Druckschrift 
1 (1837)
Entstehung
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Tempel, und mehrere Epitaphien und Dcnktafeln übertreffen den Werthder Altargemälde.

Der etwa 5vo Schritte große viereckige Raum, auf dessen einer Seitedie Kirche und in geringer Entfernung davon die Hauptwache steht, ist derHauptmarktplats der Stadt, ziemlich in deren Mittelpunkt gelegenund von großen schönen Häusern umgeben, deren Zusammenhang durch 7auf diesen Platz führende Gassen unterbrochen ist. In der Mitte des schö-nen Platzes steht ein Springbrunnen mit einem hohen Obelisk, in dessenPostament nach einer Originalzeichnung des aus Würzburg gebürtigen be-rühmten Malers, Professors Wagner in Rom, auf zwei Seiten weibliche,allerlei Nahrungsprodukte tragende Figuren in antikem Geschmack eingchauensind. Stets sitzen auf diesem Platze eine Menge Stadt- und Landleutemit Obst zu Markt; ganz besondere Lebhaftigkeit aber erfüllt ihn in derRegel Mittwochs und Samstags des Morgens, sowie an den Vorabenden dieserTage, wo die sogenannten Wochenmärktc gehalten, und die stets in reichenVorräthen aus der Nachbarschaft ankommenden Küchenwaaren der mannig-saltigsten Art, wie sie die fruchtbare Gegend nur liesern kann, in bestimmtenReihen und Abtheilungen zum Verkaufe ausgestellt werden. Auch die städtischenGewerbsleute benutzen diese Märkte, um der zuströmenden Menge die ver-schiedensten Hausbedürfnisse in beweglichen Buden und Ständen anzubieten;und vorzüglich rege Kauflust zeigt sich in den der Liebfrauenkapelle ange-bauten kleinen Kramläden mit gothischen Glasthüren, die unwillkürlich andas ähnliche Marktgewühl am Straßburger Münster und an der St.Stephanskirche in Wien erinnern. Oft recht lustig anzusehen ist auch bei hei-teren Sommernächten der Bivouak von Landleuten, die mit ihren Wagen,Karren und Körben auf diesem Platze unter Gottes freiem Himmel ruhen,oftmals Gesänge anstimmen und freudig der Morgenstunde entgegenharren,in der sie ihre Produkte verkaufen.

Kro. 4 ist die von der Mainbrücke her sich darstellende, durch eine ausder Kathedrale kommende Prozession und mit festtäglich gekleideten Perso-nen belebte Dom strasse, welche unter den wenigen, durch Breite, Längeund eine lichte, gradlinige Häuserreihe einigermaßen ansehnlichen StraßenWürzburgs unstreitig den Vorzug hat. Sie erstreckt sich in einer ziemli-chen Ausdehnung von der Brücke aufwärts bis zu dem in hohen grauenMassen sich erhebenden Dom, der auf eine höchst originelle Weise denSchluß dieser Straße macht, so daß alle einigermaßen schwere Wagen rechtsund links durch schmale Seitengassen abfahren müssen, und nur für Chai-sen, Reiter und Fußgänger links des Doms durch einen Bogen eine Durch-fahrt bleibt. Es ist diese Hemmung ein um so größerer Mangel in derBauanlage der Stadt, als hier gerade durch ihre Mitte vom Rennwegthoreher die Hauptstraße über die Mitte zum Zellerthore hinzieht. Da in dieDomstraße hinein 11 Seitengassen auslaufen, und unten aus dem großenfreien Platze vor dem Rathhause, vom frühen Morgen bis spät in die Nacht,eine große bunte Menge von Kutschern, Bedienten, Schiebkärnern, Tag-löhnern, Schacherjuden, Gaffern -c. herumtreibt, weßhalb dieser Platzden alten Namen Jaufertsmarkt führt; so ist hier natürlich das regesteLeben in der ganzen Stadt. Dazu kömmt noch das unaufhörliche Hin- undHergehen der Wasserholcnden am großen, mit der Frankonia, Sinnbildern,

