Druckschrift 
6 (1825)
Entstehung
Seite
23
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10 Buch, 1 Kap. 23

gegen das obere Augenlied zu, so daß dasselbe durchdas übergetretene Fleisch beinahe ganz bedeket wird.Die Natur, welche der Künstler nicht verschönernkonte, hat er ansgewikeltcr, angestrengter und mäch-tiger zu zeigen gesuchct: da, wohin der größteSchmerz geleget ist, zeiget sich auch die größte Schön-heit. Die linke Seite, in welche die Schlange mitdem wüthenden Bisse ihren Gift ausgießet, ist die-jenige, welche durch die nächste Empfindung zum Her-ze» am heftigsten zu leiden scheinet, und dieser Theildes Körpers kan ein Wunder der Kunst genennet wer-den. Seine Beine wollen sich erheben, um seinemÜbel zu entrinnen; kein Theil ist in Ruhe; ja dieMeißelstreiche selbst helfen zur Bedeutung einer er-starreten Haut.

§. 17. ES haben einige wider dieses Werk Zwei-fel aufgeworfen, und, weil es nicht aus einem einzi-gen Stük bestehet, welches PliniuS von dem Lao-koon in den Bädern des TituS versichert, son-dern aus zwei Stuten zusammengesezet ist;^) willman behaupten, es sei der gegenwärtige Laokoonnicht der alte so berühmte. Pirro Ligorio isteiner von denselben, und er will aus Stuten vonFüßen und Schlangen, die größer als die Naturwaren, und sich zu seiner Zeit fanden, glauben ma-chen, der wahre alte Laokoon sei viel größer alsder izige, gewesen, und dieses vorauSgesezet, will erangezeigete Stüke viel schöner, als die Sratue imBelvedere, gesunden haben: dieses schreibet derselbein seinen Handschriften in der vaticanifchen Biblio-thek.^) Den unerheblichen Zweifel über die zwei

t) Die Figur des Laokoon ist fast auf gleiche Wcife wiei» der Gruve vorgestellt i» einer Gemme, welche manfür antik llält. (Aariette, ?raite tles pierr. gravecs l, 2.x>. 95.) F ea>

2) lMan sehe oben eine Note zum tZ §. und Heynes