Viertes Kapitel.
Von der Kunst der Zeichnung unter denGriechen und von der Schönheit.
§. t. Die Kunst der Zeichnung unter den Grie-chen / als der wesentlichste Theil dieser schon begon-nenen Abhandlung/ muß/ wen man einen deutlichenBegrif von ihr haben und sie nach ihrem ganzenWerthe erkennen will/ nicht nur in ihren ersten An-fängen betrachtet/ sonder» in allen ihren Fortschrit-ten/ in ihrem WachStume/ ihrer Vollkommenheitund ihrem Verfalle untersuchet werden. Hierzu aberist erforderlich die Veränderungen/ welche sowohldie Kunst als auch das Volk/ von dem sie ausgebil-det wurde/ erlitten hat/ mit einander zusammen-stellen; und ich werde darum/ weil ich dieses izo un-ternehme/ die Abhandlung in zwei Abschnitte theilen/wovon der erste systematisch/ der zweite histo-risch ist.
Erster oder systematischer Abschnitt.
§. 2. Von der Kunst der Zeichnung unter denGriechen reden / Heißt eben so viel als von der Schön-heit in allen ihren Theilen Handel»/ weil diese vonihrer Kunst der Zeichnung die Grundlage und derEndzwek war. Dieses zeigen ihre Werke/ bei derenVerfertigung sie offenbar dem Ideal der Schönheit/das sich in ihnen gebildet hatte/sowohl die etwaige Wis-senschaft/ alles nachzubilden/ wie es in der Natur er-scheint/ als auch den AuSdruk/ welchen die Figurenerhalten sollten/ um diese oder jene Geschichte vor-zustellen/ untergeordnet haben. Ich sagte/ daß sie