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Gothische Holz-Architektur
Entstehung
Seite
18
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schnitten, welches also bei de unter den Balken hi anlegt und mitdemselben verbolzt sein kann. Dann liegen auf den Pfetten in derHöhe der Balken die in den Balken hi und den Stichbalken kl ver-zapften Hölzer mn und op, die also über dem Stück defg über-schnitten sind. Zwischen diese beiden ist der Wechsel qr eingesetzt,in welchen wieder das auf def g liegende Stück stuvw eingelassenist. Nun werden, wie aus Fig. 6 ersichtlich, die Köpfe der Hölzer mnund op gerade wie die der Balken und Stichbalken durch Kopf-bügen gestützt und so auch das Holz d efg durch eine steiler stehende,wodurch das Zusammentreffen mehrerer auf einer Höhe des Eck-ständers xy z 12 vermieden ist. Zwischen den Balken sind nun dieFiillriegel, die in Fig. 8 und 9 mit a bezeichnet sind, eingesetzt, anwelche die Schalung, welche den Fufsboden warm halten soll, an-stöfst. Fig. 8 zeigt den Durchschnitt nach aa, bb und Fig. 9 dennach cc, dd.

Tafel 42. Erker. Fig. 1. Ein gröfserer vor einer Wand stehen-der. Es unterscheidet sich derselbe von den bisher vorgekommenendadurch, dafs er nicht durch eine Auskragung, sondern durch einenhölzernen Ständer, der frei vor der Wand stände, getragen wird.Es steht dieser Ständer in einem Steinsockel und trägt einen Träger,unter welchem ein durch den Ständer laufender und nach demselbenzu mit Kopfbändern unterstützter Unterzug liegt. Das zweite Stock-werk ist über das erste ausgekragt, während das dritte in der Fluchtdes zweiten liegt. Das Dachfenster aber ist stark ausgekragt.Fig. 2 ist die Ansicht des untern Ständers mit den darauf liegendenHölzern von der Seite. Fig. 3 zeigt den Durchschnitt nach a b,wobei jedoch der Durchschnitt des Unterzugs weggelassen ist.Fig. 4 giebt die Grundrifsbildung des Ständers; das in dessen Aufrifsersichtliche Wappenschild liegt nicht vor, sondern die Konturen des-selben sind breit eingeschnitten und der Grund kann ein wenig aus-gehöhlt sein. Fig. 6 zeigt die Profilirung des Trägers. Fig. 7den Kopf desselben von c bis d im Profil. Fig. 8 das Profil derSchwelle über dem untersten Balken. Fig. 9. die Ansicht der Eck-ständer im ersten Gestock. Fig. 10 den Grundrifs der an denselbensitzenden Knaggen, woselbst ab c d e die Linie der Versatzung, afgdie Grundrifsform des obersten Theiles, womit sie unter den Stich-balken stehen, a h i k l m e den Grundrifs bei e f in Fig. 1 und dieübrigen Kreise die Linien des Kapitals und Sockels andeuten.Fig. 11 giebt den Grundrifs der in eine Spitze auslaufenden schwe-benden Sockel von unten gesehen. Fig. 12 den Durchschnitt durchdas Dachfenster und in den punktirten Linien daselbst den Durch-schnitt durch den Dachbord. Fig. 13 zeigt einen an der Ecke einesHauses angebrachten mit einem spitzen Dach versehenen Erker.Fig. 14 ist der Grundrifs dazu, und zwar zeigt daselbst das Achteckden Eckständer, der aber aus mehreren Stücken bestehen kann; dieStücken ab c d und efg h die über einander geschnittenen Pfettendes Gebäudes, auf deren Kreuzung wieder der überecksliegendeStichbalken iklm mit dem andern Balken n o p q überschnitten ist.Zwischen die Pfetten ab c d und e fg h sind nun die Wechsel r s,t u und v w mit Versatzung und Zapfen eingesetzt, aus welchen wiederkleine unter den Balken i k l m und n o p q liegende Stichbalkenhervorgehen, sowie zwischen letztere die Wechsel xy und s s ein-gesetzt sind, aus welchen kleine auf den sich kreuzenden Pfettenliegende Stichbalken hervorgehen, so dafs also die Kopfbügen bei aaund bb die Pfetten bei cc, dd und ee aber die