TM l e s li a d e »r.
Au warmer Strom des Lebens,
Der sich vom Mutterherzen der Natur
Mit ewig kräst'gem Pulse
Auf unbclauschtcr, tief verborgner Spur
In tausend Adern scgenreich ergießt;
Du Labequell der Siechen,
Hygieas mächt'ger Born, sei mir gegrüßt!
Hier an des Taunus Fuße,
Vorm rauhen Hauch des Boreas geschützt,
Wo in des Rheines Welle
Der goldne Strahl der Mittagssonne blitzt,
Hat die Natur ihr Füllhorn ausgestreut
Und mit der Schöpfung Schätzen
Der Schöpfung Herrn, den Menschen, hoch erfreut.
O! kommt, sie zu genießen,
Die segenreichen Gaben der Natur!
O! kommt zu ihrer Quelle
Und folget freuderfüllt der Mutter Spur,
Die Euch zur Wonne und Gesundheit führt;
Natur reicht ihren Segen,
Empfanget ihn und danket ihr gerührt!
B e s ch r
Wiesbaden, die Haupt- und Residenzstadt des HerzogchumsNassau, mit etwa 12000 Einwohnern, liegt am südöstlichen Ab-hänge des Taunus in einem sehr schönen und fruchtbaren Thale,welches gegen Norden und Nordosteu diese natürliche Schutzwandmit ihrer bedeutendsten Höhe gegen rauhe Winde schirmt undim Süden lind Westen mit angenehmen Hügeln und kleinerenAnhöhen romantisch umgiebt. Dieses anmuthige, nur den mil-deren Lüften zugängige Thal wird durch blühende Fluren undgrünende Wiesen, durch rebenvolle Hügel und schattige Alleen,sowie durch wohl unterhaltene Kunststraßen und ganz neuerdingsauch durch die Eisenbahn mannigfach und freundlich belebt.
Die Lage der Stadt selbst ist im Ganzen eben, einigekleinere Straßen jedoch ziehen an leichten Anhöhen hinaus.Während man daher in den tiefer liegenden Straßen der Stadtnur sehr beschränkte Aussicht in die Ferne hat, wird diese destoreizender und schöner, wenn man diese höher gelegenen Straßenoder die sie zunächst umgebenden Anhöhen besteigt. Man erblickt
e i b n n g.
dann nach Osten und Norden die waldigen Höhen des Tau-nus und nach Süden und Westen das fruchtbarste Ackerland,üppige Wiesen, Obstwälder:c., zwischen denen sich in weiterEntfernung der Main und Rhein hindurchwinden, an dessenletzterem Ufer jenseits das alte, ehrwürdige Mainz mit seinenstattlichen Thürmen hervorragt, während diesseits das Augedes Beschauers von dem paradiesisch schönen Nheingau ge-fesselt wird.
Die Bauart der, jetzt nach allen Seiten offenen, Stadtist, nachdem sie in den letzten Decennien sehr bedeutend nachjeder Richtung vergrößert und im Innern verschönert worden,ziemlich regelmäßig und angenehm; die meisten Straßen sindgerade, breit und helle, einige davon recht schön, nur wenigeder ältesten machen eine Ausnahme, keine aber ist dunkel unddumpfig. Eigentliche Prachtgebäude besitzt Wiesbaden zwar nurwenige, dagegen haben die meist zweistöckigen Häuser ei» ge-fälliges Aeußere und sind im Innern bequem; besonders ver-