königl. Gemäldegallerie aufgestellt, unstreitig eine der vorzüglichsten Zierdenund Merkwürdigkeiten Augsburgs. Von Rubens befindet sich hier das Por-trait seiner Mutter; eine allegorische Darstellung des Sieges der Tugendüber das Laster und eine Anbetung der Hirten. Von Titians Meisterpinselsind: Venus und Amor; die Gemahlin Karls V., Jsabella von Portugal;eine Magdalena; die Vermählung der heiligen Katharina, und sein eignes,von ihm selbst gemaltes Abbild. Die Bewunderung der Kunstfreunde verdie-nen das schöne große und kräftige Gemälde, die verklärte Maria mit desMalers Jasper Crayers von Antwerpen Portrait im Vordergrunde, sowieMarias Himmelfahrt von Karl Cignani; serner fünf Gemälde von Schlach-ten, welche unter der Regierung Karls V. verfertigt wurden; dann eineMartha und Maria von Tintoretto; eine bereuende Magdalena von Leonar-do da Vinzi; eine Beschneidung Ckristi von Rembrand; die Verspottung desleidenden Erlösers von Gottfried Schalk; eine andächtige Maria und eineMadonna mit dem heiligen Kinde, beide von Albrecht Dürer, ersteres im Jahr140!, letzteres im Jahr !5lk gemalt; dann ein Christus am Kreuz vonDürers Schüler, Georg Benz. Herrlich ausgeführt sind auch die Thier-kämpfe von Franz Snyders, und merkwürdig zwei ganz ähnliche Naturge-genstände, nämlich zwei Wölfe, von welchen jeder ein Lamm zerfleischt. Joh.Paul Roßenhofer rang in dem einen dieser Gemälde um den Preis mit demMaler Paudiz, und da dem ersteren der Vorzug zuerkannt wurde, so artetedas beleidigte Ehrgefühl des Letzteren in Wahnsinn aus. Außer diesen sindnoch Werke, welche aus Paul Veroneses, van Dyk, Rik, Poußins, HansHolbein des ältern, Meisterhand hervorgiengen, und werthvolle Bilder vonandern zum Theil unbekannten Malern. Ebenso befinden sich viele schöneGemälde hier, welche aus den aufgehobenen Klöstern und Klosterkirchen hie-
her versetzt wurden. Aus der ehemaligen Dominikanerkirche prangt hier dasschöne Altarblatt von Lanfranko, die Himmelfahrt Marias, sowie SebastiansMärtyrertod von Holbei» dem jüngern gemalt. Aus der St. Salvatorskir-che kam Christus am Kreuz zwischen den beiden Uebelthätern und die heiligeUrsula hierher, beide von Burgmair, ersteres !5l0, letzteres 1504 gemalt.Die nun geschlossene Catharina-Klosterkirche lieferte für diese Gallerie Dar-stellungen aus dem Leben des heiligen Apostels Paulus, seine Enthauptungund seine Beerdigung von Holbein dem jüngern. Endlich befinden sich auchwerthvolle Gemälde von neueren Künstlern, als von: Wagenbauer, Quaglio,Koch, Wagner, Aimmermann ?c. hier. Ein großes Lokal unter dem Dache ent-hält als Modellkammer viele künstliche und sehenswerthe Modelle, unter wel-chen das bereits erwähnte des bei Erhöhung des Perlachthurms angebrachten Ge-lüstes sowie das des alten Rathhauses besonders merkwürdig sind. Zwölf Trep-pen mit 220 Stufen führen zur höchsten Höhe des Ratbhausgebäudes. VerdientElias Holl wegen des Plans und der Ausführung dieses merkwürdigen GebäudesEhre und Ruhm, so sind die Namen der übrigen Gehilfen, welche bei die-sem Bau ihre Meisterschaft bewährt haben, gleichfalls würdig, der Vergessen-heit entrissen zu werden. Als Zimmermeister arbeite hier Hans Müller.Die Schreinerarbeit besorgte Lorenz Bair und Bonacker, die BildhauereiChristoph Murman. Der städtische Stück- und Glockengießer Wolfgang Neid-hard goß die metallenen Brustbilder, Wandleuchter, Schilde zc. und Wilh.Vogt von Landsberg lieferte die künstlichen Oefen in den untern Gewölben,von welchen durch eine in der ehemaligen Raths- und Stadtgerichtsstube an-gebrachten, mit einem Bronzegitter verkleideten Lcffnung die Wärme auf-wärts steigt. Alle schien nur ein Geist, nämlich der, etwas Vollendetes undAusgezeichnetes zu leisten, beseelt zu haben.
(Fortsetzung folgt.)