Abhandlung ic. 99
Leser/ wen er in der gegenwärtigen Abhandlung überdie Kunst der Hetrnrier bestimtere und genauere Ge-danken erwartet hat/ als ich aufstellte/ dieses dergeringen Anzahl der uns übrig gebliebenen Denk-male zuschreiben muß/ weßhalb wir nicht zu einemvöllig richtigen Systema von der Zeichnung jenerKünstler gelangen können. Da aber der älteste grie-chische Styl/ wie ich schon gesagt habe/ dem derhetrurischen Künstler ähnlich gewesen/ so wird mansich oft/ wen man cinc solche Arbeit dem einen oderdem andern Volke zueignen will/ sehr in Acht neh-men müßen; den wir haben eine Menge kleinere he-trurische Figuren: aber von Statuen/ welche zurRichtschnur beim Urtheilen und Entscheiden dienenköiiten/ ist auch nicht eine einzige in Rom vorhan-den; und darum kan sich unser Urtheil fast einzigauf die Arbeit der geschnittenen Steine gründen/welche uns von diesem Volke erhalten sind. Alleindiese sind wie das kleine Gestrüpe von einem auSgc-hauenen Walde/ von welchem nur noch einzelneBäume stehen; und so wie sich nach einem Schif-bruche aus wenigen Brettern eines zu Grunde ge-gangenen SchifS kein sicheres Fahrzeug bauen läßt:eben so wenig wird man/ bei dem Mangel großerFiguren mit genauer und bestimter Zeichnung/ vonden übrig gebliebenen Denkmalen ein Systema zubilden vermögen.