Abhandlung:c. tv3
bestimme»/ «ntstehet daher, weil es unsere Begrif-fe übersteigt; und da wir »nS nichts so Erhabenesund Vollkommenes als die Schönheit vorstellen kön-nen : so war die natürliche Folge, daß uns das Schöneund das Vollkommene für gleiche Dinge galten.Wäre das' nicht/ so würden wir auch von demSchönen die wahre Erklärung haben / wie von jedemandern Dinge/ dessen ganzes Wesen man keiit. Wiees sich aber mit dieser Erklärung verhalten mag/so wird doch ein jeder/ welcher überzeugt ist/daß allen Geschöpfen das Gepräge der Vollkommen-heit in dem Grade aufgedrükt sei/ dessen sie fähigsind/ und daß ein jeder Begrif auf einer Ursache be-ruhe/ die ausser diesem Begriffe in etwas andermgesuchet werden müße/ ohne Zweifel erkennen/ daßdie Ursache der Schönheit/ welche man für eines mitder Vollkommenheit halten kari/ nicht ausser dersel-ben zu finden sei, da sie in allen erschaffenen Din-gen vorhanden ist.
§. 7. Dieses angenommen/ muß ich zn meinemZweke noch die Bemerkung vorausschiken/ daß diehöchste Schönheit nur in Gott ist; daher die mensch-liche Schönheit um desto vollkommener wird/ je mehrsie dem höchsten Wesen gemäß/ entsprechend und ein-stimmig kau gedacht werde»/ welches durch seine Ein-heit und Untheilbarkcit von der Materie unterschie-den ist. Diese beiden Eigenschaften sind die Quelleder zwei vornehmsten Begriffe von der Schönheit/die ein jeder in den Gegenständen/ welche ihm vorkom-men/ zu sehen sucht/ nämlich die Einheit und dieEinfachheit harmonisch mit einander verbünde»/ undin den Theilen gleichförmig vereinigt: den die Ein-fachheit entspringt aus der Einheit/ und beide zusam-men erzeugen das Erhabene.
§. L. Ich will ebenfalls die andere Wahrheitvorausschiken/ daß jede Sache begreiflicher wird/