I.XXVII
Brief des Conrcctors Paalzow zu Seehanscnan Johann Winckelmann in Rom.
Hochwürdiger, Hochgelahrter Herr,Hochzuverehrender Herr Präsident und Abt,
(et 8i liket)
Hochgeneigter Herr Gevatter und Gönner!
Erlauben Sie, hochwürdiger Herr Präsident, daß ich alsDero alter Freund blos nach Freundesart an Dieselbenschreibe. Ich muß Sie einmal aus Dero gelehrtem Feldein Gedanken nach Dero Vaterland loken. Ich werde alsokeine Ulei-aria, sondern lauter ismilisi-ia berichten. Ichbin überzeugt, mein Herr Präsident und gütiger Herr Ge-vatter sind noch der alte aufrichtige Winckelmann,dessen redliche Freundschaft ich hier so lange genossen habe;ich glaube also nicht, daß das alte Sprichwort! Kono^bei Ihnen eintreffe. Nein, nein, ich weißes gewiß. Lassen Sie sich also in der Absicht ein wenigzu den geringen Neuigkeiten Ihres Vaterlandes herab.
Ich fange von mir selbst an. Ich glaube gar wohl,daß mein Herr Präsident in der Zeit, da wir hier Collegenim Schulstaube gewesen, werden angemerkt haben, daßmein Gehör sehr schwach gewesen. Seit Dero Abschiedaber hat es sich so verschlimmert, daß ich bis Anno 175?theils mit vieler Mühe, theils mit großem Verdrusse meineSchularbeit verrichten müßen. Endlich entschloß sich derweise Magistrat, mir ohne mein Wissen ein eingeschränktes
') Man sehe die Biographie S cxrm — c^xiv.