Karl demGroßen fast mit Gewißheit annehmen, da er nach Eginhard'sZeugniß ein besonderer Freund von warmen Quellen war undsich überdieß in dem nahen Oberingelheim sehr häufig aufhielt.Von Kaiser Otto I- aber wissen wir gewiß, daß er in Wiesba-den war. Dieses bezeugt uns nämlich eine von ihm (zum Vor-theile des Erzbisthums Magdeburg) im Jahre 965 dahier aus-gestellte Urkunde, deren Unterschrift vollständig also lautet:Xctum »isibackan. III Ick. Xpr. Xima vom. VOLOI.XV. Imp.IV. tie^ui XXX. Dieses ist zugleich die bis jetzt bekannte ersteschriftliche Aufzeichnung des Namens unserer Stadt. In der Folgekommt derselbe viel häufiger, jedoch in verschiedener Schreibart,vor; denn man findet Wisibaden, Wesebaden, Wisebadin, Wisi-bad, Wisibada, Wissebad :c. Man leitet diesen Namen wohlam wahrscheinlichsten von den um die warmen Quellen geleg-nen Wiesen her und sieht ihn für eine bloße Verjüngung desälteren gleichbedeutenden Namens Matliakum, d. h. Mattenbad,an.

Wiesbaden genoß überdieß noch des besonderen Vortheils,einen Saal oder eine königliche Pfalz (palatium, Palast)

zu besitzen, in welcher sich zeitweise und abwechselnd mit andernPfalzen der Art die fränkischen und deutschen Könige aufzuhal-ten pflegten. Wahrscheinlich wurde die hiesige Pfalz schon zuEnde deö 6. oder Anfang des 7. Jahrhunderts von den Fran-ken errichtet. Die Ueberreste derselben hatte noch, ehe sie derdreißigjährige Krieg verschlang, der älteste Beschreibet' vonWiesbaden, Phil. Weber, gesehen. Inzwischen waren damitnicht zugleich auch Namen und Ort dem Gedächtnisse entschwun-den; und als man im Jahre 1708 die heutige, davon benannteSaalgasse anlegte, war man so glücklich, die Fundamente desSaals, Mauern und Wände mit allerlei Malereien geziert,Fußböden von Gpps u. drgl. wieder aufzufinden; auch entdeckteman mehrere Jahre hernach in derselben Gegend noch mchrcresaltes Mauerwerk, und im Jahre 1731 ein kleines unterirdischesGewölbe mit Todtenbeinen, welches alles aus den vormaligenansehnlichen Umfang dieses Saales schließen läßt.

Wie die übrigen Pfalzen, war auch Wiesbaden mit ans-chn-lichen Gütern, Waldungen, Jagden versehen, aus welchen, beiAnwesenheit der Könige, der Unterhalt deö Hofes beftrittcn zuwerden pflegte. Dies Verhältniß änderte sich aber, als diedeutschen Kaiser anfingen, die Provinzen ihres Reiches nicht nurweniger zu besuchen, sondern auch ihre Saal-, Kammer- undFiscalgüter an diejenigen Großen des Reichs zu verschenken,welche ihnen entweder besondere Dienste geleistet hatten odervon denen sie dergleichen erwarteten. Dadurch gingen die Gütersolcher Pfalzstädte erb- und eigenthümlich in verschiedene Händeüber. So wissen wir urkundlich, daß Kaiser Heinrich V. 1128,nach dem Beispiele seiner Vorfahren, der Könige und Kaiser, sei-nem getreuen Dicnstmanncn Eberhard einen zu seinem Königs-hofe zu Wiesbaden gehörigen Bannforft schenkte. Der größereTheil dieser Güter scheint aber an die, aus dem salischen Kai-serhause entsprossenen Grafen von Nassau, welche schonläugst den Lahngau erblich verwaltet harten, gekommen zu sein;denn wir sehen dies erlauchte Haus von nun an ununterbrochenim Besitz dieser herrlichen Gegend.

Im Jahr 1255 zerfiel das Nassauische Grafcnhaus durcheine Theilung, welche die beiden Söhne Heinrichs des Reichen,Walram und Otto, unter sich vornahmen, in die zwei, nochjetzt blühenden Linien. Otto, dem jüngeren Sohne, wurden dieLänder jenseits der Lahn zu Theil, und er stiftete so die Otto-nische Linie, deren Nachkommen jetzt den Thron des Königreichsder Niederlande besitzen; Walram, der ältere, hingegen ward derStifter einer Linie, welche die Graf- und Herrschaften Wiesba-den, Jdstein, Usingen, Weilburg und später auch Saarbrücken,Saarwerden und Lahr besaß, sich zwar bald in mehrere Linientheilte, aber dann wieder durch Absterben derselben vereinigte,bis endlich im Jahr 1816 sämmtliche diesseits des Rheins ge-