Abhandlung tc. 101
nach der Schönheit in allen ihren Theilen strebte»/aber ich wollte sagen, daß sie in ihren Werken nichtnur die Jugend und die Blüthe der Jahre / sondernauch jede Person und jedes Alter auSzudrüken suchten,indem sie zum Beispiel bei allen Figuren dieselbeRegel befolgte»/ welche man in der Vorstellung derJahreszeiten beobachten muß/ von denen jede/ siemag unter dem Bilde einer jugendlichen oder einerbetagten Person erscheinen/ auf ihre Weise schön undanmuthig sein wird. Dieses Bestreben/ alle Al-ter des Lebens schön zu bilden/ wie das Jabretwa vom Frühlinge bis zum Herbste schön nndangenehm ist/ wurde von den griechischen Künstlernnicht nur in dem Ganzen ihrer Werke/ sondern auchin jedem einzelnen Theile derselben beobachtet; daherman sage» ka»/ daß sie sauft vom Allgemeinen zumBesondern übergingen / wie die Natur vom Stammedes BaumS zu den Zweigen.
§. 3. Ich sehe/ was ich unternehme/ wen ichweiter gehe: bei dem Unterrichte ist das Schwerste/die Sache/ von welcher man handelt/ zu zerlege»und in ihren Theilen zu betrachten; weßhalb unsjene/ die bisher von der Schönheit schriebe»/ ausTrägheit des Geistes oder vielmehr aus Mangel anKentniß mit metaphysischen Ideen abgefertigt haben.Sie sczten sich eine Unendlichkeit von Schönheiten i»de» Kopf/ die sie an den griechischen Statuen wahr-genommen; aber anstatt uns dieselben anzuzeigen/haben sie nur ini Allgemeinen davon geredet/ aufdie Art/ wie Cäsar Ripa seine Jkonologie ver-fertigte/ gleichsam als wen alle Denkmale vernichtetund verloren wären.
§. -4. Um nun von der Kunst der Zeichnung un-ter den Griechen/ oder von der Schönheit/ die siein den menschlichen Figuren angebracht haben/ zuhandeln/ und die Vorzüge derselben zum Nuzen deS