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Gothische Holz-Architektur
Entstehung
Seite
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lösen. Es wird freilich in den meisten Fällen sehr wenig Bedachthierauf genommen, sondern man läfst es eben, wie es kommt, undbedenkt dabei nicht, dafs man ohne die mindeste Erhöhung derKosten und lediglich durch einige Aufmerksamkeit in der Ausführungeiner solchen Arbeit den Stempel einer Tüchtigkeit aufdrücken kann,welche ihr bei der gewöhnlichen Art durchaus abgeht. Hier sindnun die Podestbretter, wie Fig. 2 zeigt, auf die Podestbalken, dienach unten gekehlt sind, aufgenagelt und nach unten mit Deckleistenversehen. Ein fernerer Uebelstand, der bei neuen Treppen oft rechtunangenehm in die Augen springt, liegt darin, dafs man in den Eckenzwischen zwei Läufen, wo also durch die nahe an einander liegendenzwei Steigungen bei geringem Auftritt die Richtung der Wange vonder, welche sie im übrigen Lauf hat, abweicht, die Wange sowohlals den Handlauf herumlaufen läfst, was also nur durch zwischen-gesetzte Spindeln, welche begreiflich allem Lauf der Adern zuwiderbearbeitet werden müssen, möglich wird. Entweder läfst man danndiese Spindeln durch die Geländerhöhe durchlaufen und oben dasHirnholz derselben zum Handlauf ausgekehlt werden, oder es liegendiese Spindeln nur in der Höhe der Wangen, während im Handlaufwieder ein ähnliches Stück zwischengesetzt wird. Dafs dabei dieWangen in den Ecken zierlich nach einem Halbkreis gebildet werdenmüssen, versteht sich von selbst, obgleich man von dieser Zierlich-keit in der Wirklichkeit gar nichts, sondern nur in dem gezeichnetenGrundrifs etwas wahrnimmt. Weit einfacher ist nun die hier ge-zeigte Anordnung, welche im Wesentlichen einer, wohl im 16. Jahr-hundert in einem Hause in Hamburg ausgeführten Treppe entnommenist. Allerdings ist dieselbe dort im Styl der Renaissance ausgeführt,aber die Tüchtigkeit der Renaissance beruht ja grofsentheils auf denaus dem Mittelalter überkommenen Konstruktionsweisen, und könnendaher Bauten aus dieser Zeit, wo ältere fehlen, manchen Fingerzeigabgeben. Die Anordnung ist also die, dafs Wangen wie Geländerohne Verbindung stehen, dafs also die Wangen in die Podeste undresp. Austrittsbalken eingesetzt sind, während die Geländer, welcheam Anfang und Ende eines jeden Laufes mit einem stärkern ausge-kehlten Bohlenstücke schliefsen, nur in die Wangen verzapft sind.Fig. 2 zeigt den Durchschnitt der Treppe durch die Mitte des unternLaufes. Fig. 3 den Durchschnitt durch den Austritt, also die An-sicht der Treppe von vorn. Fig. 4 giebt die Verbindung von Tritt-stufen mit Setzstufen. Fig. 5 den Grundrifs der Bohlenstücke, mitwelchen das Geländer schliefst. Fig. 6 den Aufrifs dazu. Statt,wie gewöhnlich geschieht, den gekehlten Handlauf ohne Weiteres aneine Fläche des Antrittsmäklers anlaufen zu lassen, ist hier dieKehlung desselben an diesen Bohlenstücken angestochen, so dafsalso da, wo der Handlauf daran stöfst, sich eine die Richtung des-selben lothrecht durchschneidende Fuge ergiebt. Fig. 7 zeigt dieKehlung des Handlaufs. Besser erscheint die in folgenden Blätternvorkommende Anordnung, wonach nicht der ganze Querschnitt desauf den Geländersäulchen ruhenden Holzes, sondern nur eine Kantedesselben zur Bildung des Handlaufes benutzt wurde. Freilich bedarfman etwas stärkern Holzes dazu, aber die gewöhnlichen hin- und her-fahrenden Geländer an Treppen erweisen zur Genüge, dafs mandessen, um wirklich gut zu bauen, ohnedem bedürfen würde. Indefswäre durch eine gröfsere Stärke des Handlaufs noch nicht die Noth-wendigkeit herbeigeführt, auch alle übrigen Theile der Treppe ingleichem Mafse zu verstärken, denn es könnte letzterer gar wohlbreiter sein als die Geländersäulchen und in die Bohlenstücke miteiner Gabel hineinlaufen, welche Anordnung auch auf eigenthümlicheGestaltung derselben an diesem Orte führen müfste. Fig. 8 zeigtden Grundrifs der Geländersäulchen. Fig. 9 die Ansicht