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Gothische Holz-Architektur
Entstehung
Seite
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Leisten versehen, nur durch die übergeschmierte Oelfarbe ein einiger-mafsen glattes Aeufseres gewinnen. Eine Doppelthüre kostet mit demerforderlichen Beschlag fast das Doppelte von dem, was eine einfachekostet. Würde man nun diesen Mehrbetrag darauf verwenden, dieeinfachen Thüren besser und nach Befinden mit mehr Schmuck aus-führen zu lassen, so würde das nicht allein, wie man sagt, nobler,sondern weit ehrbarer aussehen, und jedem Besucher einen ganzandern Begriff von der guten Ausführung des Baues und von demgesunden Sinne des Bauherrn geben, abgesehen davon, dafs beireicherer Ausführung, wobei sogar geschnittene Verzierungen vor-kommen könnten, die Handwerker weit mehr lernen und jedenfallseine weit gröfsere Liebe zu ihrer Arbeit gewinnen würden, als diesbei dem jetzt fast allein üblichen Hobeln, Gehrungenschneiden undLeimen möglich ist. Aber dahin sind wir jetzt gekommen durch diemoderne Bauart, dafs man wohl nur selten mehr einen Handwerkerfindet, der Liebe zu seiner Arbeit hat und Stolz in seine kunstreicheAusführung derselben setzt. Das wird ja jetzt nicht mehr verlangt,und weil es jetzt nicht mehr verlangt wird, so können es die Leuteauch nicht mehr so leicht und rasch machen, als nöthig wäre, unddeshalb wird, wie die Rede geht, nichts mehr dabei verdient. Obaber nicht auf diese Weise eine ganz andere und tüchtigere Bildungder Handwerker zu erzielen wäre, als durch die Sonntagsschulenund Handwerkervereine, wo denselben doch nur Dinge in den Kopfgesetzt werden, die ihnen doch nur wenig nützen und durch dashalbe Wissen nachtheilig wirken, das wäre eine sehr wichtige Frage,und Jeder wird sie mit Ja beantworten müssen, der von der Würdeder Arbeit, von dem veredelnden Einflüsse einer kunstreichen Arbeitauf den, der sie macht, einen Begriff hat. Fig. 1 giebt nun eineganz einfache einflügelige Thüre. Fig. 2 zeigt die Konstruktiondazu. Zuvörderst ist darauf aufmerksam zu machen, dafs bei sämmt-lichen hier gegebenen Thüren nie die Kehlung des Rahmholzes umdie Füllungen herumläuft, sondern an den Querstücken diese Kehlungnur an der untern Seite angestofsen ist, während die obere Seiteimmer nach einem Fasen gebildet ist, auf welchen die Kehlung derLängenrahmstücken aufläuft. Es geschieht dies nach dem Vorgangeder Alten, einestheils weil die geneigte Fläche für jede Abdeckungdie zweckmäfsigste Form ist, wie auch schon die Analogie der Dächererweist, anderntheils weil auf diese Weise die Fuge eine weniger demEindringen des Waschwassers ausgesetzte Richtung erhält, als diesbei einem Zusammenschneiden nach der Gehrung geschehen würde.Aufserdem aber gewinnt eine Thüre auf diese Weise eine weit ab-wechselndere Gestaltung, auf dem Fasen zeigt sich das Profil derKehlung, und es ist ja bei jedem Dinge der Unterschied zwischenoben und unten gegeben, so dafs es beinahe schon dem natürlichenGefühl entspricht, auch hier diesen Unterschied auszusprechen. DieBekleidung der Thüre ist auf beiden Seiten verschieden gezeichnet,unten ist sie mit der Fufslambri auf Gehrung zusammengeschnitten,wodurch das widerwärtige Unterkleben der abgeschmackten Sockelwegfällt, welche nicht allein keinen Sinn haben, sondern geradezuschädlich sind, da die Bekleidung weit besser auf den Boden hinab-reicht. In Bezug auf Fig. 2 ist zu bemerken, dafs die Thüre keinenFalz hat, sondern in einen im Futter befindlichen Falz schlägt. DasFutter ist abgerundet und fafst das Schliefsblech darüber, damit dieZunge des Schlosses keine Beschädigung verursacht. Die Bekleidungist auf den Putz gesetzt, wodurch die häfsliche Fuge zwischen Holzund Putz vermieden wird. Zur Vergleichung ist in Fig. 5 eineandere Art