VORWORT.
Die Zeit, in welcher die berechtigten Hilfswissenschaftender Geschichte: Genealogie und Heraldik, verächtlich über dieAchsel angesehen wurden, ist vorüber, und in allen Kreisen,sowohl den zunächst betheiligten, wie auch in künstlerischenund kunstgewerblichen, regt sich ein frischer Geist, nachdemdie Einsicht, dass in der früheren unkünstlerischen und un-kritischen Periode viel gesündigt worden ist, sich Gottlobdurchweg Bahn gebrochen.
So scheint es denn auch angemessen, dies Unternehmen,zu welchem durch den Herausgeber seit langen Jahren amt-liches wie anderes reichhaltigstes Material gesammelt wurde,mit einem »Glückauf« in die Welt zu senden.
In welch' unglaublicher, den Forscher völlig in Verlegen-heit setzender Mannigfaltigkeit heutzutage von Mitgliederneines und desselben Geschlechts das Wappen geführt wird,wie die offenkundigsten heraldischen Fehler, die willkürlich-sten Abweichungen von den doch einmal im Diplom festge-setzten Bestimmungen, die seltsamsten Spielereien und Bei-werke alte schöne Wappen entstellen, weiss wohl ein jederkritischer Heraldiker.
Allerdings ist die Erkenntniss der Mängel nicht so all-gemein, wie sie es sein sollte; es fehlt eben an einem Werke,welches auch die jüngeren Linien, die jüngeren Mitgliedereines Geschlechtes in den Stand setzt, jederzeit ihr Wappenheraldisch und diplomatisch richtig, dabei künstlerisch ausgeführtvor Augen zu haben, da das Originaldiplom, welches die Ur-quelle sein sollte, meist im Familienarchive niedergelegt unddaher selten zugänglich oder erreichbar ist.