derselben,wobei die Höhe nicht ausgeführt ist. Fig. 10 den Querschnitt derWange. Auch hier ist darauf zu merken, dafs das an einer Wangegekehlte Profil nicht durchgestofsen sei, sondern dafs die Wangeüberall, wo sie an andere Konstruktionstheile anstöfst, wieder in'sViereck übergehe, was hier auf die in Fig. 11 gezeigte Weise, dieauch aus der Fig. 2 und 3 ersichtlich, geschehen ist. Fig. 12. Grund-rifs einer andern Treppe mit 2 Podesten. Die Konstruktion unter-scheidet sich darin von der vorigen, dafs die Podeste gleich durchdie Treppenkonstruktion gebildet werden. Uebrigens wird die Zeich-nung jede nähere Beschreibung entbehrlich machen. Fig. 13 zeigtdie Ansicht der Treppe. Fig. 14 den Durchschnitt durch einenPodest und den von da hinabführenden Lauf mit der Ansicht des an-steigenden. Fig. 15 giebt den Durchschnitt durch einen Podest undden von da aus steigenden Lauf, beide Figuren mit der Ansicht nachder innern Wange. Fig. 16 zeigt denselben Durchschnitt wie Fig. 15,mit der Ansicht nach der äufsern Wange. Fig. 17 denselben Durch-schnitt wie Fig. 14, mit der Ansicht nach der äufsern Wange.Fig. 18 den Durchschnitt durch den Austritt der Treppe und den vonda aus hinabführenden Lauf. Fig. 19 den Durchschnitt durch denAustritt der Treppe und den von da aus hinanführenden Lauf.Fig. 20 die Ansicht des Austrittes, wobei die daran stofsenden Wangenhinweg gedacht, also die Zapfenlöcher, in welchen sie stehen, zusehen sind. Fig. 21 den Durchschnitt durch den Antritt der Treppe.Wir müssen nun noch über die Konstruktion der Treppe in denEcken, wo die Wangen zusammenlaufen, einige Erklärung geben.

Sowie bei den jetzt üblichen Treppen in diesen Ecken rund ge-hobelte Spindeln sitzen, so sind hier förmliche Ecksäulen angeordnet,welche gewissermafsen den Hängesäulen und einem Hängewerkanalog sind und deren Funktion in der Form derselben auszusprechendie Absicht war. Es besteht also jede im Grundrifs aus einemmittlem Quadrat, an welches sich drei halbe Quadrate anlegen,welche also den Grundrifs abgeben für die im Aufrifs sichtbarenTheile, in welche die Wangen mit einer Versatzung einstehen. In-zwischen könnten dieselben ebensowohl auch angeblattet sein; derTheil, dessen Grundrifs das mittlere Quadrat bildet, läuft aber durch,über den Handlauf hinaus und endet in kleinen Zinnenthürmchen.Man hält manchmal eine solche Unterbrechung des Handlaufs fürnachtheilig und unbequem, aber einestheils kann man selbst beieiner gewöhnlichen Treppe schon wegen der wechselnden Steigungdoch nicht immer mit der Hand am Handlauf hinfahren, anderntheilsaber ist ein so rasches Hinunterlaufen der Treppen, wobei diese Un-bequemlichkeit sich geltend machen könnte, doch nur in Gasthöfenfür Kellner erforderlich. Zu einer Bildung, wie die hier gezeigte,braucht man freilich auch einige Fufs Holz mehr, indefs kann dieserAufwand gegen den Gewinn an Ansehen doch nicht in Betrachtkommen. Aufserdem wären derlei Thürmchen auch gar wohl ge-eignet, als Leuchter behandelt zu werden, sowie sie überhaupt desreichsten Schmuckes fähig sind. In einer um ein Weniges verein-fachten Gestalt, aber in höhern als hier gezeichneten Stockwerkenhabe ich diese Treppen ausgeführt. Die meisten der hier gezeich-neten Treppen sind wegen Mangels an Raum in niedrigem Stock-höhen gezeichnet, als sie in der Wirklichkeit häufig vorkommen.Fig. 22 zeigt den Grundrifs eines der Eckstücke. Fig. 23 die An-sicht des untern Theils derselben. Fig. 24 die Ansicht des obernTheils, übereck gesehen. Fig. 25 die Ansicht des Theils, an welchender Handlauf stöfst. Fig. 26 den untern Grundrifs des Antritts-mäklers. Fig. 27 den obern Grundrifs desselben. Fig. 28 dieAnsicht des untern Theils und daneben die Ansicht des obern Theils. Fig. 29 die Grundrisse der Geländersäulchen. Fig. 30 die An-sicht des Schaftes derselben. Fig. 31 die Ansicht des Kapitals der-selben. Fig. 32 die Verzierung, welche auf dem vor dem Austrittder Treppe laufenden Wangenstück gestochen ist.

