Vorrede.' 25
Künstler den Stof zu ihren Werken nahmen, undbeide waren versichert/ daß dieselben von jederman,der sie anhörete oder anschauete, verstanden würden.Da die Gedichte Homers ferner mit den übrigenTraditionen der Götterlehre durch das engste Bandverknüpft waren/ so wurden sie zugleich für eben soviele die Religion betreffende Nachrichten gehalten/und diese deswegen in den Schulen bei der Lesungdieses Dichters förmlich gelehret. Man machete da-bei den Anfang von der Vereinigung des NranuSoder des Himmels und der Erde/ und diesesganze Systema der Fabellehre bis zur Wiederkunftdes Ulysses nach Zthaka, welches der mythi-sche Cirkel/ genant wurdet) warnunmehr das weite Feld/ auf welchem sich die Kunstubete. Von dem Worte in diesem Sinnegenommen/ glaube ich / wurden diejenigen Autoren/welche sich in ihren Schriften über diesen ganzenCirkel oder wenigstens über dasjenige, was dieHlias und Odyssee in sich begreift/ 6^-/» ge-nant. Daraus würde sich erklären lassen / was Ho-ratins gleich nach den oben angefüvreten Versensaget/ und was bisher/ so viel ich weiß/ nicht gutverstanden worden ist:
Rec sie inci^ies, ut scriptor olim:
?oi'Ui«»iri priami canwbo et llol^iie kollum,2)
Doch dies sei nur im Vorbeigehen gesagt. Wahrist eS/ wie ich schon bemerket habe/ daß Homerusder große Lehrer der griechischen Künstler gewesen,und jeder/ der die Bedeutung ihrer Vorstellungen zuwissen wünschete/ mußte daher zu dem Dichter selbstseine Zuflucht nehme»/ um sich Aufklärung darüberzu verschaffen.
>) ki-vcl. clireswmst?,. np. plwt. WiUotli. x> S21.
2) ^.<1 ?Is. v. 1Z6— 1Z7.
Winckelnmn. 7. 2