Abhandlung »e.
heißt: sie bestehet in so geformten Umrisse»/ daß dieTheile/ indem sie die ganze Gestalt geben/ gleichviele Veränderungen der Einheit sind oder zu seinscheinen. Diese Jdea/ oder dieser Gedanke / wie wirihn nennen wollen/ ist in der That ein wenig ab-stract; aber ausserdem/ daß er nicht weniger fest ste-het/ ist er von wichtigen Folgen in Ansehung dessen/was ich noch späterhin zn sagen habe. Daher mußich ihn/ wen es mir anders gelingt, noch verständ-licher zu machen suchen; und dieses glaube ich da-durch thun zu können/ wen ich sage/ daß in diesemBegriffe der Einheit auch die U n b ez ei ch nu n gliege/ welcher Ausdruk mir bei der Anwendung zuStatten komt. Wen ich also sage/ daß eine Gestalt/um schon zu sein/ nn bezeichnet sein müße: sowill ich dadurch andeuten/ daß die Form derselbenweder dieser oder jener bestickten Person eigen sei/noch irgend einen Austand des GemuthS oder eineEmpfindung der Leidenschaft ansdrükc/ als welchedie Einheit unterbrechen und die Schönheit vermin-dern oder verdunkeln. Daher gilt von der Schön-heit/ was von dem Wasser/ welches aus dem Schooßeder Quelle geschöpft wird, das um desto gesundergeachtet wird/ je weniger Geschmak es hat/ und vonallen fremden Theilen geläutert ist.
Z. 10. Es scheint mir kaum nöthig/ noch zu be-merken/ daß die Einheit und die Einfachheit/ vonwelcher ich rede/ entweder materiell oder mora-lisch ist, und daß die moralische sich auf dieStellung/ welche die Künstler ihren Figuren ge-ben/ die materielle aber auf die Formen der-selben beziehe; ich bemerke nur/ daß hier von dermateriellen die Rede ist. Die materielle Einheit,welche wir auch die l ine arische nennen können/ist geeigneter, daS Alter des Menschen/ in welchemdie Schönheit ihren Siz zu haben scheint/ das heißt: