Briefe.An Franke.
INach Nvtheniz. Z
Rom, dc» 28 Jan. l76^!.
Liebster Freund!
Es ist mir kaum ein Schreibe» von Ihnen ange-nehmer gewesen/ als das leztere vom ersten Tagein diesem Jahre/ welches ich den 2ä dieses erhal-ten habe/ sonderlich durch die Erinnerung der Kalt-sinnigkeit unseres Umgangs'/ wodurch uns Nöthenizein Paradies hätte werden können. Ich erkennehierin ein Gegenwicht/ welches allen menschlichenDingen gegeben ist. Den übergroßen Talenten istdie Faulheit zu Theil worden; diejenigen/ die zurFreundschaft geboren sind/ und in derselben diehöchste menschliche Glükseligkeit finden können/ wiesie es ist/ sezen sich Phantasien in Weg/ um nichtdie höchste Zufriedenheit in menschlichen Dingen zufinden/ die mir in Gott allein soll gesucht werden.Vielleicht wäre ich noch izo in Nötheniz; den sehrviel habe ich in meinem Leben gethan/ mir einenbeständigen Freund zu erweken/ um denselben bisan mein Ende zu genießen. Unterdessen achte iches für einen großen Gewin, mich Zhrer Freundschaftrühmen zu können/ und da ich allen Briefwechseljenseit des NbeinS und der Donau ausgegeben habe,so sind Sie izo der älteste meiner Freunde/ und derwürdigste/ weil Sie eS geworden und geblieben find.Alle andere vormalige Freundschaften sind auf derWaage zu leicht befuuden und von nichtigemGehalte; die unsrige wird ewig und bis in'S Grabdauern/ weil sie lauter und rein ist von alle» Absich-ten/ und geprüft durch eine lange Erfahrung. Überdiesen Punkt bin ich so empfindlich/ daß ich von nichteWmckewmil. ll. 2