binden die in den neu angelegten Straßen Beides mit einer ge-fälligen Gleichförmigkeit und Regelmäßigkeit.
Oeffentliche Plätze sind in der Stadt nur drei: dergroßartig schöne Wilhelmsplatz, der von dem Kursaal, demNassauer Hof, den vier Jahreszeiten und der Wilhelmsstraßeumgeben und begränzt wird; der Marktplatz, welcher miteiner vierfachen Reihe Linden besetzt ist und zum Gemüsemarktbenutzt wird; und der am Ende der Stadt gelegne sog. Kranz,ein längliches freundliches Viereck, welches mit Akazienbäumenund Barrieren eingefaßt und mit Ruhebänken versehen ist; denmeisten Badehäuscrn und der Hauptquelle, dem Kochbrunnen,nahe, ist letzterer vorzüglich den aus dieser Quelle Trinkendenzu Spaziergängen bequem gelegen.
Von öffentlichen Gebäuden sind besonders folgendebemerkenswerth:
Der dicht am Ende der Stadt gelegene, großartigeKursaal, welcher mit seinen Umgebungen während derSaison als der Mittelpunkt für das gesellige Leben der sichhier aushaltenden Fremden zu betrachten ist. Alleen vonLinden und Platanen, welche mit den Anlagen des Kochbrun-nenö und der Wilhelmsstraße in Verbindung stehen, führen,zwischen sich eine Wiesenpläne umschließend, von beiden Seitenzu der Hauptfronte dieses, von dem Bauinspektor Zais, in denJahren 1808 — 1810 im schönsten italienischen Style aufge-führten Prachtgebäudes, dessen 220 Fuß lange Vorhalle mit21 kleinen dorischen und 6 größeren Mischen Säulen prangt-Auf den letzteren ruht der 00 Schuh breite, aus der Mitte derFronte hervorspringende Portikus, dessen Hauptgesimse die ausgoldenen Buchstaben bestehende Aufschrift: 1O5TIIZ08 51.11-11X038 5100MX trägt; die ersteren zieren die beidenFlügclgebäude des Kursaals, welche mit zwei Pavillons enden,wovon der rechte zum Lesekabinct und der linke zum Kaffee-und Billardzimmer eingerichtet ist. Die dazwischen liegendenRäume aber enthalten außer vielen Kaufläden noch ein Zim-mer für den Kommissär, eine Weinstube und, auf jeder Seiteder Hauptflügclthüre, ein kleines Eingangszimmer für den gro-ßen Saal, dessen jetzt immer verschloßener Haupteingang sichunter dem Portikus befindet. Dieser 130 Fuß lange, 00 Fußbreite und 50 Fuß hohe herrliche Tanzsaal bildet nicht nurdie Mitte, sondern auch den schönsten Schmuck und die wahreZierde des ganzen großartigen Gebäudes. 32 korinthische Säu-len von inländischem schwarzgrauem Marmor wagen die mitden schönsten Stuccaturarbeiten gezierten, reich vergoldeten Galle-ricn und die aus mehreren geschmackvoll eingerichteten Zimmernbestehende herzogt. Loge, welche sich über dem Haupteingangebefindet. Die geglätteten mit vergoldeten Adern durchzogenenSeitenwändc sind von zahlreichen Nischen durchbrochen, welche
wohlgelungene Büsten und Bildsäulen verschiedener Heroen undGottheiten der alten Welt aus weißem italienischen Marmornach Antiken enthalten. Besonders bemerkenswerth darunter isteine Nachbildung des Apollo von Belvedere, von dem Bild-hauer Ghinard zu Rom. Obgleich im verjüngten Maßstabe, lie-fert diese Copie dennoch ein vollkommenes Abbild von dem Geiste,der Größe und Kühnheit des Originals. Die übrigen Bildwerkesind von Franzoni zu Carrara. Die herrlichen Verzierungen undreichen Vergoldungen der Deckengemälde, Brüstungen und Gesimse,sowie der mit großem Kostenaufwande erst neu eingelegte Fuß-boden und die hierbei im feinsten Geschmacke gewählte Möbli-rung vollendet das Ganze zu einer solchen Prachthalle, daß wohlschwerlich ein andrer Kurort Deutschlands etwas Aehnlichcs auf-zuweisen haben möchte.
„Pästums Hallen voll Pracht, von Marmorsäulen gestützct,
Bajä's Netze sind hier wonnebcrauschend vereint,
Freundliches Denkmal! dich umschwebe Nassovia's Schutzgcist
Immer mit neuer Huld, und der Besuchenden Lust."
Am Tage erhält dieser Saal durch die großen Fenster undFensterthüren der Hinteren Giebelwand seine Beleuchtung, wäh-rend am Abende sieben prachtvolle, großartige Lüster und vielean den Seiten angebrachte Lampen das schönste Licht auf diesePrachthalle herabstrahlen. Zur rechten Seite dieses Saales be-finden sich einige mit denselben in Verbindung stehende kleinereSäle und Gesellschaftszimmer, welche siir Spiel und geselligeUnterhaltung bestimmt und nach dem feinsten pariser Geschmackund mit dem größten Kostenaufwande im Jahr 1835 neu decorirtund möblirt worden sind. Mit der linken Seite des großen Saalsstehen die elegant eingerichteten Speisesalons in Verbindung, anwelche sich sodann die Wohn- und Oekonomiegebäude des Re-staurateurs anschließen, von denen noch ein Theil an den linkenPavillon angebaut ist. Die Hintere Flügelthüre des großenSaals führt auf einen geräumigen, der Erholung bestimmten, mitStühlen und Tischen versehenen, freien Vorplatz, der mit denreizendsten Anlagen umgeben ist, und nach aufgehobener Tafelzahlreich besetzt wird. Während der Kurzeit ist täglich großeWirthstafel, oft von mehr als 300 Personen, in dem Kursaal,jeden Mittwoch Abend nach dem Theater findet ein glänzenderBall in demselben statt und zuweilen werden auch größere Con-certe von durchreisenden Virtuosen darin aufgeführt. Der schönefreie Vorgrund auf der vorderen Seite des Kursaals wirdauf den Seiten von zwei Kolonnaden begränzt, welchein klassischem Style eingerichtet und ausgcfübrt sind und zwei500 Schritte lange, mit ihrer Vorderseite auf 10 kolossalendorischen Säulen ruhende Hallen bilden, deren Enden mitansehnlichen Pavillons schließen. Eine jede derselben enthält außer den beiden Pavillons 40 Kaufläden, welche