IX
Man entsehe sich nicht, auch sogar einen Moncadade Velasco, einen Spizbuben, der als Abgesandter vonSpanien an zwei durchlauchtigen Höfen erkannt worden,würdig zu achten, in der Geschichte des menschlichen Ver-standes einen Plaz zu nehmen; überhaupt diejenigen, soin ihrer Art groß gewesen, sollte es auch eine Phryneneuerer Zeiten sein.
Louise Labe,*) die französische Aspasia, wirdderGeschichte von He inr ich II. eben so wenig Schande ma-chen, als die ältere Aspasia derGeschichte von den Zei-ten des Perikles.
Aon Gelehrten und Künstlern verewigt die allgemeine Ge-schichte nur Erfinder, nicht Cop isten; nur Originale,keine Sammler: einen Galilei, Huygens und New-ton, keinen Viviani, keinen Hopital; einen Cor-neille undRacine, keinen Bour fault, keinen Cre-billon; einen Raphael, Spagnolet und Rubens,keinen Penni, keinen Piazetta, keinen Jordans;einen Buonarotta und Palladio; keinen Van-brugh, keinen Bischer.
Dies ist der Grundsaz, den man beim Vortrag derneuern allgemeinen Geschichte vor Augen haben muß;alles Subalterne gehöret in die Specialgeschichte.
Die Kenntniß der großen Schiksale der Reiche undStaaten, ihre Aufnahme, Wachstum, Flor nnd Fall,sind nicht weniger wesentliche Eigenschaften einer allgemei-nen Geschichte, als die Kenntniß großer Prinzen, klugerHelden und starker Geister. Und diese muß nicht etwa wieim Vorbeigehen ertheilet, oder durch Schlüsse aus den Tha-ten der Prinzen (so wie die mehresten allgemeiuen Geschich-ten nur person elle Geschichte zu sein scheinen) von demLeser oder von dem Zuhörer selbst hergeleitet werden. Man
Die schöne Seile rill.