Druckschrift 
[Hauptbd.] (1824)
Entstehung
Seite
303
Einzelbild herunterladen
 

303

man sie aufgeben mufste. Während des Sommers treibt nämlich der vor-herrschende Nordwestwind (die Etesien) das Wasser des Meeres auf diesenTheil der ägyptischen Küste und hält es dort auf, während bereits an ande-ren Stellen immer zunehmende Binnenseen entstanden sind. Die Wirkungdieser anhaltenden Nordwinde bemerkt man in der Gegend von Damiettean den Bäumen, die gegen Süden hingebogen und an der Nordseite vonZweigen entblöfst und wie zusammengedrückt sind.

Das Klima ist hier deshalb viel geinäfsigter als weiter landeinwärts, unddie Luft wegen der Nähe des Meeres und des Sees Menzaleh feuchter alsim übrigen Aegypten. Beide Lotusarten, die weifse und die blaue (Nym-phaea Lotus und Caerulea), sind hier sehr häufig, wovon die letztere sichdurch ihren Wohlgeruch auszeichnet. Das Papyrusschilf, eine dreiseitigeBinse, hat in ganz Aegypten blos bei Damiette sich erhalten. Hier wirdauch die Kolokasia gebaut, ein Kraut mit kartoffelartigen Wurzelknollen,welche die Einwohner sehr gern geniefsen.

Der Menzaleh-See, den ich besuchte, soll seinen Ursprung einer mili-tärischen Maafsregel der Kalifen zur Sicherung des Landes gegen feindlicheEinfalle aus Syrien verdanken; wie zu unserer Zeit die Engländer bei derBelagerung Alexandriens den See Mareotis durch Iiineinleitung des Meeresvergröfserten, w r odurch an 150 Ortschaften ihren Untergang fanden. Alleines ist mehr als wahrscheinlich, dafs der Menzaleh, wenn auch nicht seinenUrsprung, doch seine jetzige Ausdehnung von dem natürlichen Andrang desMeeres erhielt, von dem er nur durch eine schmale Landzunge geschiedenwird. Seine Länge beträgt von Westen nach Osten an 11 Stunden, jedochist er sehr flach, und sein Wasser blos bei hohem Nilstande süfs. Selbstdie Brunnen in der Nähe des Sees geben salziges Wasser. Er ist aufseror-dentlich l-eich an Fischen, so dafs, ungeachtet ihrer Wohlfeilheit, der dritteTheil des Ertrags, welchen der Pascha erhielt, 400,000 Piaster betrug (an50,000 Thaler).

Auf den Inseln und Ufern des Sees hausen unzählige Wasservögel, vonsechzehn verschiedenen Arten wie es heifst, besonders Pelikane, Flamingos