Druckschrift 
7 (1825)
Entstehung
Seite
109
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Abhandlung tc. 109

len vollkommen schönen Menschen zu finden. Doch hatauf der einen Seite die eingepflanzete Neigung desMenschen , fich über seine Bestimmung zu erheben/ und,was die Natur unvollendet läßt, zu verbessern/ die-ser Unvollkommenheit abzuhelfen gesucht/ und aufder andern Seite bat die durch Religion erhiztePhantasie der Heiden/ deren erste Lehrer Dichter wa-ren/ mitgewirket. Indem diese suchten/ Gegenständeder Verehrung/ und zwar/ um Ehrfurcht und Liebezu erweken/ Bilder von höherer Natur/ als diemenschliche ist/ zu geben: so dachten sie/ daß die derGottheit würdigsten und für die Einbildung desMenschen reizendsten Bilder diejenigen wären, welcheden in einer ewigen Jugend und in dem Frühlingdes Lebens' fortdauernden Zustand der Götter auS-drükten. Dieser Zustand war dem Begriffe von derUnveränderlichkeit des göttlichen Wesens gemäß/und allein fähig/ die menschliche Seele in einensüßen Traum entzükender Liebe zu verseze»/ worindie Seligkeit bestehet/ die bis izo von den Sterb-lichen in allen Religionen/ gnt oder übel verstanden/gesuchet worden. Zu der von Dichtern erhaltenenJdea von stets jugendlichen Gottheiten/ sowohl mäil-lichen als weiblichen Geschlechts/ kam noch eine an-dere/ vermöge welcher man annahm/ daß alle Göt-tinen ein jungfräuliches Ansehen hätten/ welchesman besonders an den Brüsten wahrnehmen könte.Daher sind die Brüste von den Künstlern ohne sicht-bare Warzen gebildet worden/ wie an jungen Mäd-chen/ denen Lucina/ um mit den Dichtern zu re-den / den Gürtel noch nicht aufgelöset hat/ und welchedie Frucht der Liebe noch nicht empfangen haben.

K.. Beseelt von dieser eingepflanzten Neigungund von solchen Grundsäzen der Religion/ suchtendie alten Künstler aus den schönsten Theilen diet? W.,d. K. SB. t K. 2 §. Note.1