iv2 Vorläufige
Liebhabers und Künstlers' darzulegen/ ist es nothwen-dig, vom Idealen zum Wirklichen/ und vom Allge-meinen zum Besondern herabzusteigen/ und unseresowohl als der griechischen Künstler Vorstellungen vondem durch die ganze Natur verbreiteten Schönen/ undbesonders von dem/ womit der Mensch begabt ist/mit der Betrachtung jener Schönheiten zu verbinden/!welche dieselben Griechen in ihren Werken gebildethaben. Dieses muß aber nicht in schwankenden und >unbestimten Worten geschehe»/ sondern durch einegenaue Bestimmung der Umrisse und Linie»/ auswelchen dasjenige entstehet/ was wir schöne Formennennen. Meine Abhandlung wird daher in zweiTheile zerfallen; in dem ersten werde ich von derSchönheit der Zeichnung überhaupt oder von demAnblik handeln/ den uns die menschliche Gestalt imGanzen betrachtet sowohl durch daS/ was ste an stchist/ als durch den AuSdruk und die Stellung gewährt:im zweiten werde ich von den Theilen rede»/welche zur Schönheit der menschlichen Gestalt bei-tragen.
Erster Theil.
§. 6. Die Schönheit läßt sich auf gewisse Grund-begriffe zurükführe»/ aber nicht bestimt erklären.Gewöhnlich sagt man/ sie bestehe in der wechselseiti-gen Übereinstimmung des Geschöpfs mit dessen Absich-ten und der Theile unter sich und mit dem Ganzen.Aber auf diese Weise verwechselt man die Schön-heit mit der Vollkommenheit, welche eben-falls dadurch nicht bestimt ist/ noch bestimt werdenkan / weil die Menschheit derselben nicht fähig ist.Kan wohl eine Erklärung des Schönen genüge»/ weilsie dasselbe mit dem Vollkommenen verwechselt?
Z. 6. Die Unmöglichkeit/ das Schöne genan zu