Thürschlufs gegeben, welche in neuern Zeiten üblich ge-worden ist, und in jeder Hinsicht das gerade Gegentheil der zu Fig. 1gehörigen Art bildet. Fig. 3 und 4 zeigen Drücker und Schild zudieser Thüre. Das mittlere Querrahmstück sitzt deshalb nicht auf derMitte der Höhe, weil hier das Schlofs seinen Platz hat und es besserist, den Zapfen des Rahmens vor der sonst nöthigen Durchbrechungzu bewahren. Fig. 6. Eine etwas reichere Thüre. Die Fufslambriläuft stumpf an die Bekleidung. Das Zusammenschneiden der Be-kleidungsstücke wird aus der Zeichnung erhellen. Die obere Füllungist auf eine an ältern Holzarbeiten häufig vorkommende Art verziert,welche erst dann recht wirksam wird, wenn der Grund eine andereFarbe erhält, wie ich in der Burg in Lübeck derlei Thüren fand,wobei der Grund zinnoberroth gemalt war. Fig. 7 zeigt das Detailder Thüre. Fig. 8 die aus dem obern Bekleidungsstücke ausge-schnittene Verzierung. Fig. 9 die Fufslambri. Fig. 10 das Detailder obern Füllung. Fig. 11. Eine etwas gröfsere Thüre mit reichererVerzierung, wobei jedoch das Mafswerk in dem obern Bekleidungs-stücke gemalt gedacht ist. Fig. 12 das Detail der Thüre. Fig. 13das Detail der obern Füllung. Fig. 14 das Detail der unternFüllung. Fig. 15 das Detail der mittlem Füllung. Fig. 16. Einereichere Thüre, bei welcher jedoch die Verzierung der Füllungengemalt gedacht ist. Ueber die Art der Ausführung von derlei Malereiist schon früher das Nähere gesagt worden. Inzwischen bleibt dasimmer ein Nothbehelf und die Wirkung ist weit besser, wenn, wieFig. 18 zeigt, das entweder aus einem oder aus mehreren Bretterngeschnittene Mafswerk mit der Füllung in den Nuth des Rahmensgreift. Es ist in Fig. 18 der Rahmen etwas zu schwach ausgefallen. Fig. 17 zeigt das Detail der Verkleidung. Eine reichere Bildung

der Bekleidung, insbesondere des obern Stückes, ist nach der Seitemöglich, welche der Richtung des Schlagens der Thüre entgegen-gesetzt ist, indem man hier das obere Bekleidungsstück mit nachunten hängendem Mafswerk bilden mag. Fig. 19 zeigt ein Beispielder Art. Es ist hier die Bekleidung in Verbindung mit einer Wand-täfelung gedacht, indefs würde es, auch wenn diese wegbliebe, bessersein, die an den Seitenstücken geschnittene Verzierung erst in dieserHöhe anfangen, dagegen den Stengel derselben als Rundstab auf demäufsern Fasen hinablaufen zu lassen. Die Wappenschilder auf denEcken der Bekleidung sind aufgenagelt. Fig. 20 zeigt die Kon-struktion der Thüre mit doppelten Rahmfüllungen. Fig. 21 und 22das Detail des obern Bekleidungsstückes mit dem hängenden Mafs-werk im Aufrifs und Durchschnitt. Fig. 23 den obern Theil derBekleidung mit dem angenagelten Wappenschild im Grundrifs.Fig. 24 den Drücker mit dem Schilde. Der Drücker ist etwa vonEbenholz mit eingelegtem Elfenbein gedacht. Das Schild, welcheswegen Raummangel zu kurz gerathen, ist von Metall mit gravirterZeichnung. Um einen noch gröfsern Reichthum in der Bekleidungzu erzielen, kann man auch gewissermafsen einen Vorbau mit Ver-dachung vor derselben anlegen. Fig. 25 zeigt ein Beispiel der Art. Fig. 28 giebt den Durchschnitt dazu, aus welchem die Art der An-ordnung deutlich hervorgehen mag. Fig. 26 zeigt die Konstruktionder Thüre in der obern Füllung. Es ist nicht so gemeint, als ob dieVerzierung der obern Füllung wie hier neben der der mittlem stehensolle, sondern es werden dadurch verschiedene Beispiele gegeben,indem, im Fall die mittlere Füllung in der hier angezeigten Weiseverziert würde, auch die obere durchweg verziert werden müfste.Fig. 27 giebt die hier gezeichnete Verzierung der obern Füllung ingröfserem Mafsstabe. Fig. 29 den Grundrifs bei ab in Fig. 28.Fig. 30 den Grundrifs bei cd in Fig. 28. Fig. 31 das Kapitäl ein Fig. 28. Fig. 32 und 33 das Detail des Zierblattes / in Fig. 25und 28.

