führung der Art vor allen Dingen nöthig, mit den letzten Ueberbleibseln der Antikezu brechen. Oder sind denn etwa in der pseudo - antiken Zeit — von der wirklichenAntike lässt sich nicht reden — sind in der Renaissance und im Rococo oder auf demFelde der modernen Kunst irgend Werke in diesem Material entstanden, die sich mitder Pracht und Herrlichkeit unserer altdeutschen Holzhäuser, unserer Chorgestühle,Täfelungen, Holzdecken, Mobilien aus dem Mittelalter auch nur im entferntesten messenkönnen? Müssen denn nicht alle Versuche der Art, neben ein entsprechendes Werkgothischer Arbeit gestellt, rein zu Schanden werden? Deshalb auch hier wie im Stein-und Ziegelbau und wie überhaupt in jedem Zweige des Handwerks, in sofern sichsolches zur Kunst erheben will — und das wird vielleicht bald Lebensbedingung dafürsein — ist kein anderer Weg zu betreten, als alle Ueberbleibsel christlicher Kunst bisin die geringsten Details der Zusammenfügung der einzelnen Theile mit dem gewissen-haftesten Fleifs zu studiren und dann danach zu arbeiten.
Wohl sind mehrere der schätzbarsten Werke vorhanden, die uns die herrlichstenArbeiten der Art zu Gesicht bringen, und lag daher dem Entwürfe des vorliegendenWerkes nur das Streben zu Grunde, die aus den alten Arbeiten gezogenen Principienfür Gegenstände, wie sie in unsern heutigen Bauten erforderlich sind, anzuwenden.Dafs manche Fehler dabei vorgekommen, manche Inkonsequenzen mit untergelaufensind, weifs ich gar wohl. Wenn man aber bedenkt, dafs für sehr viele der hier dar-gestellten Gegenstände Muster aus dem Mittelalter entweder nie vorhanden waren, oderes wenigstens nicht mehr sind, oder auch mir nicht zu Gesicht kamen, so wird manvielleicht die Unvollkommenheit der That mit der Redlichkeit des Willens entschuldigen.
DER VERFASSER.