in der Höhe der letzternliegenden unter den Balken befindlichen Stichbalken tragen. Daszweite Achteck zeigt den Grundrifs des obern Gestocks und derdessen Saumschwelle tragenden Balkenköpfe und Knaggen und dasdritte Achteck den der Dachschwelle, gleichfalls mit Balkenköpfenund Knaggen. Fig. 15 giebt den Durchschnitt nach ff gg , und zwarzeigt daselbst ab c d den Durchschnitt der sich kreuzenden Pfetten,ef gh den der dazwischen sitzenden Wechsel, iklm den der Stich-balken, Ibno den der übereckliegenden Stichbalken, iklm imGrundrifs, p q r den des sich damit kreuzenden Balkens, n op q unddie punktirten Linien s und t zeigen die Stellen, wo in diesen Hölzerndie Wechsel sitzen. Fig. 16 ist der Durchschnitt nach hhi i, worinjedoch die Kopfbüge weggelassen und nur die Versatzung für die-selbe angegeben ist. Die Bedeutung der einzelnen daraus ersicht-lichen Hölzer wird daraus deutlich werden. Fig. 17 zeigt denDurchschnitt durch die Saumschwelle über dem ersten Gestock desErkers; die Konstruktion der herunterhängenden Zapfen, die nurdekorativ sind, geht daraus hervor. Fig. 18 giebt den Grundrifseines der Eckständer und zwar so, dafs ab c die Ecke des Achtortsangiebt, mit welcher dieselben auf der Schwelle aufsitzen und auswelcher Gestaltung sich dann, wie die Fig. 13 erweist, vermittelst derkleinen umgekehrten Wasserschläge die Fig. ad e c entwickelt, derenEcken dann zu Rundstäben ausgekehlt sind, so dafs die Knaggen,welche unter den Balkenköpfen stehen, an die Grundform ad e c an-stofsen. Namentlich in einer der hier gezeigten ähnlichen Erker-bildung, wonach dieselben in förmliche Thurmspitzen endigen, liegtdie höchste Zierde, deren ein Wohnhaus fähig ist, und ist nichts mehrgeeignet, die entsetzliche Monotonie unserer modernen viereckigenHäuser mit ihren horizontal an der Reifsschiene durchliniirten Ge-simsen zu unterbrechen, als dergleichen vertikale Gestaltungen, die

auch in den meisten Fällen mit weit geringerem Aufwand möglichsind, als zu dem jetzt noch immer gebräuchlichen Säulen-, Ochsen-augen- etc. Luxus erforderlich ist. Fig. 19 zeigt in der Vorder-ansicht eine ganz einfache Gestaltung der Auskragung eines mit vierSeiten des regulären Achtorts vor einer Wand vortretenden Erkers. Fig. 20 ist die Seitenansicht und Fig. 21 der Grundrifs dazu.

Tafel 43. Hölzerne Thurmspitzen. Gerade die Holzkonstruktionermöglicht auf eine sehr leichte und verhältnifsmäfsig wenig kostbareWeise die zierlichsten Bildungen dieser Art. Unsere Vorfahren imMittelalter wufsten das auch sehr gut, und daher rührt dieser reicheSchmuck von gröfsern oder kleinern Thürmen, in welchem, wennauch in sehr verringertem Mafse, noch manche Städte prangen. Undwenn man die Sache auch nur von dieser Seite, also vom dekorativenStandpunkte aus, betrachtet, so giebt doch unleugbar einem gewöhn-lichen Hause ein solches Thürmchen, sei es nun als Dachreiter, oderals Erkerthürmchen, oder am Dachbord angebracht, ein ganz anderesAnsehen, als die üblichen Modeverzierungen, welche aus Pilastern,Medaillons und hundert ähnlichen Dingen bestehen, nach denen Nie-mand den Kopf mehr umwendet, zu geben im Stande sind, ganz ab-gesehen davon, dafs man in ein solches Thürmchen doch hinansteigenund sich daraus umsehen kann, demnach mit der Anlage ein prak-tischer Zweck verbunden ist. Also ganz mit Unrecht sind derleiBauten an weltlichen Gebäuden abgekommen. Aber auch an kirch-lichen Bauten, wo trotz allen Fortschrittes in dem, was daran ge-schieht, der gesunde Sinn des Volkes doch noch den Thurm verlangt,dieses Gleichnifs der nach oben strebenden Christenseele, hat manalles Mögliche gethan, um nicht nur alles Hochstrebende