Freundschaftliche
An L. U st e r t.
lNach Zürich,Z
Rom, dc» t6 April t76Z.
^»s meinem lezten Schreiben an unsern Freund/den edlen Füeßly, werden Sie vernommen haben,daß ich zum Oberaufseher de r A l tertü m e r derapostolischen Kammer von Sr. Heiligkeitbin ernennet worden. Es ist eine ansehnliche Stelle:nur von 12 Scudi Gehalt monatlich, aber auch ohneArbeit. Meine Freiheit leidet nicht dadurch/ nurbin ich etwas eingeschränkt, wen ich eine große Reisezu machen hätte; es wird sich aber auch hierzu Rathfinden. Die Ursache dieser Schwierigkeit ist einschriftliches Zeugniß / welches ich geben muß/ dasje-nige zu bekräftigen, welches zwei AssessoreS auf dasMemorial an den Cardinal Camerlengo geben,über Gemälde sowohl als Marmore/ welche aus demLande gehen. Diese AssessoreS sind meine Unterge- 1bene und verpflichtet, diese Sachen zu besehen: ichnicht wie jene; aber mir stehet frei / alles von neu-em zu besehen, und jener Urtheil ungültig zuma-chen. Ferner müßen mir a Nipa, wo die Sacheneingeschiffet werden, alle Kasten geöfnet werden, wel-che bis zu meiner Besichtigung nicht völlig verschlos-sen und verschlagen werden können.
Meine Pflicht ist ferner, über alle Altertümer inund um Rom ein wachsames Auge zu haben. ES darfauch niemand ohne meine Erlaubniß nach Altertü-mern auch in seinem eigenen Grunde graben. ESmuß mir daher alles gezeiget werden/ und was auf-büket/ bleibt mir nicht verborgen. Diese Stelle istunserem Füeßly in Genf in etwas nachtbeilig. Denda mein Vorgänger Venuti aus einem alten ade- jlichen Hause/ aber aus Nothdurft/ in die ihn seinUnverstand gebracht, sich herunterlassen müßen, Frem-