Abhandlung:c.
auf uns gekommen sind/ und fast alle ebendieselbeMythologie und eben dieselben Begebenheiten vorstel-len. Wen die alten Hetrurier die Kunst zu schreibenverstanden hätten, so würde man auf den bis izo inihrem Lande aufgefundenen Denkmalen/ anstatt dergriechischen Geschichten / die Begebenheiten ihres ei-genen Landes vorgestellt sehen/ von welchen sie ausMangel der Schrift/ daß ist: der Jahrbücher/ keineKentniß haben konten. i) Wie kömt es aber/ daßdie Hetrurier zu unfern Zeiten/ nachdem einige ihrerGrabmäler entdekt worden/ (die doch meiner Meinungnach immer die elendesten Werke eines Volks sind/)berühmter geworden/ als sie eS bei den Römern wa-ren/ und zwar nicht etwa unter den Kaisern oder inden lezten Zeiten des FreistaatS/ sondern damalS/ woman in Rom anfing die Augen zu öfnen / und manbei der geringen Entfernung von jenem Zeitpunktewissen konte, wie der Lauf der Dinge in Hetruriengewesen? Die Ursache ist diese: die Hetrurier wuß-ten nichts von den Begebenheiten ihres eigenen Volks/sondern nur von den ihnen durch Griechen mitgetheil-ten Geschichten oder Fabeln zu erzählen/ so daß dieRömer zu der Zeit/ als sie schreiben gelernt und hier-durch berühmt zu werden ansingen/ glaubten/ da sie
j) Wir möchten den umstand, daß die Hetrurier in ihrenDenkmalen nicht die Begebenheiten ihres eigenen Landes,sondern vielmehr Gegenstände der griechischen Mythologieund Geschichte vorgestellt haben, nicht mit dem Antoraus dem Mangel der Schrift und der Jahrbücher, sondernans dem Charakter des hetrnrischen Volks herleiten, dasseinen Stolz in Zeichendenterei und Priestertum sezte,»nd dem das freie Leben des Geistes in Dichtung imdWissenschaft immer fremd blieb. Daher scheint auch dieLiteratur der Hetrurier, selbst nachdem sie durch die Grie-chen dieser ihre Mythologie und Poesie kennen gelernt,dennoch in ihrer ursprünglichen Rohheit geblieben zu sei».Me»e r.