XXVIII
Gravina nichts wissen, wenn er nichts anderes, alsseine kagion poeticain wAscher Sprache geschriebenhätte, welches Buch in alle Sprachen übersezet zu werdenverdiente. Der junge Reisende aber lernt diese Werke hierso wenig wie anderwärts kennen; sondern anstatt hier dasunvergleichliche Pastorale, den Endymion des gemelde-ten Dichters zu lesen, liefet er den Roman des Rousseau.
Aus demjenigen, was ich gesagt habe, werden Sie vonselbst geschlossen haben, daß die Pedanterei unter den Ge-lehrten in Rom seltener als anderwärts sein müße. Diesehängt vielen an Orten an, wo sie niemand über sich se-hen, und wo sie von einer unerfahrnen Menge bewundertwerden, wie auf den Universitäten jenseit der Gebirge,und welcher (kein Pedant) ist, scheint es doch zuweilen. Denndas Leben an Orten, welche von Höfen entfernt, und ohnegroße Veränderung sind, in einem Umgange nur mit seines-gleichen, oder mit jungen Leuten, in beständiger Arbeitund in Sorgen der Nahrung, schränket den Geist ein, unddi? Verhältnisse, in welchen man stehet, erlauben nicht,fröhlich nach Art der Jugend zu fein; daher verhüllet sichdas Gesicht vor der Zeit in Ernsthaftigkeit, die Stirnleget sich in Runzeln, und die Sprache selbst wird sen-tenzenmäßig. In Rom hingegen und überhaupt inItalien scheint der Einfluß des Himmels, welcherKöhlich-keit wirket, wider die Pedanterei zu verwahren.