Druckschrift 
2 (1840)
Entstehung
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in der Saison mit Kunst- und Luxusartikeln reichlich aus-gestattet sind, und beständig von einer großen Anzahl kauf-oder schaulustiger Menschen besucht werden, während bei un-günstiger Witterung diese freundliche Halle des Schutzes wegenzu Spaziergängen benutzt wird. Wahrhaftig großartig aber istdie sog. neue Anlage hinter dem Kursaale, welche mit denender Wilhelms- und Taunusstraße in Verbindung steht, und erstnoch im Jahre 1838 mit bedeutendem Kostenaufwand verschö-nert und nach verschiedenen Richtungen hin vergrößert wordenist. Die hier in Ueppigkeit prangenden Pflanzungen erotischerGewächse, die grünenden Wiesen und Alleen, die schattigenRuheplätze und die, die Atmosphäre mit balsamischen Düften er-füllenden, schönen Blumen- und Strauchänlagen, welche in ge-schmackvoller Weise mit einander abwechseln, sowie der aus krystall-hellein Quellwasscr bestehende, von Schwimmvögeln belebte Teich,machen diese herrlichen Umgebungen zu einer wahrhaft malerischschönen Partie. In ihrem ganzen Umfange zieht sich diese An-lage vom ehmaligen Herrngarten um den Kursaal, längs einesvon Erlen und Weiden beschatteten Baches und zur rechtenSeite von einer schönen Wiese anmuthig begränzt, zu der '/»Stunde entfernten, unmuthig gelegnen und viel besuchten Dicten -mühle (mit beschatteten Lauben und schönem Saale nebst Neben-zimmern) und von da nach dem, in gleicher Entfernung, ineinem, von steilen Anhöhen umgebenen, Grunde liegendenDörfchen Sonnenberg, über welchem sich auf einem ver-witterten Talkschieferfelsen die mit freundlichen Anlagen umge-benen Ruinen des alten Schloßes Sonnenberg, mit herrlicherAussicht, in die Nähe und Ferne, kühn erheben.

Das herzogliche Palais, gemeinhin Schlößchen ge-nannt, an der Ecke der Wilhelms- und Friedrichsstraße, gleich-falls von Zais nach einem schönen neuen Style erbaut. Imuntern Theile des Gebäudes befinden sich (seit 1821) die Säleder öffentlichen Bibliothek, und in dem mittleren Stock sind die(meist vaterländischen) Alterthümer, die Gegenstände der Kunstund die naturhistorischen Sammlungen aufgestellt; der obere Stockhingegen ist für die herzogt. Nechnungskammcr eingerichtet. Dieöffentliche Bibliothek, welche einen großen Reichthum an altenHandschriften, Jncunabeln und der wichtigsten Literatur neuererZeit (im Ganzen 40,000 Bände) besitzt, hat auch noch ein be-sonderes Lesezimmer, in welchem man zu bestimmten Tageszeitendie meisten besseren Literaturblätter und die vorzüglichsten Zeit-schriften zur Einsicht vorfindet. Das Museum für Alterthümerenthält herrliche Sammlungen von griechischen und römischenMünzen aus Gold, Silber, Groß-, Mittel- und Kleincrz, Tod-tenurnen und Gefäße ans dem häuslichen Leben der Römer,Gläser, hetrurische Vasen, Bronzen, antike Pretiosen, geschnitteneSteine, Büsten, Basreliefs und Statuen in Marmor, Lapivar-

schriften und größere Stcindcnkmälcr, unter denen der zu Hcd-dernheim (dem ehemaligen (äslrum Haäriani) aufgefundeneAltarstein eines Mithrastempcls besonders merkwürdig ist. Auchdas naturhistorische Museum besitzt, ungeachtet seines kurzen Be-stehens, bereits viele interessante Gegenstände, insbcsondcrs einesehr schöne und höchst umfassende Sammlung von Schmetterlin-gen. Beiden Museen reiht sich eine Kunstsammlung an, welcheeine zwar nicht sehr große, aber doch meist von ausgezeich-neten Künstlern: Domenichcno, Pictro di Cortona, Francesco,Albani, Holbcin, Albrecht Dürer, Poussinr herrührende An-zahl von Originalgcmäldcn, sowie von Kupferstichen und Steindrucken enthält.

Das neue herzogliche Schloß, am Marktplatz, nachden Entwürfen Möllers in Darmstadt unter der speciellen Lei-tung des Hofbaumeisters Görz von 1837 1830 in schönemStyle ausgeführt.

Das Theater auf dem Wilhelmsplatzc, nach dem Planedes Aachener Stadttheaters 1826 von Banmcister Wolf auf-geführt.

Die neu gebaute Artillerie- und Jnfanterie-Ca-scrne, letztere mit einer von Bildhauer Scholl in Darmstadttrefflich in Stein ausgeführte Trophäen auf der Attike desMittelbaues.

Das Nathhaus am Markt, durch Größe und Höhe her-vorragend, wurde im Jahre 1600 in Straßburg gezimmert undnach dem damaligen Geschmacke mit mancherlei Verzierungenaufgeführt.

Die auf der Stelle einer älteren, 1488 erbaute Stadt-kirche, mit einem Basrelief aus carrarischem Marmor vonScholl und zwei interessanten Grabsteinen aus dem ehemaligenKloster Clärenthal, wovon der älteste ohne Jahreszahl nochUmschrift eine weibliche Figur mit einer Krone auf dem Haupte nach der Sage, Jmagina, Gemahlin Kaiser Adolphs vonNassau, der zweite die geharnischte Gestalt Philipp I., Gra-fen von Nassau-Weilburg (f 1420 in Wiesbaden), vorstellt.

Das neue Miuisterial-Palaiv von 1838; die Münzeund das Pädagogium, jene von Baumeister Wolff, diesesvon Baumeister Fabcr ausgeführt.

Badehäuser zählt Wiesbaden gegenwärtig 27; zu denenerster Klasse gehören die vier Jahreszeiten, der Adler, die Rose,der Schützenhof, der Englische Hof und das Nömerbad, welchensich indeß noch mehrere andere an Größe und Eleganz an-reihen, während die übrige Zahl die kleineren Badchäuser insich schließt, die indessen fast alle die nöthigen Bequemlichkeitendarbieten. Für arme Kranke ist das HoSpital und für dieärmere Volksklasse überhaupt das sog. Gemeinbad bestimmt.