Druckschrift 
2 (1840)
Entstehung
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Die vier erstgenannten Badehäuser ersten Ranges sind auchzugleich zur Klasse der ersten Gasthöfe zu rechnen, an welchesich außerdem noch der Nassauerhof, der Alleesaal, das Einhorn,der grüne Wald, der Hof von Holland, der wilde Mann, dieStadt Mainz und die Stadt Frankfurt anschließen, währendWiesbaden auch noch eine große Zahl kleiner, zweckmäßig ein-gerichteter Gasthäuser auszuweisen hat. Der ausgezeichnetsteGasthof unter allen ist der zu den vier Jahreszeiten,ein Werk des Bauinspectors Zais und nächst der neuenResidenz und dem Kursaal das schönste Gebäude der Stadt.

Wiesbaden hat vierzehn warme und zwei kalte Mineral-quellen, die meist zum Baden benutzt werden. Durch seinemineralischen Bestandtheile erhält das Wasser eine besonderswirksame Kraft gegen Gicht und Rheumatismen, Hautkrankheit,Schlag, Lähmung :c. Die heißeste und zugleich die Hauptquelleist der sog. Kochbrunnen, an dem sich deßhalb auch dergrößte Theil des Badepnblikums versammelt. Er ist zu diesemZwecke erst vor mehreren Jahren neu und geschmackvoll einge-faßt und mit einer angenehmen Akazien-Allee versehen worden,die mit den Promenaden des Kursaals in Verbindung steht.Von allen Mineralquellen Europa's ist Wiesbaden jetzt unstrei-tig der besuchteste Kurort; denn die Zahl der fast aus allenGegenden der Erde zu einer Saison herströmenden Fremdenbclänft sich auf einige zwanzig Tausend, unter denen indeß nurdie Hälfte als wirkliche Kurgäste, d. h. als Kranke zu bewach-ten sind, welche die hiesigen Thermen benutzen, indem dieandere Hälfte theils nur in Begleitung Leidender, theils auchblos dcS Vergnügens wegen den Sommer in Wiesbaden undseiner reizenden Umgebung verlebt.

Zum Schlüsse unserer Beschreibung wollen wir nun nochdie interessantesten Punkte aus der nächsten Umge-bung von Wiesbaden hier anführen.

Am westlichen Ende der Taunusstraße, wo die vom Koch-brunncn ausgehenden Anlagen aufhören,-führt eine Akazienalleein das romantisch schöne Nerothal, dessen üppiggrünendeWiesen durch ein sanft murmelndes Bächlein bewässert unddurch Weinberge, Felsen und schattige Waldparthicn von Eichenund Buchen begränzt werden. Die schönsten Punkte hat manneuerdings zu Ruheplätzen eingerichtet und auch einen bequemenWeg angelegt, der rechts, etwas über das Thal erhaben, durchbeschattete Wald- und Felsparthicn bis zur sog. Leichtweishöhle,einer Felscngruppe, führt. Vom Nerobcrge aus, dem höchstenPunkte dieser Felsparthien, genießt man eine weite schöne Aus-sicht nach dem Rhein und seinen Gauen. Im alten Eichen-walde, der den Gipfel dieses Berges krönt, sind noch Reste rö-mischen Gemäuers, welches ursprünglich ohngefähr ein Viereckvon beiläufig 140 Fuß bilden mochte. Nach einer alten Tra-

dition, die aber keine Wahrscheinlichkeit für sich hat, 'soll hierDrusus oder Tiberius ein Jagdschloß der Neronen mit einemWildparke angelegt haben, und daher Berg und Thal ihrenNamen führen.

Ein andrer vielfach besuchter und kaum V« Stunde vonder Stadt entfernter Belustigungsort ist der auf einem Ab-Hange des Taunus gelegene Geisberg mit schönen Anlagenund einer reizenden Aussicht nach Mainz und den Nheingegenden.

Eine halbe Stunde von der Stadt entfernt, liegt in einemfreundlichen Wiesengrunde, am Fuße eines waldigen Hügels, dieWalkmühle mit schönen Anlagen. Von hier aus führt ein,mit schattigen Waldparthicn, Wiesen und Feldern abwechselnder,Weg nach dem, eine halbe Stunde entfernten, Adamsthal,einer schön angelegten Meierei in idyllischer Waldeinsamkeit.

Nicht weit davon liegt die (ehemalige) Fasanerie, ineinem freundlichen Wiescnthal, um welches sich ein lichter Hainzieht, und, derselben gegenüber, das ehemalige NonnenklosterClarenthal, welches 1290 von Kaiser Adolph von Nassauund seiner Gemahlin Jmagina gestiftet wurde. Bei der Zer-störung des eigentlichen Klostergebäudes wurde der Grabstein derStifterin in die Stadtkirche nach Wiesbaden gebracht (s. oben).Man hat seitdem einen Pachthof daselbst angelegt.

In der Nähe der Fasanerie und des Klosters, zu beidenSeiten der Straße, welche nach Bleidcnstadt führt, sowie auchbei dem Orte Dotzheim, sieht man eine Menge alter, zum Theilmit Gesträuch und Bäumen bewachsener Grabhügel, wovoneinige bereits vor einer Reihe von Jahren geöffnet wurden undverschiedene dahin gehörige Dinge: mit Kohlen und Asche ange-füllte Urnen, zum Theil von schönen, reinen Formen, Opfer-schalen, Thränenflaschen, Pfeile, Lanzen, Opfermesser, Lampen,goldne, silberne und kupferne Münzen :c. sämmtlich gegenMorgen gelegen enthielten.

Etwa eine halbe Stunde von Clarenthal, genießt man vondem, an der Schwalbacher Landstraße, am AbHange des Taunusgelegnen, Chausseehaus eine schöne Aussicht in das Nheingau;bei weitem umfassender aber bietet sie auf dem höchsten Punktedieser Straße die sog. hohe Wurzel dar. Vor sich hat manhier das weite Nheinthal mit dem schimmernden Strome, dersich in mannigfachen Krümmungen von den Bergen desSchwarzwaldcs herabschlängelt. Gegenüber breitet sich Mainzaus mit seinen Thürmen; seitwärts Mainz erheben sich sanfteHöhen, und weiterhin strebt der Donnersberg in die Wolken;rechts ruhen die ersten Dörfer des RheingauS am Ufer; linkszieht sich das üppige Mainthal hin, wo Frankfurt in schwanken-den Umrissen erscheint, und weiterhin treten die waldigen Kup-pen der Bergstraße hervor; am Fuße des Gebirges versteckt sichWiesbaden zwischen Hügeln.