Tafel 45. Eine gröfsere Treppe. Fig. 1. Der Grundrifs dazu.In den 4 Ecken derselben stehen hölzerne Ständer, welche durch dieganze Höhe des Treppenhauses durchlaufen bis unter das oberste Ge-bälk. Die Wangen verstreben sich zwischen diese Ständer. DieStufen sind in die Wangen eingelassen, jedoch nicht wie in denvorigen Figuren auch nach unten bearbeitet, sondern es sind dieLäufe wie die Podeste nach unten mit einer Bretterdecke mit aufge-nagelten Leisten versehen. Das Geländer, welches gleichfalls zwischenden Ständern steht, besteht aus einem hölzernen Rahmwerk. DieFüllungen sind hier als aus Messing geschmiedet angenommen, sodafs sie durchbrochen wären, sie könnten jedoch auch dicht sein undähnliche wie die hier gezeichneten Verzierungen aus Holz geschnittenund aufgelegt werden. Die Fuge zwischen Wange und unteremRahmstück ist durch eine gekehlte Gesimsleiste gedeckt, durch welchekleine Pfosten durchlaufen, von deren Ausführung Fig. 2 zwei Bei-spiele zeigt. Diese Pfosten werden verbunden durch wimpergenartiggeschweifte Gesimsleisten. Unter den von den Eckständern nachder Wand hinlaufenden Wangenstücken, welche die Podestbrettertragen, sind aus Holz geschnittene hängende Bogen angenagelt.Fig. 2 zeigt den Durchschnitt durch den Austritt und die Ansicht derganzen Treppe in ihrer linksseitigen Hälfte, während rechts derDurchschnitt dicht vor dem Austritt genommen ist, so dafs also dieletzte Stufe durchschnitten ist. Es geschah dies, um die Treppe nichtzu verstecken. Fig. 3 zeigt den Durchschnitt durch den Antritts-lauf und den Podest mit der Ansicht nach innen. Eine ähnliche An-ordnung würde sich ergeben haben, wenn man die Ständer nichthätte durchlaufen, sondern nur von einem Podest bis unter den andernreichen lassen. In Fig. 3 sind nun verschiedene Bildungen des Ge-länders angegeben, sowie auch die Wangenbildung von der in Fig. 2gezeichneten abweicht, indem die daran befindliche Verzierung nuraus der Wange selbst ausgestochen ist. Fig. 4 zeigt den Durch-schnitt durch den Austritt der Treppe in der Ansicht der hinab-führenden Wange. Fig. 5 den Durchschnitt durch die Treppe selbstim Austritt. Fig. 6 den Durchschnitt durch den Austritt mit derAnsicht der hinanführenden Wange. Fig. 7 die Ansicht des Aus-tritts. Fig. 8 die Ansicht des ausgeschnittenen Schalbrettes, welchesdaselbst befindlich, in gröfserem Mafsstabe. Fig. 9 die Grundrisseder Eckständer. Fig. 10 das Profil an den auf den 4 Ecken der-selben befindlichen kleinen Säulchen. Fig. 11 zeigt das Profil,durch welches das erste Quadrat des Grundrisses derselben sich nachdem zweiten absetzt. Fig. 12 giebt sämmtliche an der Treppe vor-kommenden Profile, und zwar a das Profil der Wange, welche nachder nach der Unterfläche der Treppe gewandten Seite schmäler ge-kehlt ist, da hier die geschalte Decke zu viel Höhe wegnimmt;b zeigt die Kehlung der in Fig. 2 ersichtlichen wimpergenartigenSchweifung; c den Grundrifs der Pfosten; d die Kehlung des die Fugezwischen Wange und Geländer deckenden Gesimses; e das untere

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