Tafel 26. Zweiflügelige Thüren. Fig. 1. Eine dergleichen mitdoppelten Rahmfüllungen. Die Thüröffnung in der Mauer ist, wieFig. 5 erweist, bogenförmig gedacht, so dafs, um die viereckige Formzu gewinnen, dieser Bogen verkleidet werden mufste, was eine höhereGestaltung des obern Bekleidungsstückes nöthig machte. Die Kon-struktion der Bekleidung wird aus Fig. 1 deutlich. Fig. 2 giebt dasDetail von Thüre, Futter und Bekleidung. Die Thüre schlägt an einerZarge a, nicht wie in den vorigen Fällen gleich am Futter. Fig. 3zeigt den Anschnitt der Kehlung der Begleitung, von der Leibungder Thüre aus gesehen. Fig. 4 giebt den ganzen Grundrifs derMauerstärke mit Zarge, Thüre, Futter und Bekleidung. Fig. 6 dasProfil der Kranzleiste der Bekleidung. Fig. 7 bis 9 das Detail derSchlagleiste im Grundrifs und Seitenaufrifs. Fig. 10 den Drückermit Schild. Fig. 11. Zweiflügelige Thüre. Fig. 12. Kehlung derBekleidung bei a in Fig. 11, so dafs b die Mitte der Bekleidung.Fig. 13 giebt den Aufrifs hierzu. Fig. 14 die Konstruktion derThüre. Fig. 15 die durchbrochene Verzierung, welche auf demQuerstück der Bekleidung zwischen den Längsstücken sitzt. Fig. 16Durchschnitt hierzu. Fig. 17 das Detail des obern Querstücks derBekleidung. Fig. 18. Eine Thüre mit reicher Bekleidung, derenDetails aus Fig. 19 hervorgehen. Es giebt hier nämlich Fig. ab c de f g h i k die Längsstücke der Bekleidung, deren Grundviereck,welches sich bei x in Fig. 18 zeigt, k k k k vorstellt, Icdmnopqrsdas obere Querstück, worin o t u v n die Zinnen vorstellen, fernerl c d ef x y z das mittlere Querstück, während ab c zugleich die Pro-filirung des Mafswerkes in dem Felde über der Thüre giebt. Eskönnte dieses Mafswerk aber auch auf den Mauergrund oder ein auf-gelegtes Brettstück gemalt sein, in welchem Falle der Fasen a bherumliefe und das Mafswerk innerhalb desselben erst anfinge. DieVerzierung der Hohlkehle d e ist gemalt, die der Hohlkehle f x jedochgeschnitten und aufgesetzt. Was nun die Thürflügel selbst betrifft,so müssen die Thürflügel in Fig. 25 als die Kehrseite derer in Fig. 18vorstellend angesehen werden. Die daselbst angebrachten Querleisten,welche, wie Fig. 23 in dem Durchschnitt nach a b und Fig. 22 in demDurchschnitt nach c d erweisen, mit einem Schwalbenschwanz in dieBretter der Thüre eingesetzt sind, halten die Thüre zusammen,während die Deckleisten e , welche unter die Querstücke f in Fig. 18fassen, aufgenagelt sind. Fig. 21 giebt das Profil der kleinen Sockeleines der Rundstäbe der Bekleidung in Fig. 18. Fig. 25 stellt einereichere Bekleidung mit Wappen darüber in Verbindung mit einerWandtäfelung dar. Fig. 27 giebt die erforderlichen Grundrisse derBekleidung, woselbst abcdefghiklmnopq die vertikalenStücke, r stiklmnop q das Querstück oberhalb der Thüröffnungund r st ik Im das Querstück oberhalb des Wappens, so wie uvwxydas Profil des Rahmens um das Wappen so wie des Mafswerksdarüber giebt. Fig. 26 ist das Detail des Sockels der mittlem Rund-stäbe der Bekleidung.

Tafel 27. Verschiedene Fenster. Wir können uns hierbei jedernähern Besprechung enthalten und bemerken nur, dafs mehrere derhier und in den folgenden Blättern gegebenen Beispiele ausgeführtsind. Die Prinzipien, welche bei dem Entwürfe derselben leitendwaren, werden sich bei Betrachtung der Figuren von selbst darstellen.

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