Wappen und Inschriften verzierten sogenannten Bierröhrenbrunnen, dasWogen und Drängen der Spaziergänger, Reiter und Fuhrwerke, die ganzeziemlich lange und breite Straße entlang, welche in Verbindung mit derunmittelbar darauf stoßenden Mainbrücke eine der beliebtesten und unter-haltendsten Promenaden Würzburgs bildet. Die Häuserreihen rechts undlinks sind fast zumeist älterer, mitunter aber auch neuerer schöner Bauart,reinlich aufgeputzt, und enthalten ohne Ausnahme schöne Kaufläden undKaffeehäuser. Gleich links unten beim Ausgange der Brücke steht das alt-ehrwürdige Nathhaus mit seinem hohen Thurme,zum Grafen-Eckard-genannt, in spießbürgerlicher Einfachheit. Zeugen mehrerer Jahrhunderte,haben beide der Zeiten und Menschen Wechsel überlebt, und stehen nochjetzt heldenmüthig fest, während die meisten gleichzeitigen Gebäude derStadt bereits eine mehrmalige Wiedererbauung erlebten. Im Jahr 1310,erzählt die Chronik, erkauften die Bürgermeister Arnold von Sand undEckard von Större, im Namen der Stadt den Hof, Grafen-Eckard genannt,nebst zwei dabei liegenden Häusern und den Hof zum Scharb. DerThurm zum Kraken-Erhard ward erst 1453 erbaut und bald nach-her mit einer Glocke und Uhr (der ersten Thurmuhr in Würzburg) verse-hen. Er ist von einem Thürmer bewohnt, der durch Hammcrschläge andie Glocke bei Tag und Nacht die Stunden anzeigen und auf Feuer undandere Gefahr Acht haben muß. Noch heutzutage führt er den Namenzum Grafen-Eckard-, der vordere alte Bau des Rathhauses aber den Namenzum grünen Baum-, der an dessen Gemäuer nur noch wenig sichtbar ab-gemahlt ist, und vermuthlich die einst an diesem Platz gestandene Linde,unter der sich die Bürger versammelten, im Andenken erhalten soll. Rück-wärts der Vorderseite hat das Rathhaus oder Magistratsgebäude durchden Ankauf des aufgelösten Karmelitenklosters eine bedeutende Erweiterungund Verschönerung gewonnen. Gehen wir nun auf der linken Seite dieDomstraße hinaus, so bieten die vielen unregelmäßig und fast sämmtlichvon Holz gebauten mehrstöckigen schmalen Wohnhäuser kein besonderesInteresse dar. Selbst das letzte unmittelbar an den Dom stoßendebereis- und Stadtgcrichtsgebäude (einst die bischöfliche Kanzlei)enthält weiter nichts Merkwürdiges, als etwa den hoch über die benach-barten Häuser emporragenden Trcppengiebel und einen durch das Erdgeschoßauf den Kürschnershof führenden, mit einigen Läden versehenen, Bogen-Durchgang, welcher seine seltsame Benennungdie Gräben oder Graden-wahrscheinlich den Staffeln (xrackus) verdankt, die ehemals zu den vielleichtvon den ältesten Zeiten her bis in das 18. Jahrhundert in größerer Anzahlhier befindlich gewesenen öffentlichen Läden führten. Eine frühere unver-gleichliche Zierde, welche i» einem links neben diesem Bogen-Durchgangerbauten, zwei Stockwerke hohen gothischen Erker mit einem spitzigen hohenSchieferdache und spitzigen Fundamente bestand, büßte jenes Gebäude erstvor wenigen Jahren ein, und damit ging das zweite jener sogenannten bei-den Wahrzeichen der Stadt, das nämlich:Würzburg hat einen Thurm,der auf der Spitze steht-, zu Grunde.

An merk. Vorstehende Beschreibung verdankt Herrn Legationsrath vr.Scharold in Würzburg viele wesentliche Beiträge, wofür wir dem-selben hiermit verbindlichst danken.