daran zuvermeiden, sondern auch einem solchen Bau einen ganz entgegen-gesetzten Charakter aufzudrücken. Man reise nur umher in Deutsch-land und betrachte einmal die Thürme von in den letzten Dezennienneu erbauten Dorfkirchen. Welche sonderbaren Bildungen sieht manmeist. Von Holz gebaut sind sie häufig, was allerdings durch dasan Dorfkirchen oft nothwendige Ersparungssystem geboten erscheint,aber wie hat man sich bemüht, diese in der modernen Anschauungso ordinäre Konstruktion zu verstecken. Nicht nur, dafs die ganzeArbeit berohrt und geputzt ist, sondern überdem sind noch häufigsehr übelverstandene antikisirende Gesimse daran genagelt, Fron-tons, toskanische oder andere Säulen, so wie sie die Möbeltischler anihre Sekretairs setzen; kurz man findet daran alles Mögliche, nureben nicht das, was die Konstruktion und das Bedürfnifs mit sich ge-bracht hätten. Ein Kirchthurm, von welcher Gröfse er auch sei, er-fordert einmal in Deutschland nach dem Bewufstsein des Volkes denAusgang in eine Spitze, also ein hohes Dach. Es ist dies auch, wennman es nicht ganz platt zum Begehen machen will, die zweckmäfsigsteGestaltung für dasselbe und zugleich der leichteste Weg in der Holz-konstruktion, eine gewisse Höhe zu erreichen, so dafs es eher räth-lich erscheint, die gerade Wand eines Thurmes niedriger und dasDach höher zu machen als umgekehrt. Welches Material man auchzur Eindeckung desselben anwendet, immer wird das Ganze durchgröfsere Höhe an Dauer wie an Ansehen gewinnen. Nun aber giebtgerade die Holzkonstruktion die mannigfaltigsten Mittel an die Hand,derlei Thurmspitzen auf die reichste und verschiedenartigste Weisezu gestalten, sei es, dafs man nur die Dachspitze selbst von Holzmachte oder auch schon die senkrecht stehenden Wände, soweitsolche über das Kirchendach hinausragen, in dieser Weise aus-führte, was namentlich bei Dorfkirchen sehr anwendbar ist und imMittelalter auch vielfach angewandt wurde. Um nun einen schwachenBegriff zu geben, welches ergiebige Feld sich in dieser Bauweiseöffnet, sind vorliegende Beispiele gegeben, die theils nach den inMerians Topographie befindlichen Radirungen von Städteansichtendes schwäbischen Kreises, theils nach in meinen Skizzenbüchern vor-handenen, nach der Natur aufgenommenen Skizzen von derlei Bautenaus verschiedenen Gegenden Deutschlands entworfen sind und ohneweitere Beschreibung durch die zugefügten Grundrisse deutlich genugwerden.

Tafel 44. Treppenbau in Holz. Es ist der Treppenbau eine sowichtige und schwer zu erschöpfende Materie, dafs bei dem mangeln-den Raum in der bildlichen Darstellung derselbe hier nur sehr kurzabgehandelt werden kann. Die Konstruktion der Treppen selbst istbekannt genug und bedarf keiner weitern Erläuterung; so wird nurbei der Beschreibung der einzelnen in der Darstellung vorgeführtenBeispiele jeder Punkt, in welchem dieselben von der gewöhnlichenKonstruktion abweichen, hervorgehoben werden. Fig. 1. Grundrifseiner Treppe. Der Podest ist gleich von vornherein zwischen dieTreppengewände hineingelegt und in die Balken desselben dieTreppenwangen mit einer Versatzung eingesetzt. Die Treppenstufensind nach unten nicht verschalt, sondern glatt gehobelt und die Stofs-bretter gegen die Trittstufen genagelt. Die Podeste und Austritteder Treppen werden nun noch an vielen Orten berohrt und geputzt.Es ist der Putz aber einestheils ein sehr sprödes Material, welchesdaher an Orten, wo es, wie hier, häufigen Erschütterungen ausgesetztist, nicht von grofser Dauer sein kann. Aufserdem aber läfst sicheine Verbindung von so ungleichartigen Konstruktionen wie derHolzbau und das Putzen fast nie auf irgend eine erträgliche Weise