Abhandlung tt. 6s
des Verstorbenen zu retten/ welche ihn nunmehr ver-folgten. !)
§. L. Nachdem ich die Ursachen kurz angeführethabe/ warum die Kunst der Zeichnung bei den Ägyp-tiern nicht zu dem Grade von Vollkommenheit ge-langte/ den sie hätte erreichen sollen/ da sie von ih-nen so viele Jahrhunderte hindurch geübet worden:muß ich nunmehr auch genau angeben / auf welcherStufe sie stehen blieb. Hier muß man jedoch zuvorzwei oder vielleicht drei Epochen unterscheiden.Die erste hat während der uralten Verfassung diesesLandes gedauert/ in welcher sich der ursprünglicheStyl ganz rein / wie ihn die Geseze vorschrieben / er-halten hatte; die zwote während der durch die Griechenerfolgten Eroberung Ägyptens/ wo zuerst nach mei-ner Meinung dieser alte Styl einige Veränderung er-litt; und endlich die dritte/ welche den Ägyptiernnicht einmal eigentlich zugehört, begreifet die Zeit,wo man in Rom unter den Kaisern und namentlichunter HadrianuS ein Vergnügen darin fand/ Bild-werke »ach ägyptischem Geschmake zu verfertigen.
§. 9. Indem wir diese Epochen also unterschei-den, ist es vortheilbaft/ in Ansehung der ersten/ wel-che die rein ägyptische Kunst umfasset/ die allgemeinenEigenschaften des ursprünglichen StylS ebenfalls vondem abzusondern/ was ihm insbesondere zukomt. Dieallgemeine Eigenschaft desselben oder die Wissenschaft/welche jene Künstler von der Zeichnung hatte»/ beste-het/ wie ich schon angemerket habe/ in Umrissen derFiguren/ die nur wenig von der geraden Linie abwi-che»/ so daß es vergeblich sei» würde, »ach Beschaf-fettheit der Haltung oder Stellung an diesen Figuren/die Muskeln/ Adern und Sehnen zu suchen. Ohnealso bei den Merkmalen zu verweilen/ welche dieses
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