Druckschrift 
8 (1825)
Entstehung
Seite
59
Einzelbild herunterladen
 

2 Th. 1 Abschtt. 69

schon vollendet. Sie steht auf einem Gerüste mitkleinen Nädern/ wie ApollodoruS sie beschreibt.^)Die daneben stehenden/ ans Brettern verfertigtenStufen zeigen die Bequemlichkeit an/ die man derKönigin verschafte/ um darauf zu steigen und sichhernach darin einzuschließen. Einige wollen/ sie seimit einer Kuhhaut bedekt gewesen.^) Der Man/mlcher vor der Kuh steht/ scheint in beiden Händeneinen Schwam zu haben und sie damit zu reiben.Es ist bekant/ daß man die Thiere/ um sie zur Be-gattung anzureizen/ die Geburtstheile des Weibchensberiechcn läßt/ so daß also vielleicht der mit irgendeinem Geruch befruchtete Schwam dieselbe Wirkunghat hervorbringen sollen. Die eherne Knh des Bild-hauers My ro ii/ welche von so vielen Dichtern geprie-sen worden ist und so künstlich verfertigt war/ daßStiere sie für eine wirkliche Kuh hielten und sichmit ihr begatten wollten/ hat auch einigen Zusam-menhang mit der gegenwärtigen.

Nachdem die ganze Maschine von Dädalusvollendet und in Bereitschaft gesezt ist/ kömt mmPasiphae mit schamhafter Mine/ als bedächte sieizo/ daß ihr Trieb so sehr von dem menschlichen Ge-fühle abweiche. Ein kleiner Amor ohne Flügelführt sie/ da hingegen derjenige/ der ihr die Leiden-schaft einflößte/ geflügelt war. Der Künstler scheintdurch diesen Unterschied die Grade der Verschuldungauszudrüken und die ersten Gedanken einer strafbarenLeidenschaft von der wirklichen Befriedigung dersel-ben unterscheiden zu wollen. Doch vielleicht hat erdas beobachtet/ was in einem Gesänge der Ho ine-rtste»/ den Plato anführt/^) enthalten war/ daß

1) I.. z. lc. I. 5>4'Z

2) 1. c. Oio. oral. 20. x. 270.

3) x. 209.