Streitäxte, Schwerter, Pfeile zc. enthielten; ja unter einem der-selben, der auf dem Wege nach Bleidenstadt aufgegraben wurde,fanden sich sogar noch Ueberreste eines deutschen Opferaltars.(Die Urnen rührten wohl von Römern her und waren entwederim Kriege erbeutet oder von römischen Kriegsgefangenen verfertigtworden, oder auch auf sonstige Weise in die Hände der Deut-schen gekommen.)
Als nun aber die Römer um Christi Geburt ihre Erobe-rungen auch jenseits des Rheins ausdehnten, legte Drusus, zumSchutz und Schirm derselben gegen die germanischen Völker-schaften, unter vielen andern Castellen am Rhein auch zu Wies-baden ein solches an, von dessen Vorhandensein auf dem Rö-derberg man zwar schon seit längerer Zeit wußte, welches indeßerst im Jahre 1838 durch Nachgrabungen näher bekannt wurde.Es bildete ein regelmäßiges Viereck init stumpfen Ecken, und hatte,bei einer Länge von 504 Fuß und einer südlichen und nördlichenBreite von 455 — 469 Fuß, 6 Fuß dicke Mauern, 28 Thürmeund 4 Eingänge. Schon längst aber kannte man, unter demRainen der Hcidenmauer, in einer Länge von ungefähr 650 Fuß,die thcilwcise noch sehr wohl erhaltene äußere Umfassungsmauerder bürgerlichen Niederlassung der römisch-germanischen Bevöl-kerung, welche sich sehr bald in der Nähe des Kastells und un-ter dem Schutze derselben angesiedelt haben mag. Sie hatteihren Anfang auf dem Hügel, nördlich hinter der Stadt,durchschnitt quer die lange Gasse, die Metzgergasse, den Gra-ben, lief am alten Schlosse, welches zum Theil aus ihren Trüm-mern erbaut ist, vorbei, und endigte an der Gränze des heuti-gen Stadtbezirks. Nach römischer Weise war sie aus beidenSeiten mit Bruchsteinen und Kalk aufgeführt und in der Mittemit kleinen Steinen, Bruchstücken von Ziegeln und dergleichenausgefüllt und mit Mörtel ausgegossen, wodurch sie eine außer-ordentliche Festigkeit erhielt; ihre Höhe betrug durck'gehcndö 20,ihre Breite 10 Fuß. Oestlich davon fanden sich sogar die Spu-ren einer römischen Begräbnißstätte, auf welcher wahrscheinlichdie Legionssoldaten, untermischt mit den Bewohnern germani-schen Ursprungs, beerdigt wurden. Fast in allen Theilen derStadt aber, wo man zum Bauen aufgrub, wurden römischeAlterthümer aufgefunden, als: Münzen, Ringe, Waffen, Aschen-kriigc, Trinkgeschirre, Ziegclstiickc und gehauene Steine, mit In-schriften verschiedener Legionen, insbesondere aber der XXII.,welche i. I. 81 n. Chr. G. von Alerandrien nach Mainz undder Umgegend verlegt worden war. Ferner fand man bei demBau der Schwalbachcr Straße in deren Mitte 10 bis 12 Fußunter der Erde einen Votivstein, welcher der Nundina (Markt-göttin) und dem Merkur (als Gott des Handels) geweiht war,woraus hervorgeht, daß in dieser Gegend ein römischer Marktgewesen war; unweit davon wurde auch ein Opfcraltar auSgc-
graben. Von ganz besonderem Interesse aber sind die nochsichtbaren Spuren von dem Gebrauche, welchen bereits die Rö-mer von den hiesigen Thermen gemacht haben. Dafür zeugennämlich die im Badchause zum Schützenhof (1783 beim Er-bauen desselben), im Schwanen- und Römerbade, sowie auch imGarten des Gast- und Badehauses zum Adler aufgefundenen rö-mischen Bäder. Im erstgenannten entdeckte man sogar noch einenVotivstein, welchen ein Centurio (Hauptmann) der VII. Legiondem Apollo, dem er den wahrscheinlich rein topischcn Beinamenloutiurix ertheilt, für wieder erlangte Gesundheit weihte. Dieserrothe Sandstein ist jetzt im Badchause des Schützenhofes einge-mauert, und die Inschrift lautet wie folgt:
IX u. o. I).
5PVI.l.IXI. T0V
TIOKKil.
I,. IVIäkIXIVL.
Vl.VUI.VXV8. l). I.L6. VII.
ODlVI. 0. 1'. XI.LX4XD.
0. 0. 0. b'VK'I'VX^L. V0II COlVILOS.
(In livnorem äomus äivinae, ^pollini tuuUoriAi I.ueiu8 iVIa-rinius lVIarianus, Oenturio lezionis VII xeminae piae üäet'sulsxanäriiiae, äunum äeäieat korlnnae voll eumpos.) DieZicgelplatten, womit die Unterlage des Bades belegt war, hat-ten den Stempel der XXII. Legion.
Auch der Kochbrunnen war den Römern schon bekannt;und die eigenthümliche Einrichtung, welche bei den im Römer-bade und Schwanen aufgefundenen römischen Bäder wahrge-nommen wurde, scheint sogar darauf hinzudeuten, daß diesewahrscheinlich schon als Dampf- oder Schwitzbäder gedienthaben mögen.
Die Römer behaupteten ihre Herrschaft über die Deutschen,besonders in unserer Gegend, bis ins 4. Jahrhundert, n eweb'unter mancherlei Anfechtungen. So bekriegten z. B. die Mattiaken, im Verein mit den Katten und Usipetern, um das Jahr70 n. Chr. G. das benachbarte römische Hauptkastell zu Mainz,und machten, wenn sie auch dasselbe nicht erobern konnten, de.noch große Beute.
Um die Mitte des 4. Jahrhunderts aber erscheint einneues deutsches Volk, die tapferen Alemannen, welche dieRömer nicht nur gänzlich aus den Nheingegcnden verdrängten,sondern sich auch in Besitz derselben setzten. Im Jahre 371 hieltsich der Alemannen-König Makrian hier auf. Der römischeKaiser Valentinian, der gerade in Trier weilte, erfuhr es undwollte ihn gefangen nehmen lassen. Aber Makrian, zur rechtenZeit noch davon in Kennmiß gesetzt, entsteh zu den kräftigen